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Medien

Die APA liefert „fit to print“

Von Hermine Schreiberhuber, Engelbert Washietl

Grenzüberschreitung: Nicht alle „Wirtschaftsblatt“-Seiten entstehen in der Redaktion. Die APA liefert fix fertig. Wenn das Beispiel Schule macht, könnten das eigenständige Profil von Zeitungen und die Meinungsvielfalt darunter leiden.

Am 14. Jänner machte „Wirtschaftsblatt“-Chefredakteur Wolfgang Unterhuber den Lesern eine für sie freudig klingende Mitteilung: „In Kooperation mit der Austria Presse Agentur bieten wir Ihnen ab heute täglich einen kompakten Nachrichtenüberblick an. So sind Sie über die wichtigen Ereignisse in Politik, Chronik, Kultur, Sport und Society rasch informiert. Viel Vergnügen und alles Gute für Ihre Unternehmungen im neuen Jahr!“ Konkret handelt es sich um die vorletzte Seite, in der das „Wirtschaftsblatt“ einen „Nachrichtenüberblick“ aus allen Sparten zusammenfassen lässt, die nicht typisch Sache einer Wirtschaftszeitung sind. Auch das Wetter gehört dazu.

Das Besondere daran: Die Seite wird von der Austria Presse Agentur täglich produziert und kompakt auf elektronischem Weg angeliefert. Der Inhalt werde vorher abgesprochen, versichert Unterhuber, und bringt das Motiv in einen knappen Satz: „Wenn Profis eine Fit-to-print-Seite anbieten können, dann ist so was immer einfacher, als selbst Hand anzulegen und nachzurechnen, ob man einen eigenen Mitarbeiter dafür aufbieten soll.“

Der bedeutendste Content-Manager des Landes, die APA, hat damit eine dünne, aber wichtige Grenze überschritten. Sie liefert nicht nur alles, sondern auch Fertiges. Der Geschäftszweig ließe sich ausbauen. „Fertige Seiten sind grundsätzlich in unserem Angebot drin“, sagt der stellvertretende Chefredakteur Johannes Bruckenberger.

Das Problem liegt auf der Hand. Es muss ja nicht immer eine typische Wirtschaftszeitung sein, die die für sie eher belanglosen Allerweltsnachrichten zukaufe. Auch eine Lokalzeitung könnte sich alles, was in der weiten Welt geschieht, zusammenstellen lassen. „Outsourcen“ lautet der Fachbegriff aus der Wirtschaft und kann Ängste erwecken. Wer hält den Zug auf, dem nicht nur redaktionelle Arbeitsplätze zum Opfer fallen müssten, sondern auch das journalistische Profil der betreffenden Zeitungen, falls die Entwicklung nur weit genug vorangetrieben wird.

Wenig überraschend ist, dass die Verantwortlichen der APA kein Problem sehen. Eine echte Premiere sei die „Wirtschaftsblatt“-Seite sowieso nicht, sagt Chefredakteur Michael Lang. „Wir sehen das als Teil unseres Content-on-Demand-Angebotes, wie wir es im digitalen Bereich schon seit Jahren als Dienstleistung anbieten. Der Kunde kann hier sehr weitgehend bestimmen. Egal, um welches Format es sich handelt. Wir liefern immer schon Kursseiten für die Wirtschaftsteile der Zeitungen in unterschiedlicher Fertigungstiefe, von reinen Kursen bis zu komplett fertigen Seiten. Auch im Service-Bereich Kinoprogramm gibt es seit Langem vergleichbare Lösungen.“ Aber das sei mengenmäßig natürlich nicht zu vergleichen mit der Australian Associated Press AAP. Diese habe eine sehr erfolgreiche Tochter namens Pagemasters, die im großen Stil Fertigseiten bis zu ganzen Zeitungs-Büchern und Beilagen für den australischen Kontinent und sogar bis England herauf liefere.

Auch die Schweizer Depeschenagentur (SDA) produziere Fertigseiten für zwei Zeitungen (siehe Kasten). Die Frage, ob die APA auch Seiten für Außenpolitik, Wirtschaft oder Sport anbieten würde, beantwortet Lang ambivalent: „Die APA ist eine sehr vielseitige Nachrichtenorganisation. Es kommt daher im Sinne von Content on Demand auf den Wunsch des Kunden an.“ APA-Geschäftsführer Peter Kropsch wollte sich dazu nicht äußern, weil das Thema Fertigseiten in der Chefredaktion angesiedelt sei.

Marcus Hebein, stellvertretender Chefredakteur und Multimedia-Chef der Austria Presse Agentur, ist der Kapitän auf der „Page ready“-Brücke. „Dass wir Inhalte für andere Unternehmen in Form von Websites, Newsletters oder Seiten aufarbeiten, ist nicht wahnsinnig neu“, sagt er. „Wir verfügen ja über Inhalte und bereiten sie auf unterschiedlichen Plattformen je nach Wunsch oder Bedarf auf. Das ist nicht nur technisch gemeint, sodass die Inhalte für den Auftraggeber integrierbar sind, sondern auch redaktionell, weil eine andere Redaktion die Inhalte weiterverarbeiten oder vielleicht auch überhaupt nichts daran verändern will.“

Journalistisches Know-how sei bei dieser Arbeit durchaus erwünscht, denn die APA wolle ja nicht bloß Vorhandenes zusammenpacken. Da würde beispielsweise die Recherche zu kurz kommen. Andererseits aber verlange Multimedia ein anderes Know-how. Es gebe wirtschaftliche Vorgaben, weshalb die Aufgaben über das Profitcenter abgewickelt würden, schließlich müsse eine Rechnung gelegt werden. „Es ist das Ziel, dass wir mit den Entwicklungen früher dran sind.“

Erschienen in Ausgabe 02+03/2011 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 58 bis 58 Autor/en: Hermine Schreiberhuber, Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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