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Special

Parteizeitung „KTZ“ ist privatisiert

Von Engelbert Washietl

Stabile Entwicklung der „Kärntner Kleinen“, Subregionalisierung bei der „Kärnten Krone“.

Die Kärntner Tageszeitung „KTZ“ hat ein turbulentes Jahr mit zahlreichen Umstellungen hinter sich. Einschneidende Veränderung: Die SPÖ ist aus der ehemaligen Parteizeitung völlig draußen, und auch die Mediaprint ist nur noch Kunde. Somit gibt es in Österreich nur noch die oberösterreichische ÖVP-Zeitung „Neues Volksblatt“ als einzige Parteizeitung.

In Kärntens „KTZ“ hat der 30-jährige Privatverleger Hansjörg Berger mit seiner BB&Partner Vermögens- und Liegenschafts GesmbH in zwei Etappen das Heft übernommen. Die Zeitung gehört ihm ganz. Der erste Besitzerwechsel fand vor einem Jahr im Dezember statt, als die Mediaprint aus den Verträgen ausstieg. Es wurde die Redaktionsbeteiligung probiert, in dem Chefredakteur Ralf Mosser 22,5 Prozent übernahm. 45 Prozent blieben der SPÖ, 22,5 hielt Geschäftsführer Bernhard Wernig und mit 10 Prozent stieg BB&Partner ein. Aber die Startbasis war holprig, parallel kam die schwere Finanzkrise der von der SPÖ geführten Kärntner Druck- und Verlagsgesellschaft dazu, die im Sommer etliche Mitarbeiter abbaute. Im Oktober wurde der zweite Schnitt gemacht. Berger übernahm die Anteile von Mosser, Wernig und der SPÖ und versichert jetzt: „In nur kurzer Zeit werden wir bei guter Rendite sein. Aber wir müssen unsere Zeitungsgeschichte aufarbeiten. Wir wollen, dass auch Wirtschaftsleute zur, KTZ‘ greifen.“ Mit anderen Worten: Umsatz geht vor Parteilinie.

Monatlich erscheinende „Bezirksjournale“ tragen mit einer Auflage von 180.000 zum Umsatz bei.

Berger hat das Mediengeschäft durch seinen Vater Hannes Berger im Blut, der Regionalmedien aufzog, die inzwischen von Styria beziehungsweise der RMA aufgekauft wurden. In geschäftlicher Hinsicht webt der junge Hansjörg Berger ein Netzwerk. Seine BB&Partner ist mit der Werbeagentur EVI zur BB&Partner/EVI/Eurasia verbunden. Oliver Zussner und Hansjörg Berger halten je 50 Prozent an der EVI. Diese ist bei den „KTZ-Bezirksjournalen“ dabei, vor allem auch bei der Kärntner „Blitzlicht Revue“, die sich auf Hochglanzpromis aller Art, Mode, Beauty und Genuss spezialisiert hat. Die gedruckte Version gibt es seit zwei Jahren, sie schöpfte schon bei ihrer Gründung und noch immer aus dem reichen Fotomaterial des Pressefotografen Egon Rutter, der schon einige Jahre vorher mit Erfolg eine Online-Society-Revue aufgebaut hatte. Beim Start der gedruckten „Blitzlicht Revue“ geriet die erste Nummer in die Aufregung um den Tod des Landeshauptmanns Jörg Haider und fiel deshalb landesweit auf. Auch das viermal pro Jahr erscheinende „Genussland Kärnten“ und das Kärntner „Airport Magazin“ gehören in diese von EVI geprägte Linie.

Bei der „KTZ“ veranlasste Berger das Nötigste zuerst und verschaffte der Zeitung ein zeitgemäßes Redaktionssystem. Es soll im Jänner schon funktionieren und das entsprechende Multitasking der Zeitung und des Verlages auf mehreren Ebenen ermöglichen. Die Bezirksschiene wird durch die monatlichen Regionalmedien gepflegt, die bereits die Bezirke Wolfsberg, Völkermarkt, Klagenfurt und Klagenfurt Land, Villach und Villach Land sowie Spittal erreichen. Feldkirch, St. Veit und Hermagor stehen noch auf der Wunschliste.

Die Auflage beträgt laut Chefredakteur Ralf Mosser 21.000 und dank der Hängetaschen sonntags 33.000. Hinzugekommen ist auch eine Montagausgabe, was bei der Konkurrenz Kopfschütteln erregte, die sich eher skeptisch über die Überlebenschancen der dritten Zeitung neben den zwei Elefanten „Kleine Zeitung“ und „Kärnten Krone“ äußert: Ausgerechnet mit einer teuer zu produzierenden Montagausgabe beginnen sie die Reformen, heißt es.

Das wird bei der „KTZ“ ganz anders gesehen, denn der sportbegeisterte Mosser hat die Berichterstattung stark auf Fußball ausgerichtet, und zwar auf die „Unterligen“. 20 Mannschaften laufen in Kärnten mit „KTZ“-Dress über den Rasen. Das bringe Aufmerksamkeit und Leser, sagt Mosser. Die Redaktion habe gute Leute und zeige im Sportteil ihre besondere Kompetenz.

Der wirtschaftliche Druck wird ungeachtet des Optimismus des neuen Eigentümers weiter Sorgen machen. Ein Spezialthema ist in dem Zusammenhang die im vorigen Jahr verfügte Streichung der Landespresseförderung, die bisher jeder Kärntner Tageszeitung 300.000 Euro gebracht hatte. Die Landesregierung hat ins Budget lediglich ein paar Euro als Platzhalter hineingeschrieben, angeblich aus Rache dafür, dass die Zeitungen die Parteienförderung zu kritisch unter die Lupe genommen hatten. Mit Bundespresseförderung kann das Blatt weiter rechnen, doch nimmt auch diese von Jahr zu Jahr ab. Für das laufende Jahr 2010 kassiert die „KTZ“ immerhin noch 1,026 Millionen Euro.

Keine Todfeinde

Den großen Konkurrenzzeitungen der „KTZ“, also der „Kleinen Zeitung“ und der „Kärnten Krone“, darf man glauben, dass sie an einem Untergang der „KTZ“ nicht interessiert sind. Sie nimmt ihnen marktmäßig wenig weg und erfüllt die wichtige Rolle, zur „Medienvielfalt“ in Kärnten beizutragen. Von ihrer Tradition her hat sie ja tatsächlich eine besondere Zielgruppe, die allerdings nicht im Fokus Bergers stehen dürfte.

So wie in der Steiermark ist die „Kleine Zeitung“ auch in Kärnten Marktführer. Die ÖAK gibt für das erste Halbjahr 2010 einen Direktverkauf von 92.901 Exemplaren an, um 1.500 mehr als im Vergleichszeitraum 2009. Chefredakteur Reinhold Dottolo kann zufrieden sein, zumal es der Zeitung gelungen sei, die Fluktuation der Abonnenten nach unten zu drücken. „Das ist das Wichtigste“, sagt er. Unter Fluktuation leiden alle Medien, wahrscheinlich europaweit. Wenn sich in einem Kalenderjahr beispielsweise 15 Prozent der Leser verlieren, muss das betreffende Medium ebenso viele neue Leser gewinnen, bloß um den Gleichstand zu halten. Ein ausgesprochen mühevolles und teures Unterfangen. Noch sind die Styria-Medien damit beschäftigt, den Umstieg in die Nach-Pirker-Ära zu bewältigen. Dottolo sieht für seine Kärntner „Kleine“ keine Probleme, die sich aus dem Rückzug des Styria-Vorstandsvorsitzenden Horst Pirker ergeben würden. Rückblickend hebt er Pirkers Rolle als „Firewall“ hervor: Er habe alle Interventionsversuche von außen abgewehrt.

Die Auflagenrechnung stimmt Dottolo auch sonntags froh. Obwohl es um die vor Pirkers Abgang angekündigte Einführung einer Hochglanz-Sonntagsausgabe etwas still geworden ist, erzielt die normale Zeitungsausgabe eindrucksvolle Zuwächse. Mit 108.975 als Direktverkauf definierten Exemplaren hat Kärntens „Kleine“ am Sonntag innerhalb eines Jahres um 1.673 Stück zugelegt. Die „Kärnten Krone“ liegt mit 94.492 Exemplaren am Sonntag und 71.765 unter der Woche nicht weit hinter der „Kleinen“. Der Absatz an Wochentagen hat sich kaum verändert, der Sonntag hat um 878 Exemplare zugelegt. Die „Lokalisierung“ wird bei der „Krone“ in allen Bundesländern zurückhaltender betrieben als in der jeweiligen Landeszeitung. Dennoch gibt es Anstrengungen in diese Richtung, „Subregionalisierung“ nennt Chefredakteur Hannes Mößlacher das Programm, das auch in der Steiermark und in Oberösterreich laufe. Für Kärnten heißt das, dass mutierte Ausgaben für Klagenfurt Stadt und Land sowie für die einzelnen Bezirke und jeweils mit dem Logo des Bezirkes verbreitet werden. Auf diese Weise stelle die „Krone“ verstärkt den Lokalbezug her.

In Kärnten haben 2010 alle drei Tageszeitungen mit internen Umstellungen zu tun. War es bei der „KTZ“ der beschriebene Eigentümerwechsel, so ist es bei der „Kleinen“ der Rückzug Pirkers und bei der „Krone“ der Tod des Patriarchen Hans Dichand. Mößlachers Aussage zufolge ist die „Krone&#x
201C;-Struktur nach wie vor in gewohnter Weise erkennbar. Chefredakteur Christoph Dichand sei sehr schnell in die Fußstapfen seines Vaters getreten, indem er auch Herausgeber wurde. Er bekomme von ihm viel Feedback, es gebe einen engen Kontakt mit Wien. „Christoph Dichand zeigt den Willen, das Haus zu führen.“

Erschienen in Ausgabe 12/2011 in der Rubrik „Special“ auf Seite 78 bis 79 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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