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Medien

Stark im Abgang

Von Harald Fidler

Ein Jahr wie ein Auszählreim: Große Medienhäuser und Blätter verloren heuer reihenweise ihre Chefs – und der des größten kämpfte wacker weiter ums Überleben. Harald Fidlers Medientagebuch 2010.

Ist da noch jemand? Hans Dichand. Horst Pirker. Oliver Voigt. Elmar Oberhauser. Christoph Kotanko. Pius Strobl und seine Mata Hari, jene Promotionmitarbeiterin, die angeblich für ihn „abhören“ sollte. Atha Athanasiadis war im Frühjahr 2010 noch „News“-Chefredakteur. Susanne Obermayer bis in den Herbst die erste und langjährige Chefin von krone.at. Ja, noch zwei ORF-Direktoren sind nicht mehr im Amt, Willy Mitsche und Peter Moosmann. Auch „ZiB“-Chef Stefan Ströbitzer verschwand aus dem Fernsehen Richtung Radio. Der Gründer und Herausgeber des Monatsmagazins „Datum“, Klaus Stimeder, meldete sich ab. Die „Futurezone“ verschwand aus dem ORF, mit dem neuen Gesetz für den Küniglberg. „Chili“ räumte 2010 nur seinen ersten Sendeplatz, blieb aber im Programm.

Das Medientagebuch 2010, ein „Journal des Verschwindens“*. Das gibt den Branchenjournalisten viel Stoff für 2011: Wo tauchen jene Abgängigen wieder auf, die nicht in diesem Jahr ihren Frieden fanden? Und: Wer verschwindet im kommenden Jahr von der Bildfläche? Aber der Reihe nach.

Jän 1

Richard Grasl tritt seinen Dienst an. Erste Station der Allzweckwaffe der niederösterreichischen ÖVP für den Küniglberg: Finanzdirektor. Mit Option auf den Fernsehdirektor nach der ORF-Wahl 2011. Mit Hoffnung auf den Generaldirektor, 2011 oder halt etwas später. Der Mann ist ja noch jung. Und er versteht es geschickt, Leute für sich zu gewinnnen. Neben dem als Zauderer verschrieenen General Alexander Wrabetz liefert er rasche Lösungen auf kurzem Weg. Wird spannend, ob er die auch für das vor sich hin implodierende Fernsehprogramm findet. Auch für Grasl hatte eine ORF-Direktorin zu verschwinden: Sissy Mayerhoffer musste Ende 2009 dicht vor Grasls Wahl abdanken und kam zu Licht ins Dunkel.

Jän 11

Dominic Heinzl versucht, den ORF zu retten, jedenfalls scheint man das auf dem Küniglberg zu erwarten. Seine neue Societysendung „Chili“ vertreibt junges Publikum, das sie eigentlich anziehen sollte. Nach einer Sommerpause kürzt der ORF die Sendung und verlegt sie auf 19:45 Uhr.

Mär 12

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hört Stimmen. Wo andere den Arzt konsultieren, ruft er die Polizei. Das Symptom wird ORF, Medienjournalisten und Politik jedenfalls noch das ganze Jahr beschäftigen.

An diesem Freitagabend versucht der Blaumann, die Wiener Neustädter für sich und die Gemeinderatswahl zu gewinnen. ORF-Redakteur Ed Moschitz dreht in der Zeit gerade eine „Schauplatz“-Doku über zwei Jugendliche „Am rechten Rand“. Die haben ihm erzählt, dass sie, wenn überhaupt, dann Strache wählen würden. Also nimmt Moschitz die beiden mit zur FPÖ-Wahlveranstaltung nach Wiener Neustadt, er kauft ihnen Papier und Stifte für Transparente gegen Anti-FPÖ-Demonstranten. Und die Skins mischen sich unters Strache-Publikum, um, mehr oder minder interessiert, vielleicht auch ein Foto oder Autogramm zu bekommen. Moschitz sagt ihnen, nun könnten sie Strache sagen, was sie ihm sagen wollen. Strache geht weiter, man kann die Zahnräder förmlich ineinandergreifen hören, und ruft kurz darauf nach der Polizei. Erst will er „etwas Neonazistisches“ gehört haben, und der ORF-Mann habe die Jugendlichen dazu animiert. Später wird daraus „Heil Hitler“ und „Sieg Heil“. Strache zeigt Moschitz und die Skins wegen Wiederbetätigung an.

Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt beschlagnahmt das Band vom FPÖ-Event – ein Gutachter findet keine Spur von „Sieg Heil“. Das Fraunhofer-Institut, über einen Mittelsmann von der FPÖ beauftragt, entdeckt auch kein „Sieg Heil“, aber etwas, das womöglich so was sein könnte. Die FPÖ loopt das Geräusch zum Brachialtechno-Stampfen. Und gibt selbst zu: Es könnte natürlich auch Ski Heil sein. Wir ergänzen: Oder andere Silben. Oder auch gar keine Worte.

Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt verlangt die übrigen Bänder, auf denen die Skins in einem Hof doch rechte Sager abgelassen haben sollen. Das Oberlandesgericht gibt ihr recht, doch der ORF weigert sich. Am 16. Dezember nimmt sich der Oberste Gerichtshof der Sache an. Die Einladung klingt nach einem Grundsatzurteil, eher pro Redaktionsgeheimnis. Danach wollen Medienstaatssekretär und Justizministerin überlegen, ob es auch einer Novelle bedarf, um Redaktionen und ihre Informanten besser zu schützen.

Aber: Strache bereichert das „Journal des Verschwindens“ bisher nicht. Auch wenn die Staatsanwaltschaft auch wegen möglicher Falschaussage gegen ihn ermittelt.

Apr 5

Überfallsartig streicht die SPÖ Karl Krammer, den langjährigen Sprecher der roten Fraktion im ORF-Stiftungsrat, von ihrer Liste und nominiert den 23-jährigen Niko Pelinka zum Vertreter im wichtigsten ORF-Gremium. Nicht zum letzten Mal in diesem Jahr müssen im ORF Menschen für SP-Kandidaten Platz machen.

Jun 17

Hans Dichand und ich waren natürlich nicht die besten Freunde. Aber musste sich der „Krone“-König unbedingt den 17. Juni 2010 aussuchen, um den Vorhof der irdischen Macht hinter sich zu lassen?

Vier Seiten Medien in einer „Standard“-Ausgabe, gab’s das schon einmal in den 22 Jahren dieser Zeitung? Erinnern kann sich keiner dran, und so bald wird das wohl nicht mehr vorkommen. Drei davon füllt mein Schreibdurchfall in der Ausgabe vom 18. Juni 2010. Hans Dichand stirbt justament an jenem Tag, als SPÖ, ÖVP und FPÖ im Nationalrat das neue, aus vielen Wünschen zurechtgebogene ORF-Gesetz beschließen, das die Anstalt auch zum Verkauf der „Futurezone“ zwingt. Und als der Zeitungsverband einen neuen Chef wählt. Und wo das Antrittsinterview schon geführt war und die Chefredaktion ohnehin beim Seitenzuteilen gerade in Schwung, brachte ich auch das Gespräch mit Hans Gasser noch ins Blatt. Der sagt: „Die Krise hat unsere Branche käuflich gemacht wie noch nie.“

Jun 18

Klaus Stimeder gibt Anteile und Herausgeberjob bei „Datum“ ab. Mitbegründer Hannes Weyringer, ein Private-Equity-Manager, übernimmt das Monatsmagazin ganz.

Jun 26

Die Republik nimmt Abschied von ihrem König: Requiem im Stephansdom für Hans Dichand. Vorne vom Kanzler abwärts die Spitzen von Politik und Medienwelt. Weit hinten, in den Reihen für das Fußvolk, die Hauptperson einer der letzten Kampagnen Dichands: Barbara Rosenkranz, seine blaue Präsidentschaftskandidatin.

„Wer viel Macht hat, ist mehr bedroht, sie auch in fragwürdiger Weise zu verwenden“, sagt der Kardinal, und „Krone“-Kolumnist Christoph Schönborn beim Requiem: „Hans Dichand hatte viel Macht, in einer Zeit, in der die vierte Macht oft die erste zu werden droht.“ Werner Faymann konnte das in der ersten Reihe gut hören.

Michael Jeannée adressiert seine „Post“-Kolumne für die Sonntagsausgabe an diesem Tag an die „Krone“-Redaktion: „Lasst es uns ihnen zeigen, den anderen.“ Denn: „Jetzt erst recht, würde Hans Dichand sagen, jetzt erst recht. Okay Chef, jetzt erst recht die erste hausinterne Kampagne nach dem Tag X und eine, auf die Hans Dichand stolz sein würde.“

Diese erste Kampagne zielt wenig später auf die Wehrpflicht. Die Politik reagiert umgehend wie gewohnt und, wie oft, im Sinne der „Krone“. Es soll eine Volksabstimmung darüber geben.

Aug 1

Christoph Kotanko muss die Chefredaktion des „Kuriers“ für Helmut Brandstätter räumen. Der frühere n-tv- und Puls-Geschäftsführer ohne Zeitungserfahrung zeigt im neuen Job, dass ein Luxus-Dienstwagen und Personalsparpakete kein Widerspruch sein müssen. Brandy überzeugt dafür auch Neo-ÖBB-Chef Christian Kern, dass die ÖBB praktisch wöchentlich eine Seite 1 im „Kurier“ buchen.

Sep 9

Auf Drängen der SPÖ muss der erkrankte ORF-Radiodirekto
r Willy Mitsche seinen Job für Karl Amon räumen. Den wünschte sich Kanzler Werner Faymann schon als ORF-Chef. Amon versichert, er wolle auch nach 2011 Radiodirektor bleiben – und nicht General werden.

Sep 13

Ganz kann ich es nicht glauben, als erste Infos eintrudeln, dass Horst Pirker den Vorstandsvorsitz der Styria aufgibt. Doch der Kärntner bestätigt den Abgang. Schwerer Zoff mit dem Aufsichtsrat. Pirker hat den Grazer Verlag zu einem international aktiven Medienkonzern geformt, nach Kroatien, Slowenien, Montenegro und Norditalien expandiert, das „Wirtschaftsblatt“ und reihenweise Magazine übernommen, den Umsatz in zehn Jahren verdoppelt und ordentlich in die „Presse“ investiert. Pirker dazu im Abschiedsinterview: „Das Investment in die ‚Presse‘ hält einer wirtschaftlichen Betrachtung sicher nicht stand; das möchte ich ganz offen zugeben. Es war nur bisher so, dass die Styria Media Group AG nicht nur nach wirtschaftlichen Kriterien entschieden hat. Wir gehören einer gemeinnützigen Stiftung; da ist es nicht aus der Welt, in die Gesellschaft etwas einzubringen, das metaökonomisch ist.“ Seine Vorstandskollegen Wolfgang Bretschko und Klaus Schweighofer übernehmen die Führung. Die WAZ interessiert sich für Pirker.

Sep 23

Mein im Journalistenkammerl gebrülltes „Nein“ reißt bei den Medientagen in der Stadthalle sogar die Diskutanten auf der Bühne, gut 50 Meter und ein paar Ecken entfernt. Darf ich dich etwas fragen, hat Kollege Philipp Wilhelmer von der APA da gerade zum dritten Mal gesagt, die ersten beiden hatte ich wahrheitsgemäß mit einem freundlichen Nein beantwortet. Beim dritten Mal vermute ich Schwerhörigkeit oder zeitweilig eingeschränkte Wahrnehmung und brülle eben. Ich wollte Wilhelmer klarmachen, dass ich gerade keine Zeit habe für Auskünfte, weil ich möglichst rasch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München gegen Hypo-Aufdecker von „News“ und „Profil“ online bringen wollte, später finden sich noch ein paar weitere belangte Medien. Ihre Zitate aus Hypo-Gerichtsakten sind in Deutschland strafbar, nicht aber in Österreich. Die Staatsanwaltschaft Wien lud die Kollegen als Amtshilfe als Beschuldigte vor. Ein Fehler, räumt ihre Leitung bald ein. Da ist die Causa aber längst schon ein weiterer Beitrag zur großen Debatte des Jahres über Redaktionsgeheimnis und Pressefreiheit.

Nov 11

Faschingsbeginn. Der Stiftungsrat wählt ORF-Infodirektor Elmar Oberhauser ab. Er hat per Rundmail gegen ORF-General Alexander Wrabetz protestiert, der Fritz Dittlbacher zum TV-Chefredakteur machte. Oberhauser hatte zum Trotz Armin Wolf vorgeschlagen. Gegen die Bestellung des VP-Wunsches Lisa Totzauer zur Magazinchefin hatte sich der bärige Vorarlberger noch erfolgreich quergelegt. Oberhauser nun im O-Ton: „Ich muss nun zur Kenntnis nehmen, dass ich mir meine engsten Mitarbeiter nicht selber aussuchen kann, sondern einem Diktat zu gehorchen habe, und ich muss eingestehen, dass ich offensichtlich nicht mehr in der Lage bin, völlig unzulässige Einmischungen, in diesem Fall von der SPÖ, zu verhindern.“ Nachsatz: „Jeder anständige Mensch nimmt in so einer Situation seinen Hut und geht.“ Oberhauser musste abgewählt werden.

Nov 11

Was tut Pink auf dem Küniglberg, mit einem digitalen Aufnahmegerät vor dem Sitzungssaal des Stiftungsrats? Berechtigte Frage von APA-Medienredakteur Wilhelmer. Die alles andere als unauffällige junge Dame mit wohl modisch zerschlissenen Leggings und leuchtend weißblondem Kurzhaarschnitt ist Mitarbeiterin der Promotionabteilung und wurde von Pius Strobl angewiesen, die Gespräche von Journalisten mit Direktoren und Stiftungsräten mitzuschneiden. Neo-Radiodirektor Karl Amon nimmt es bei einer der Plauderrunden pragmatisch und Pink das Gerät weg, legt es in gemessener Entfernung ab. Was soll die Aktion?, fragen wir Küniglbergreporter den Kommunikationschef, manche entwerfen im Hinterkopf schon ein Protestmail des Vereins der Medienjournalisten. Strobl sagt, er wollte Aufnahmen von den „pressekonferenzähnlichen“ Situationen vor dem Stiftungsrat für das ORF-Intranet, damit auch die Landesstudios einen Eindruck vom Geschehen bekommen. Wäre das erste Mal. Strobl hat seine vermeintliche Mata Hari da schon abgezogen. Da bricht erst die Protestwelle jener über den „Abhörskandal“ los, die Strobl ohnehin schon lange loswerden wollen: Wolfgang Lorenz, Programmdirektor. Richard Grasl, Finanzdirektor. Thomas Prantner, Onlinedirektor. Die Landesdirektoren und die Redakteure. Eine Woche stellt sich ORF-General Alexander Wrabetz hinter seinen lange engsten Vertrauten.

Die Affäre verkürzt immerhin das Warten auf das eigentliche Ereignis im Sitzungssaal: Rot, Grün und zwei Unabhängige wählen gegen elf Stimmen der ÖVP Elmar Oberhauser als Infodirektor ab.

Nov 15

Peter Moosmann, technischer Direktor des ORF auf Drängen der Betriebsräte, stirbt an Krebs. ORF-General Alexander Wrabetz übernimmt den Job vorerst mit – wie schon jenen Oberhausers. Von sechs seiner 2006 gewählten Direktoren sind nur noch zwei im Amt. Bald muss Wrabetz womöglich selbst die „ZiB“ moderieren. 2011 wählt der Stiftungsrat vier Direktoren – und den ORF-General.

Nov 15

Wolfgang Fellner erläutert im Salon der PR-Agentur Accedo, wie erfolgreich „Österreich“ ist. Ein Abend voller Überraschungen: So erklärt Fellner etwa, dass er die „Bühne“ gegründet hat. Dass er alle 14 Magazine der Verlagsgruppe News gegründet hat, nimmt er auf Nachfrage als Versprecher zurück. Ich bin zu müde, viele andere Aussagen zu hinterfragen. Zum Beispiel, dass bei „Österreich“ „fast das Doppelte der Werbeeinnahmen aus dem Vertriebserlös kommt“. Wie sagte Fellner am Anfang? Er merke sich nicht einmal mehr seine eigene Telefonnummer.

Nov 17

Danke, doch nicht: Drei Tage lang, von 17. bis 19. November, wollten die drei Schiedsrichter im Gesellschafterstreit um die „Krone“ im Wiener Hilton Plaza tagen und reihenweise Zeugen aufmarschieren lassen. Angerufen hatte das Schiedsgericht noch Hans Dichand: Es sollte seine Vereinbarung mit der WAZ aus dem Jänner 2003 aufheben, wonach die deutschen Hälfteeigentümer einen geschäftsführenden Chefredakteur ihres Vertrauens nominieren können. Den ersten zweiten Mann bei der „Krone“, Michael Kuhn, hat Dichand ja schon Anfang 2006 wieder eigenmächtig hinausgeworfen. Zwei Tage vor der Verhandlung vor dem Schiedsgericht werden die Zeugen wieder ausgeladen: vertagt auf unbestimmte Zeit. Dichands Erben, seine Familie, wollen offenbar doch noch mit der WAZ verhandeln. Die würde wohl auf einen Chefredakteur und Einfluss auf die Redaktion verzichten, wenn sie den Finanzgeschäftsführer bei der „Krone“ stellen kann. Im Ruhrpott, wo die WAZ-Zentrale liegt, geht es eben auch heute noch zuallererst um Kohle. Fortsetzung folgt.

Nov 19

Um 00:49 Uhr schnalzt im gar nicht so grandiosen Grand Hotel Italia in Orvieto das Handy, wie in diesen Minuten bei einigen Journalisten. „Es ist vorbei.“ Wie bitte? Pius Strobl sagt, er hat sich entschlossen, seinen Job hinzuwerfen. Direktoren, Landesdirektoren, Journalisten haben ihm deutlich gemacht, dass er ihr Vertrauen spätestens mit der „Abhör“-Aktion verloren hat. Heute Mittag verkündet Pius Strobl seinen Abgang offiziell. Doris Priesching wird sich darum kümmern. Ich muss da leider zur nächsten Mahlzeit. Orvieto Food Festival. Auch Medienredakteure müssen essen. Das wissen Sie aber vielleicht ohnehin schon von meiner kleinen dreckigen Kolumne derstandard.at/Schmecks, die 2011 ihre ersten fünf Jahre und 500.000 Kilokalorien feiert. Nein? Jetzt aber.

Strobls Aushilfs-Mata-Hari verlässt den Küniglberg bald danach. Sie war vor ihrer Aufnahmefähigkeit schon in einem Buntmagazin der News-Gruppe mit ihren intimen Wünschen aufgefallen, deren Umfang umge
kehrt proportional zur Bekleidung auf den dazu gereichten Fotos stand.

Nov 22

Noch ein Abgang: krone.at, eines der größten Webportale österreichischer Medien, verliert seine Chefin Susanne Obermayer. Sie führte die Onlineaktivitäten der „Krone“ seit 1996, davor entwickelte sie neue Geschäftsfelder für die APA.

Nov 24

Es gibt sie wieder, die guten alten Dinge: Nur acht Jahre brauchten Journalistengewerkschaft, Zeitungsverband und Verein der Chefredakteure, um sich auf einen neuen Presserat zu einigen. Ab sofort merkt man das auch im Internet, heute geht seine Seite online. Geschäftsführer Alexander Warzilek, praktischerweise ein Medienrechtler, werkt da schon seit einigen Wochen an der faktischen Wiederbelebung des Selbstkontrollorgans der österreichischen Presse.

Dez 1

Hätten Sie gedacht, dass sich Belegschaftsvertreter sorgen, weil Oliver Voigt die Kommandobrücke der News-Gruppe verlässt? Man muss im Leben auf alles gefasst sein. Heute beschließt der Beirat der Verlagsgruppe News offiziell, Voigts Vertrag nach fünf Jahren an der Spitze von Österreichs marktbeherrschendem Magazinkonzern nicht zu verlängern. Um 17:30 Uhr stellt Torsten-Jörn Klein, der Auslandsvorstand von Mehrheitseigentümer Gruner + Jahr, mit Voigt den Nachfolger der Mannschaft vor: Matthias Schönwandt, 45, zuletzt Geschäftsführer des Bertelsmann-Programmdienstleisters um das deutsche Fernsehsupplement RTV, übrigens auch beteiligt an „Tele“. Hamburger statt Mannheimer am Donaukanal. Schon wieder ein ScheiPie, interpretiert er bei der Vorstellung die Gedanken der Belegschaft, also ein „Scheiß Piefke“. Schönwandt hat eine Ösi-Connection: Seine Frau ist Vorarlbergerin, ihretwegen hat er seinen Hauptwohnsitz in Bregenz, und sie lese gerne „Woman“ und „First“, Voigts Gründung. Seinen Ehering hat Schönwandt übrigens beim Flug nach Wien in Nürnberg liegen lassen, erzählt er. Wir überlegen uns jetzt nicht, ob und wofür das ein Omen sein könnte. Gruner-Vorstand Klein hat schon Jahre mit Schönwandt beim Berliner Verlag zusammengearbeitet, der war dort für das Anzeigengeschäft zuständig. Wie man die in Wien verkauft, wird er schon noch lernen, vielleicht nicht ganz wie Voigt. Der karrierebewusste, ambitionierte, nicht gerade zurückhaltende Süddeutsche war Klein nicht ganz so geheuer. Und warum zerdrücken nun Gewerkschafter eine Träne über Voigts Abgang? Der Mannheimer über Bord bestand auch auf die Funktion des General-Herausgebers, interessierte sich stark für die Inhalte, den Journalismus, sagt einer von ihnen. Auch wenn er den Laden hart zusammensparte. Auch an Journalisten. Schönwandt muss erst zeigen, ob er auch verlegerisch denkt, nicht allein kaufmännisch.

* Geklaut: „Journal des Verschwindens“ hieß eine Reihe von Essays der Schriftstellerin Ilse Aichinger im „Standard“.

Erschienen in Ausgabe 12/2011 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 68 bis 75 Autor/en: Harald Fidler. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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