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Liebling des Monats: ORF-Boss Alexander Wrabetz

Warum wir ihm trauen?

Weil er immer zu spät draufkommt, wer von den ihm unterstellten Führungsmitgliedern des ORF nicht mehr tragbar ist. Er vertraut Menschen und wir ihm. Dass man mit Elmar Oberhauser nicht zusammenarbeiten könne, habe er „lange nicht geglaubt“, bekannte er. Jetzt weiß er es, da war aber das Unglück schon geschehen. Und an den Kommunikationsdirektor Pius Strobl glaubt Wrabetz offenbar noch immer, obwohl dieser sich selbst als untragbar erklärte und zurücktrat. In der nachhaltigen Personalpolitik des Generaldirektors liegt so etwas wie Beständigkeit.

Was wir über ihn schreiben möchten?

Dass er sich freiwillig entschieden hat, künftig kein Machtwort zu sprechen oder „Schluss der Debatte“ zu verkünden. Aus so etwas wird nichts. Klingt ja fast so wie Wilhelm Molterers „Es reicht“ als Auftakt zur Nationalratswahl – der brauchte diesen Trick gar kein zweites Mal wiederholen und schon war er draußen. Also ruhig bleiben, Alexander, eine ORF-Wahl mit verkürzter Intrigenzeit steht vor der Tür.

Worüber wir noch mehr wissen möchten?

Wie er sich doch noch immer mutig an der Spitze hält und sagt, das Schlimmste sei überstanden. Dabei ist ihm die Regenbogenkoalition zerbröselt, nur noch 18 Aufrechte aus dem SPÖ-Freundeskreis hat er im Stiftungsrat hinter sich. Und rechnet sich dennoch aus, eine neue politische Koalition um sich und einen Personalvorschlag zu scharen, den er noch gar nicht kennt.

Warum wir ihn lieben?

Weil er, als er noch Finanzdirektor war, eigentlich alle Missstände im ORF und persönlichen Schwächen führender ORF-Leute so scharf diagnostiziert hat wie ein Arzt die Immunschwächen von Patienten. Muss doch schlimm sein, wenn einer nicht mehr weiß, was rundherum vorgeht, und dann sagt, dass in der Öffentlichkeit „ein vollkommen falsches Bild von der Realität des Unternehmens gegeben wird“.

Erschienen in Ausgabe 12/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 10 bis 11. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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