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Klimafrage - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2011 » Ausgabe 02+03/2011 »

Special

Klimafrage

Von Umfrage: Theresa Steininger

Österreich hat das vorgeschriebene Klimaziel wieder nicht erreicht. Wie wichtig ist Umweltberichterstattung in Ihrer Zeitung?

Helmut Brandstätter, „Kurier“

Umfragen zeigen, dass Klima- und Umweltschutz einen sehr hohen Stellenwert bei den Bürgern haben. Aus meiner Sicht wird dieser Sorge in der medialen Berichterstattung noch zu wenig Rechnung getragen, die Wissenschaft spricht längst vom Point of no Return, der im Kampf gegen den globalen Klimawandel überschritten wird. Medial große Aufmerksamkeit wurde dem Thema zuletzt nur vor dem Klimagipfel in Kopenhagen Ende 2009 gegeben. Das Ergebnis blieb dann weit hinter allen Erwartungen zurück, und – quer durch alle Medien – machte sich eine Art Katerstimmung breit. Der „Kurier“ war eine der wenigen großen Tageszeitungen, die gegen diesen Trend weiterhin vor Ort von den Klimaverhandlungen berichtete, so auch vom UN-Gipfel in Cancun Ende 2010. Das Dilemma der Politik wie auch der Medien bleibt: Klimaschutz kostet viel Geld, bezahlen muss es immer der Steuerzahler – über deutlich höhere Energiepreise.

Christian Ortner, „Vorarlberger Nachrichten“

Die „Vorarlberger Nachrichten“ sind seit Jahrzehnten ein „grünes“ Medium. Schon in den 1960er-Jahren setzen sich die „VN“ als Landeszeitungen für einen schonenden Umgang mit der Natur und den Erhalt der Lebensqualität für nachfolgende Generationen ein. Dass es heute kein Atomkraftwerk in Österreich gibt, ist unter anderem dem Engagement der „VN“ im Vorfeld der Volksabstimmung zu verdanken. Die Vorarlberger Bevölkerung gab trotz der Kleinheit des Landes den Ausschlag für das knappe Ergebnis (50,47 Prozent sprachen sich in Österreich gegen die Inbetriebnahme aus). In Vorarlberg stimmten 84 Prozent dagegen. Dieses Engagement setzte sich fort. Unter der Marke „Grünes Vorarlberg“ wurden und werden viele Themen behandelt, immer mit dem Versuch, die Bevölkerung aktiv mit einzubinden. Außerdem waren die „VN“ die erste Zeitung, die die „alten“ Zeitungen über Hunderte Container im Land wieder „einsammelte“. In der jüngsten Zeit waren die „VN“ das erste österreichische Medium, das einen Klimaschutzpreis initiierte. Viele andere Medien folgten dem Beispiel.

Michael Fleischhacker, „Die Presse“

Ehrlich gesagt habe ich dazu wenig zu sagen. Umweltberichterstattung ist ein Thema wie viele andere auch, und den Hype um die Klimareligion machen wir nicht mit.

Manfred Perterer, „Salzburger Nachrichten“

Die „Salzburger Nachrichten“ haben den Umweltjournalismus schon seit Mitte der 1980er-Jahre großgeschrieben. Damals haben wir als eine der ersten Zeitungen Österreichs eine tägliche Umweltseite eingeführt. Und jetzt sind wir wieder Vorreiter in der Klimaberichterstattung. Jeden Montag beschäftigen sich ausgewiesene Experten in den „Salzburger Nachrichten“ auf einer ganzen Seite mit dem Thema. Geleitet wird das in Österreichs Zeitungslandschaft einmalige Projekt von Martin Stricker. Der gelernte Jurist und Außenpolitiker hat sich tief in die Materie eingearbeitet und zählt heute zu den am besten informierten Klimajournalisten Österreichs. Unsere Leser schätzen das umweltpolitische Engagement der „SN“ außerordentlich. Vor allem die Frauen. Wir wissen das aus mehreren Reader-Scan-Untersuchungen. Auch wenn derzeit die Umwelt auf der Prioritätenliste der Menschen vielleicht nicht ganz an der Spitze stehen mag, wir werden unsere ausführliche Berichterstattung fortsetzen.

Wolfgang Unterhuber, „Wirtschaftsblatt“

Sehr wichtig, weil unabhängig von der CO2-Debatte wird es im „Wirtschaftsblatt“ immer ein Thema sein, wie man wichtige Ressourcen schont und umweltbewusst wirtschaftet. Weil die Unternehmen sich sehr intensiv damit beschäftigen, ist das selbstverständlich und ohne großes Getöse unser Tagesgeschäft. Eine Zeitung, die über die Wirtschaft schreibt, muss klarerweise viel darüber berichten, wie mit der Umwelt umgegangen wird. Das schlägt sich vehement in Berichten von KMUs nieder, die in diesem Bereich sehr aktiv sind – vom Hersteller des Elektrorads bis zur Autoindustrie. Unternehmen werden danach beurteilt, wie energieeffizient und umweltfreundlich sie sind. Als Fachpublikation müssen wir in diesen Themen ganz stark drinnen sein.

Gerald Mandlbauer, „Oberösterreichische Nachrichten“

Berichterstattung zur Umweltproblematik hat in den „Oberösterreichischen Nachrichten“ einen außerordentlich hohen Stellenwert. Wir haben das durch Umfragen erhoben und entsprechend dieser Interessenslage zieht sich die Berichterstattung quer durch alle Ressorts. Im Vorjahr hat es dazu bei den „OÖN“ ein meines Wissens im österreichischen Journalismus einmaliges Projekt gegeben. Edmund Brandner, einer unserer Lokalredakteure, hat sich ein Jahr lang als sogenannter „Klimamönch“ versucht und dabei durch eine komplette Umstellung seiner Lebensweise seinen CO2-Rucksack dramatisch verkleinert. Brandner hat über diesen Selbstversuch ein Jahr hindurch berichtet, einen Internetblog geschrieben, er hat sein Auto verkauft, er hat seine Ernährung umgestellt, er hat fast alle Fahrten mit dem Fahrrad zurückgelegt, er ist zu unzähligen Vorträgen eingeladen worden und ist zu einem ökologischen Vorreiter in Oberösterreich gewachsen. Diese Initiative setzen wir heuer fort. Umweltgruppen engagieren sich beim Klimafasten. Und auch damit ist illustriert, welchen Stellenwert dieses Thema bei den „OÖN“ einnimmt.

Alexandra Föderl-Schmid, „Der Standard“

„Der Standard“ wird grüner. Schon seit der Gründung im Jahr 1988 setzt „Der Standard“ auf eine kontinuierliche Umweltberichterstattung. In den vergangenen Jahren haben wir diese Bemühungen konzentriert, mehrfach Schwerpunktausgaben zu umweltbezogenen Themen wie Klimagipfel oder die Lebensmittelkrise veröffentlicht. Im vergangenen Jahr haben wir mehrfach den „ÖkoStandard“ publiziert, eine neue Beilage, in der auch umweltbezogene Fragen von Lesern, die an derstandard.at gerichtet werden, beantwortet werden. Weil wir wissen, dass diese Berichte auf großes Interesse unserer Leserinnen und Leser stoßen, werden wir heuer die Umweltberichterstattung ausweiten und als erste Zeitung in Österreich ab dem Frühjahr einmal wöchentlich eine Schwerpunktseite publizieren. Weil Umweltthemen immer stärker im Fokus stehen – und für unsere Zukunft relevant sind.

Harald Knabl, „Niederösterreichische Nachrichten“

Das Thema Umweltschutz ist in den letzten beiden Krisenjahren sicherlich ein wenig in den Hintergrund gerückt, unsere Leserinnen und Leser hatten andere Sorgen. Dennoch darf man grundsätzlich das Leserinteresse an Umweltthemen nicht unterschätzen, wobei für unsere große Regionalzeitung dazu zu sagen ist, dass selbstverständlich regionale Umweltthemen (Umweltverträglichkeitsprüfungen für Großvorhaben, Müllentsorgung usw.) mehr von Bedeutung sind.

Ernst Sittinger, „Kleine Zeitung“

Umweltthemen berühren jeden Leser, daher ist es für uns sehr wichtig, darüber kompetent, informativ und verständlich zu berichten. Die Wichtigkeit des Themas nimmt nach einigen stagnierenden Jahren wieder zu. Es stellen sich auch neue Fragen (z. B. globale Knappheit der Rohstoffe, Emissionszertifikatehandel). Die „Kleine Zeitung“ hat mit Günter Pilch einen eigenen Umweltredakteur, der sich je nach Bedarf mit anderen Kollegen vernetzt, um komplexe Themen von allen Seiten auszuleuchten. Ein spezifisches Problem der Umweltberichterstattung ist der Umstand, dass die vermeintlichen Primärinteressen der Lesermehrheit den notwendigen Schritten der Umweltpolitik oft entgegenstehen. Bei Reizthemen wie z. B. Pkw-Maut, Fahrverbote in Ballungsgebieten, Verteuerung des fossilen Energieverbrauchs, Kostenwahrheit bei Pendlern tut sich jedes Massenmedium schwer, weil die Ver
suchung groß ist, die Kunden nicht vor den Kopf zu stoßen. Gefragt sind Fingerspitzengefühl und Mut zur Wahrhaftigkeit in bekömmlichen Dosen.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2011 in der Rubrik „Special“ auf Seite 84 bis 85 Autor/en: Umfrage: Theresa Steininger. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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