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Rückbesinnung auf den Tiroler Adler - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

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Special

Rückbesinnung auf den Tiroler Adler

Von Engelbert Washietl

Auch Medien brauchen eine Heimat. Deren Wert wird in Tirol wieder hoch geschätzt.

Der Adler, Traditionsvogel des Bundeslandes Tirol, spielt bei der „Tiroler Tageszeitung“ wieder eine vornehme Rolle. Das war früher schon so, aber zwischendurch fühlte sich die „TT“ auf Modernisierungstrip und schien ihre Identität in der Unübersichtlichkeit des großen Verlagshauses Moser Holding verloren zu haben, aber jetzt ist wieder alles gut. In Inseraten und breitflächigen Plakaten treten Tiroler Menschen mit Adlerköpfen auf: „Tiroler und Tirolerinnen sehen mehr“ lautet der ermutigende Werbespruch.

„Wir bilden uns ein, den schärfsten Blick zu haben“, bestätigt Alois Vahrner, neben Mario Zenhäusern einer der zwei „TT“-Chefredakteure. Wer viel sehen will, muss viel herumkommen. Tatsächlich bricht seit zwei Monaten einer der Chefredakteure einmal pro Woche zu jenen wichtigen Lesern auf, die nicht in der Landeshauptstadt, sondern irgendwo in dem durch hohe Berge verstellten Bundesland leben. Dort wird dann bis in die Nacht hinein im „TT-Forum“ heftig diskutiert, am besten beim Kirchenwirt. Dabei geht es ums örtliche Hallenbad oder, wie vor Kurzem in Ischgl, um den Ausbau der Seilbahn. Nicht nur der Seilbahnchef, sondern auch der stellvertretende Landeshauptmann Hannes Gschwentner waren zugegen und diskutierten mit. Zum Drüberstreuen gibt es an Samstagen auch noch das „Café TT“ mit Gratiskuchen und Kaffee für das an beidem interessierte Publikum.

Vahrner ist überzeugt, dass die „Tiroler Tageszeitung“ einen festen Boden hat. Der Relaunch von Anfang des Jahres habe fast nur positive Rückmeldungen ausgelöst, immerhin biete die Zeitung jetzt einen großen Wirtschaftsteil, eine Meinungsseite und in acht Lokalausgaben das Panorama aller regionalen Neuigkeiten.

Glaubt man der Auflagenkontrolle ÖAK, so hält die „TT“ ihre Bastion fast unverändert bei 86.428 Exemplaren im ersten Halbjahr 2010. Sonntags stieg der Absatz um 2000 auf 82.067 Exemplare. Der Herausforderer „Tirol Krone“ liegt fast unverändert bei 51.124 an Wochentagen und hat an Sonntagen mit 78.119 leicht zugelegt. Die Media-Analyse bietet ein differenziertes Bild. Die „Krone“ legte in Tirol von 34,9 Prozent Reichweite 2008 auf 40,2 Prozent 2009 zu, die „TT“ verbesserte ihre Reichweite im selben Zeitraum von 51,8 auf 54,4 Prozent. Die Neuerungen des Jahres 2010 konnten sich in diesem Ergebnis noch gar nicht niederschlagen.

Fazit: Die „Tiroler Tageszeitung“ vermittelt den Eindruck, dass sie wieder weiß, wohin sie gehört, nämlich nach Tirol. Das scheint auch dem Vorstandsvorsitzenden der Moser Holding, Hermann Petz, gut zu gefallen, nachdem dem Konzern der wilde Eroberungsfeldzug in Oberösterreichs Medienlandschaft alles andere denn gutgetan hat. „Es läuft so gut“, sagt er und wehrt die Frage, ob die Moser Holding 2011 vielleicht einen Gesellschaftspartner ins Haus holen werde, kategorisch ab. Das sei überhaupt kein Thema, nicht 2011 und auch nicht 2012.

„Jetzt haben wir einmal für viele Jahre eine Ruhe. Wenn Sie schauen, wie die Situation im Jänner war und wie sie jetzt ist – wir haben ein engagiertes Budget gelegt, jeden Monat waren wir in allen Positionen deutlich darüber. Das hebt die Stimmung bei allen Gesellschaftern und auch bei uns im Management.“

Von der laufenden Werbelinie ist er begeistert. „Der Adler sieht mehr, die, TT‘ sieht mehr. Es ist also die Mischung von Altbewährtem und neuem Anspruch für die Leser.“ Markttests im ersten Halbjahr hätten gezeigt, dass die „TT“ eine überdurchschnittliche Werbewirkung hat. Der Relaunch der Tageszeitung sei gelungen, jetzt gehe es darum, das Konzept zu vertiefen. Nicht nur mit dem „TT-Forum“ positioniere sich die Landeszeitung als das regionale Medium.

Die einstige Vision von einem Mediengroßkonzern aus Styria und Moser Holding wurde im Dezember 2009 begraben und aus der Erinnerung verbannt. Vorbei ist vorbei. Als Hintergrundstrahlung ist davon nur die Regionalmedien Austria (RMA) mit ihrem österreichweiten Netzwerk an Gratiswochenblättern geblieben. Moser Holding und Styria betreiben die RMA in einem Joint Venture und im oberösterreichischen Fall bloß als Kooperation.

Petz bezeichnet die wechselseitige Anpassung der zur RMA gehörenden Gratiswochenblätter als einen der Arbeitsschwerpunkte des kommenden Jahres. „Wir versuchen, unser Produkt der, Bezirksblätter‘ zu halten und zugleich gemeinsame Elemente zu entwickeln. Es wäre auch ein Ziel, dass diese Blätter am Ende dieser Entwicklung gleich ausschauen.“ Die Straffung des Marktes kann freilich auch Opfer verlangen. In Tirol wurde ohne viel Aufsehen die „Tiroler Woche“ für Innsbruck und Kitzbühel eingestellt. Es habe zu viele Überschneidungen gegeben, erklärt Petz die Maßnahme, denn in Innsbruck sei der Printmarkt sowieso stark besetzt, in Kitzbühel erscheinen ein RMA-Wochenblatt und außerdem der „Anzeiger“ der Kaufmannschaft.

Auch auf dem Magazinsektor der Moser Holding tut sich etwas. Der Geschäftsführer von Life Radio Tirol, Andreas Eisendle, ist zugleich Geschäftsführer der magazinösen Printprodukte, die sogar über Tirol hinaus streben. Eisendle nennt in dem Zusammenhang die dicken Frauenillustrierten „Tirolerin“, „Salzburgerin“ und „Oberösterreicherin“. Sie erscheinen zehnmal pro Jahr und bremsen in Westösterreich den Aufmarsch von Frauenmagazinen der News-Gruppe und Wolfgang Fellners. Die „Tirolerin“ hat mit ihren 23 Erscheinungsjahren schon so etwas wie Tradition und kann es durchaus auf 300 Seiten bei manchen Ausgaben bringen. Und schon schließen sich die drei zu einem westösterreichischen Ring zusammen, der die Durchschaltung von Inseraten erleichtert. Laut Eisendle sollen sie auch in Wien „positioniert“ werden. Damit ist zwar keine Expansion gemeint, aber die Media-Agenturen können dann von Wien aus auf die Angebote zurückgreifen.

Außer den Frauenillustrierten kümmert sich Eisendle um das „Weekend Magazin Tirol“, ein Gratiswochenblatt, an dem der „Weekend“-Blattmacher Christian Lengauer mit 26 Prozent beteiligt ist. Ein ganzer Bauchladen von Zeitschriften wird im Zielgruppen-Verlag produziert. Er spezialisiert sich auf Corporate Publishing und richtet sich mit dem Magazin „6020“ – das ist die Postleitzahl von Innsbruck – an ein junges, urbanes Publikum. Das Monatsmagazin liegt der „TT“ bei und ist auch in Boxen an verkehrsreichen Plätzen zu finden. Schließlich sind noch die regionalen Gratisblätter „Mein Monat“ und „Impuls“ zu nennen.

Eisendle: „Damit haben wir ein Portfolio, das sich klar nach Zielgruppen trennen lässt. Wir haben in den letzten Jahren vieles optimiert und arbeiten in dieser Richtung weiter.“

Glückserlebnis bei „Krone“

Die Entwicklung der „Tiroler Krone“ wird von ihrem Chefredakteur Walther Prüller als Glückserlebnis registriert. Dass sie in der Media-Analyse 2009 die magische Grenze von 40 Prozent durchstoßen hat und auf 40,2 Prozent zu liegen kam, ist für ihn umso aussagekräftiger, als die Zeitung im Zwischenergebnis 2009/2010 noch einmal auf 40,8 zulegte. „Das ist schon ein Erfolg“, sagt er.

Das gilt auch konzernintern, denn die „Kronen Zeitung“ ist 2009/10 in ihrem gesamtösterreichischen Auftritt genau an der 40-Prozent-Hürde gescheitert und liegt nur noch bei 39,8 Prozent Reichweite. So gesehen ist Tirol eine Stütze der Firma. „Wir machen eine Zeitung, die den Tirolern gefällt“, sagt der Chefredakteur.

Prüller hat die Leser-Blatt-Bindung emsig gepflegt, für die Zeitung alte Ansichten von Tiroler Gemeinden gesammelt und veröffentlicht und die übliche Event-Strecke einer auf Markterfolg konditionier
ten Zeitung bedient. Ein Ereignis hat für die „Tiroler Krone“ historische Bedeutung: Als am 13. September 1992 die erste Ausgabe des Blattes erschien, durften Eltern für ihr am selben Tag geborenes Kind ein Sparbuch mit einer Einlage von 10.000 Schilling in Empfang nehmen – gesperrt bis zum Eintritt ihres Nachwuchses in das Erwachsenenalter. 21 Babys wurden damals auf der Basis ihrer Geburtsurkunde beschenkt. Im September wurden sie 18 und somit großjährig. Laut Prüller erschienen alle zur Feier und erhielten ihr Sparbuch, aufgerundet auf 1.200 Euro.

Erschienen in Ausgabe 12/2011 in der Rubrik „Special“ auf Seite 84 bis 85 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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