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Special

„Klimawandel braucht neue Aufhänger“

Von Interview: Theresa Steininger

2007 gab es eine ganze Themenwoche, in der spartenübergreifend in allen Medien des ORF von TV über Radio bis Online und Nachlese über Klimawandel berichtet wurde. 5,2 Millionen Seher, 3,2 Millionen Hörer und 1,1 Millionen Zugriffe im Internet konnten erreicht werden, auch in den Folgejahren folgten Themenschwerpunkte. 2010 fehlten sie. Koordinator Robert Altenburger erklärt warum.

Was wurde aus den Themenschwerpunkten zum Klimawandel, die Sie seit 2007 durchgeführt haben?

Robert Altenburger: Wir haben mit Themenschwerpunkten begonnen, daraus ist eben aufgrund des regen Zuspruchs des Publikums eine ständige Initiative entstanden, die unter der Dachmarke „Unser Klima“ läuft. Dazu betreiben wir die Internetseite klima.orf.at. In den „ZIBs“, in „Newton“ und anderen Sendungen wird laufend auf diese hingewiesen.

Warum ist man von Schwerpunkten zu Kontinuierlichem übergegangen? Warum gab es 2010 keinen Schwerpunkt?

Es war, wenn man im TV, Radio, auf orf.at und in allen Landesstudios laufen wollte, nicht so einfach, eine Woche zu finden, in der wir wirklich das ganze Programm dem Thema widmen konnten. 2010 waren wir sehr durchgebucht – mit Aktionstagen zu Haiti und Pakistan beispielsweise. Hier ist der Klimawandel, mit dem diese Katastrophen ja zusammenhängen, als Thema auch in aktuellen Sendungen vorgekommen. Birgit Kohlmaier-Schacht, die ORF-Nachhaltigkeitskonsulentin, und ich haben Kollegen dabei auch angesprochen, auf unsere Aktionen hinzuweisen. Allerdings mischen wir uns redaktionell nicht ein, das hat niemand gern.

War es 2007 schwierig, die Redakteure von einer Themenwoche zu überzeugen?

Es hat nie Widerstand gegeben, was an ein Wunder grenzt. 2007 gab es erstmals für jeden Laien erkennbare Klimaveränderungen. Da hat auch jeder Sendungsmacher am eigenen Leibe gespürt, dass dies ein Thema ist, das alle beschäftigt. Wir wissen, Redakteure brauchen oft eine solche Motivation. So sind wir ohne Probleme ins gesamte Programm gekommen und konnten vermitteln, dass dies eine stärkere, nachhaltige ORF-Initiative werden muss. Heute brauchen wir nur mehr einen Anruf in den einzelnen Redaktionen, Erwähnungen sind selbstverständlich, mit genügend Vorlauf produziert man auch eigene Dokus zu unseren Themen. Wir brauchen von uns aus kaum mehr aktiv zu werden. Jeder ist froh, wenn er unsere Aktionen als Service anbieten kann.

Wie wichtig sind Aktionen wie der Klimacheck „Ich und CO2“, bei denen jedermann per Internet seinen Beitrag zum Klimawandel eruieren kann?

Für uns sind sie das Um und Auf, durch diese Emotionalisierung und den Nutzen für jeden haben wir wirklich viele Zuseher erreicht. Wir mussten dafür sogar unseren Kundendienst personell aufstocken. Diese Serviceleistungen sehe ich als unerlässlich, sie sind durchaus Zugpferde einzelner Sendungen geworden.

Der erste Klimawandel-Schwerpunkt war sogar im Antrittsprogramm von Generaldirektor Alexander Wrabetz verankert. Wie steht er heute dazu?

Er erkundigt sich laufend, wie die Initiative gerade umgesetzt wird.

Im Herbst wird der Klimaschutzpreis wieder vergeben, ab Juni in Sendungen beworben. Ist er präsent genug?

Er ist eine unserer stärksten Initiativen, in Programmminuten gibt es außer „Licht ins Dunkel“ keine vergleichbare Aktion. Über drei Monate ist er im Programm fixiert. Vielleicht geht er ein bisschen unter, weil er nicht so breit im Programm gestreut ist, aber hier muss man sich programmplanerischen Gegebenheiten beugen. Zudem wollen wir einen Overkill vermeiden.

2007 waren also alle Feuer und Flamme für das Thema Klimawandel, heute befürchtet man schon den Overkill?

Es ist eine Übersättigung zu befürchten, wenn wir sagen: Wir machen wieder etwas über Klimawandel. Jeder Journalist weiß, man muss sich neue Zugänge überlegen. Daher machen wir beispielsweise im April einen Programmschwerpunkt zu 25 Jahre Tschernobyl und finden so einen neuen Aufhänger. Im „Club 2“ wird dann gefragt werden, was wir aus dieser Katastrophe gelernt haben. Auch das ist ein Klimathema. Vorher haben wir noch ein umfangreiches Programm rund um den „Wettlauf zum Südpol“. In „Thema“, „Frühlingszeit“ und den „ZIBs“ wird man sich an diesem Aufhänger mit dem Klimawandel beschäftigen. Man kommt durch die Hintertür, aber das ist legitim.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2011 in der Rubrik „Special“ auf Seite 86 bis 89 Autor/en: Interview: Theresa Steininger. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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