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„Journalismus ist die andere Seite derselben Medaille!“ - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2011 » Ausgabe 02+03/2011 »

Special

„Journalismus ist die andere Seite derselben Medaille!“

Von Florian Gröger

Sportler als Journalisten – wenn deine ehemaligen Kritiker zu Kollegen werden: Kombinations-Olympiasieger Felix Gottwald absolvierte neben seiner Karriere den Universitätslehrgang für Sportjournalismus in Salzburg. Ex-Schwimm-Europameisterin Vera Lischka schreibt nach ihrem Studium und dem Einstieg beim ORF jetzt für die „Kronen Zeitung“.

Der Wille ist da. Wie der Glaube an sich selbst. Doch irgendwann stellt man erschrocken fest, dass es mindestens einen in der Klasse gibt, der den Speer noch viel weiter wirft. Oder den Fußball vom Sechzehner locker im Tor versenkt, ohne dass er – im Gegensatz zum eigenen Edelroller – davor auf dem Rasen aufkommt. Oder beim Schwimm-Bewerb bereits anschlägt, während man selbst nicht weiß, ob noch immer der Startsockel oder das Ziel näher liegt. Wenn die Begabtesten dann dranbleiben, konsequent ihren Weg gehen – ja, dann werden sie vielleicht irgendwann einmal Spitzensportler. Und die anderen? Die vom Sport begeisterten, ihren Idolen nacheifernden, ihren Eltern mit ihren Träumen von Olympia-Gold auf die Nerven gehenden? Die zu früh verletzten, zu wenig talentierten, für den Kampf um Meter und Hundertstel ungeeigneten? Wenn sie dranbleiben, konsequent ihren Weg gehen – ja, dann werden sie vielleicht irgendwann einmal Sportjournalist …

Um möglichst nah dabeizubleiben an dem, was sie begeistert. Um das Feuer dafür auch bei ihren Lesern, Hörern oder Sehern zu entfachen oder am Leben zu halten. Der Sportjournalist als Leider-nein-Sportler – eher die Regel als die Ausnahme. Natürlich gibt es aber auch jene, die immer schon schreiben, immer schon vor einer Kamera stehen oder immer schon den Einstieg „Ich melde mich live aus dem Hanappi-Stadion“ bringen wollten. Und dann gibt es jene, die irgendwann die Seiten wechseln. Sich bereits während der Karriere als Aktiver stark für die Formen der Berichterstattung interessieren – und sich deshalb fortbilden, etwa beim Universitätslehrgang für Sportjournalismus in Salzburg. Judoka Michael Mayr genauso wie Softball-Profi Martina Lackner, Zehnkämpfer Roland Schwarzl oder Free-Riderin Eva Walkner. Auch Felix Gottwald, dreifacher Olympiasieger in der Nordischen Kombination, büffelte in Rif zwei Jahre lang alle zwei Wochen drei Tage für die Zeit nach der großen Karriere. Und sieht in den Sportjournalisten längst mehr als nur den Reporter oder Schreiberling: „Spitzensport ist eine geniale Metapher auf das Leben, für mich ist es eine Lebensuniversität. Sportjournalisten sind, wenn sie ihren Job gut machen, diejenigen, die diese Metapher für die Menschen übersetzen“, sagt der 34-Jährige. Der „nach den langen Jahren meiner Karriere die andere Seite besser verstehen wollte“. Denn seiner Ansicht nach lernen Spitzensportler während der aktiven Zeit nur wenig über die Journalisten. „Dabei ist dieser Bereich einfach nur die andere Seite derselben Medaille“, so Gottwald nach dem Lehrgang, den er 2009 abschloss. Und dessen Inhalte er zu einem gewissen Grad bereits in seinem oft verkauften Buch „Ein Tag in meinem Leben“ umsetzen konnte. Für die Zeit nach seiner Karriere, die nach der Nordischen Weltmeisterschaft in Oslo endet, hat der Salzburger bereits ehrgeizige Ziele: „Mein Im-Puls-Programm in der Therme Loipersdorf, meine Tätigkeit als Vortragender und Impulsgeber für Manager, vielleicht auch eine Kooperation mit Medien. Was ich aber sicher nicht machen werde, ist, Kolumnen über die Nordische Kombination auf Sportseiten zu schreiben!“

Baden gegangen

Bereits fast täglich auf den Sportseiten zu finden ist dafür Vera Lischka. Längst nicht mehr mit ihrem fünften Platz bei den Olympischen Spielen von Atlanta 1996 oder dem EM-Titel über 50 Meter Brust in Rostock, sondern als Berichterstatterin für die „Krone“. Eine journalistische Laufbahn mit Ansage: „Ich habe mich schon als Athletin sehr für die andere Seite interessiert“, so die Oberösterreicherin, die später in Salzburg Publizistik studierte, dazu beim ORF und dem Regionalsender LT 1 erste journalistische Praxis sammelte. „Auch bei meinem Abstecher in die Politik bin ich als SPÖ-Sportsprecherin bei meinem Kernthema geblieben“, erklärt die 33-Jährige. Für die sich „im Leben irgendwie immer alles um Sport gedreht hat“. Und weiterhin dreht – auch abseits der Redaktion in der Wiener Muthgasse. „Zumindest versuche ich, so viel Bewegung zu machen, wie es die Zeit zulässt.“

Das Verhältnis mit ihren jetzigen Berufskollegen war für Lischka während der aktiven Zeit meist problemlos. „Du wirst als Schwimmerin nicht mit Halbwahrheiten konfrontiert, sondern mit deiner Zeit und deinem Platz. Die Anzeigetafel sagt den Journalisten sozusagen ohnehin fast alles.“ Doch werden die Zahlen natürlich interpretiert, was bei den hohen Erwartungen aus einem vierten Platz schon einmal eine Titelzeile à la „Abgesoffen“ oder „Baden gegangen“ zur Folge haben kann. „,Täglich alles‘ hat sich damals damit besonders hervorgetan, aber richtig böse war ich darüber eigentlich nie“, so Lischka.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2011 in der Rubrik „Special“ auf Seite 78 bis 79 Autor/en: Florian Gröger. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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