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Medien

Der Strobl-Nachfolger

Von Elisabeth Horvath

Keine Parteizugehörigkeit, keine Seilschaften und trotzdem ein Aufsteiger, dank seiner Leistungen. Man wird sehen, wie hoch das ORF-System den Leiter der Hauptabteilung Marketing & Kommunikation, Martin Biedermann, steigen lässt.

Der Unterschied ist eklatant: Während sein Vorgänger Pius Strobl der typische „Hoppla-da-bin-ich-Mann“ ist, überzeugt sein Nachfolger mit sicherem, ruhigem Auftreten und professioneller Ausstrahlung – unaufgeregt, selbstverständlich, wohltuend.

Martin Biedermann, geboren April 1972 in Wien, Absolvent des Elitegymnasiums Fichtnergasse in Wien-Hietzing, legte schon seine universitäre Ausbildung fachkundig und vielseitig an: Studium der Betriebswissenschaft an der WU-Wien mit Abschluss Magisterium, daneben regelmäßig Seminare in Jus und Publizistik inklusive Prüfungen, ein halbes Jahr USA als Austauschstudent. Bereits in dieser Zeit zieht es Biedermann in die Medienbranche. In der ORF-Sendeleitung werkt er als freier Mitarbeiter, daneben sendet er zig Bewerbungsschreiben an den ORF. Weil sich dort nach dem Studium nichts ergibt, beginnt er ein Traineeprogramm bei der Bank Austria. Und sendet weiter unermüdlich Bewerbungsschreiben an ORF, PRO 7 und „News“ etwa, damals noch im Fellner-Besitz. Dort absolviert er einen Sommer lang eine Lehrredaktion und werkt danach ein halbes Jahr im Wirtschaftsressort.

Die typische Jobsuche eines, der sich nicht auf politische oder sonstige Netzwerke stützen kann. Und will. Bei so jemandem zählen eben wirklich nur Qualität der Ausbildung, Leistungsbereitschaft und einschlägige Fähigkeiten. Tatsächlich ist er nicht Mitglied einer Partei, Vater und Mutter seien „Wechselwähler“, so der Sohn. Die Eltern arbeiten bis zu ihrer Pensionierung in der Erste Bank, Vater im mittleren Management. Zu Hause lernt der Sohn Klavier, früh schon nehmen ihn die Eltern mit ins Theater und in Konzerte. Abonnements im Burgtheater, im Theater in der Josefstadt, im Musikverein gehören zum Lebensstil im Elternhaus in Wien-Mauer. „Da bin ich meinen Eltern schon dankbar, dass sie mir das eröffnet haben“, bekennt Martin Biedermann ohne Umschweife ein. „Denn wenn man nicht als Jugendlicher oder als Kind schon den Zugang hat, tut man sich später schwerer, sich den selbst zu verschaffen.“

Ob er also aus bürgerlichem Milieu stamme? Mit dem Begriff „bürgerlich“ tue er sich schwer, beteuert er, „aber was meine Sozialisierung betrifft, insbesondere meine Schule, war das schon in der Nähe dessen, was man gemeinhin unter bürgerlich, besser bildungsbürgerlich, versteht. Ich würde allerdings nicht sagen, ich komme aus einem bürgerlich-konservativen Elternhaus.“

„Taxi Orange“-Fahrer

Im Herbst 1998, als Alexander Wrabetz ORF-Finanzchef geworden ist, wird es für Martin Biedermann erstmals konkret. Wrabetz lädt ihn zu einem Gespräch, die Chemie stimmt, die Anstellung wird fixiert. 1999 kommt es zur Gründung der ORF-„Enterprise“, die sich sowohl um die klassische Vermarktung als auch um das Marketing kümmert. Die beiden Geschäftsführer sind Sissy Mayerhofer und Franz Prenner. Biedermann ist für das zentrale Marketing der ORF-1-Gruppe zuständig. Zwischendurch arbeitet er auch ein halbes Jahr im Büro Wrabetz. Das größte von ihm betreute Projekt damals: „Taxi Orange“, ein „Hype“, so etwas habe es vorher und nachher in Österreich nicht gegeben.

Als Franz Prenner 2003 die Geschäftsführung von ATV übernimmt, geht Biedermann mit und baut das Marketing auf. Mit Alexander Wrabetz hält er steten Kontakt. Dann geht es Schlag auf Schlag: 2006 wird Wrabetz ORF-Generaldirektor, 2007 legt Pius Strobl zwecks eigenem Machtzuwachs Marketing und Information zusammen. Im Juni 2008 kehrt Biedermann als Referent im Stab des Generaldirektors in den ORF zurück. Wrabetz-Büroleiter ist damals Cay-Stefan Urbanek, Sohn des Obmanns des „Verein Wiener Theaterpreis“ (Nestroypreis) und ehemaligen „Krone“-Filmkritikers Werner Urbanek. Als Cay-Stefan Urbanek die kaufmännische Direktion im Volkstheater übernimmt, folgt ihm Biedermann, inzwischen ein Vertrauensmann Wrabetz’, nach. Und am 8. Februar 2011 bestellt Wrabetz den Enddreißiger zum Leiter der Hauptabteilung Marketing & Kommunikation. Im Dezember zuvor befürwortete der ORF-Stiftungsrat einstimmig Biedermanns Bestellung.

Dass das Vertrauensverhältnis zwischen dem GD und dem neuen Marketing- und Kommunikationschef ein ziemlich anderes ist, als jenes zwischen Wrabetz und Strobl es war, liegt gewissermaßen in der Natur von Biedermann und Strobl. „Es mag schon sein“, beschreibt Strobls Nachfolger sein Verhältnis zum Chef, „dass ich vom Typus und Charakter her dem Generaldirektor ähnlicher bin als der Pius Strobl. Das kann man aber so oder so sehen: Man kann sagen, die haben einander sehr gut ergänzt, und der Generaldirektor und ich können gut zusammenarbeiten, weil wir in vielen Dingen auf einer Wellenlänge sind.“ Außerdem, fügt Biedermann hinzu, müsse man schon auch sehen, „dass viele Dinge, die Strobl angelastet werden, in dem Job unvermeidbar sind. Ich werde es teilweise anders anlegen. Aber dass man sich in diesem Job nicht nur Freunde macht, ist auch klar. Und dass man für den Generaldirektor bzw. das Unternehmen in Konflikte gehen und zuweilen auch, Kugeln‘ abfangen muss, ist auch klar.“

Erschienen in Ausgabe 02+03/2011 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 52 bis 53 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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