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Der Beste und der Richtige - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2011 » Ausgabe 02+03/2011 »

Special

Der Beste und der Richtige

Von Reinhold Gruber

Können Sie sich noch an den Spruch von Josef Hickersberger bei der EURO 2008 erinnern? „Ich habe nicht die Besten, aber die Richtigen gewählt“, sagte er damals bei der Nominierung seines Kaders. Im Unterschied zur Jury des „Journalisten“, die Christoph Zöpfl den Titel Sportjournalist des Jahres verliehen hat. Sie hat den Besten gewählt. Und den Richtigen.

Wir kennen uns seit mehr als 20 Jahren. Bereits beim „Volksblatt“, seiner ersten Station, sind wir uns täglich am Gang über den Weg gelaufen. Wer weiß, was passiert wäre, wenn er damals während des Publizistikstudiums in Wien nicht im Café Hummel gesessen wäre und die „Oberösterreichischen Nachrichten“ gelesen hätte? „Sportredakteur gesucht“ – stand da im Sportteil in einer Annonce zu lesen. Das Publizistikstudium war – wie auch schon die PädAk davor – für ihn zu dieser Zeit nicht das Wahre gewesen. Er bewarb sich – und erlebte die erste Überraschung. Denn das Inserat hatten nicht die „OÖN“ selbst, sondern mit der VP-Parteizeitung „Volksblatt“ ein Mitbewerber aufgegeben. Im Bewerbungsgespräch mit dem damaligen Chefredakteur, Peter Klar, fand man einen Kompromiss. „Parteibuch nehme ich sicher keines“, war die Bedingung des stets Unabhängigen. „Geht in Ordnung, aber Sie müssen wissen, wo der liebe Gott wohnt“, die Antwort des zukünftigen Chefs. Dieser Deal hat Christophs Studentenleben beendet und den Beginn seiner beruflichen Laufbahn markiert.

Neun Jahre blieb er beim „Volksblatt“, drei davon als Ressortleiter. Den Angeboten der Konkurrenz konnte er stets widerstehen. Die „Krone“ und der „Kurier“ klopften vergeblich an. Als 1994 „OÖN“-Doyen Leo Strasser die Kapitänsschleife der Sportredaktion an Hubert Potyka übergab, übernahm Zöpfl aber doch den freien Platz in der Mannschaft. Für ihn hat sich damals ein Kreis geschlossen – denn früher hatte er in den Ferien für diese Zeitung als Austräger gejobbt.

Das (erste) Gastspiel in der „OÖN“-Sportredaktion dauerte acht Jahre. 2002 hatte er dann aber mit diesem Ressort gedanklich abgeschlossen gehabt. „Ich war bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City. Im Kopf war die Schlussfeier auch mein persönlicher Abschied. Ich hatte irgendwie genug von schneller, höher, weiter.“ Der damalige Top-Langläufer, Johann Mühlegg, wurde als Doping-Gauner überführt und kriminalisiert wie ein Drogendealer. Oberösterreichs nordischer Vorzeigesportler Christian Hoffmann erbte die Goldmedaille. Zöpfl musste erste Reihe fußfrei zusehen (und berichten) und spürte, dass da jetzt eine Lawine losgetreten wurde.

Da kam das Angebot der Chefredaktion nur zu gelegen, das Motorressort der „OÖN“ zu übernehmen. Weg vom Tagesgeschäft mit Schlussdiensten bis knapp vor Mitternacht. Stattdessen Freigeist mit flexibler Arbeitszeit. „Es war interessant und eine neue Herausforderung – für eine gewisse Zeit.“ Nach drei Jahren bot ihm „OÖN“-Chefredakteur Gerald Mandlbauer an, ins Sportressort zurückzukehren. Als Sportchef. Entscheidend für das Comeback war erstens grünes Licht von seiner Frau Sabine und zweitens seine Überzeugung, dass er sich da in einer ausgezeichneten, jungen Mannschaft als Spielertrainer engagieren darf. Während seine Ex-Kollegen von den Motorredaktionen an der Côte d’Azur die neuen Modelljahrgänge testeten, erlebte er dann bei Olympia 2006 in Turin abermals erste Reihe fußfrei mit, wie Österreich in den Doping-Strudel geriet. Selbst schuld … Kein Wunder, dass er sich mit besonders großem journalistischen Engagement bis heute dieser Thematik widmet.

Zöpfl ist ein Allrounder, der keinen sport-journalistischen Schrebergarten pflegt, sondern auf vielen Spielfeldern vertreten ist. Olympia, Fußball-WM, Formel 1, überall war er schon live dabei. Als persönliches Highlight bezeichnet er die letzte Rallye Dakar in Afrika, die er 2007 als einziger österreichischer Journalist von Portugal bis hinunter in den Senegal begleitete. Es war eine Abenteuerreise. Jedem „OÖN“-Leser, der damals auf seine Berichterstattung per Brief oder Mail reagierte, schickte er sein Rallye-Dakar-Tagebuch mit Bildern und Texten. Knapp 100 Exemplare ließ er in Eigenregie drucken.

Selbst hat sich Zöpfl in vielen Sportarten versucht. Einen Tag vor der Rückkehr in die „OÖN“-Sportredaktion ist er einen Marathon gelaufen („Das war eine Art Fitness-Test für die neue Aufgabe“), auf dem Fußball- oder auf dem Tennisplatz ist eher seine Einsatzbereitschaft als sein Talent aufgefallen. Zöpfl weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, unter 100 Startern den 65. Platz zu belegen. Darum ist er auch kein Mensch, für den ausschließlich die Siegertypen zählen. Zu mächtigen Funktionären hält er gerne Abstand. Zöpfl: „Wenn mir ein Präsident das Du-Wort anbietet, denk ich mir zuerst nicht, wie lässig das ist, sondern überlege mir, ob ich irgendetwas falsch gemacht habe.“

Leidenschaftlicher Flieger

In seiner Sturm- und-Drang-Zeit hatte der heute 46-Jährige einen Schutzengel, der verhinderte, dass er seinen schlampig vorbereiteten Höhenweltrekordversuch im Drachenfliegen wirklich ausprobieren konnte. Inzwischen ist er mit dem Gleitschirm eher Genießer als Draufgänger. In der Redaktion verhält er sich vor allem dann etwas unentspannt, wenn im Kremstal bei Schönwetter ein moderater Westwind bläst. Dann würde er nämlich viel lieber auf seinem Hausberg, dem Hirschwaldstein, den Boden unter den Füßen verlieren als hinter dem Schreibtisch sitzen.

Auf Bühnen und als Person, die im Mittelpunkt steht, fühlt er sich nicht besonders wohl. Wenn es ihn wohin drängt, dann ist das nicht das Scheinwerferlicht, sondern sein Familienleben. Dass sein Job dieses nicht beschädigen konnte, empfindet er vermutlich als seine größte Auszeichnung. Zöpfl ist seit 21 Jahren mit Sabine verheiratet, seine Tochter Christina (19) studiert in Wien, sein Sohn Fabian (17) nähert sich im Sport-Borg Linz dem Matura-Jahr. Und sein Hund ist froh, dass der morgendliche Dauerlauf immer kürzer wird. Er ist ja auch nicht mehr der jüngste.

Warum Zöpfl den Titel Sportjournalist des Jahres mehr als verdient hat?

* Weil er ein genialer Schreiber ist. Er liebt die Sprache. Er liebt die Bilder. Er verbindet Bilder und Sprache zu etwas Wunderbarem. Und das im Sport. Dort, wo vermeintlich nur Zahlen, Fakten und Rekorde zählen.

* Weil er auch in der größten Hektik ruhig bleibt. Chefs wie er müssen nicht laut werden, um sich im Team Gehör zu verschaffen.

* Weil er sich von nichts und niemandem verbiegen lässt.

* Vor allem aber, weil er so ist, wie er ist. Der Beste. Und der Richtige.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2011 in der Rubrik „Special“ auf Seite 82 bis 83 Autor/en: Reinhold Gruber. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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