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„Konkurrenz beflügelt die Qualität“ - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2011 » Ausgabe 02+03/2011 »

Medien

„Konkurrenz beflügelt die Qualität“

Von Elisabeth Horvath

Josef Kirchberger, ORF-Publikumsrat, von diesem entsandter ORF-Stiftungsrat und Alleingeschäftsführer von Art for Art/Theaterservice, hofft auf mehr Kultur im ORF Spartenkanal ab April. Dennoch soll die Kultur in ORF 2 nicht weniger werden.

Sie sollen sich im ORF-Stiftungsrat speziell um Kunst und Kultur im Programm kümmern. Wie viel Qualität wird da derzeit geboten?

Josef Kirchberger: Kunst und Kultur soll in allen Programmen Berücksichtigung finden. Insofern schaue ich auch, wieweit im Gesamtprogramm Qualität die Oberhand behält oder ob dort nur Unterhaltung gebracht wird. Dabei spreche ich mich jetzt nicht gegen Unterhaltung aus, weil sich in einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Bevölkerung in ihrer Gesamtheit wiederfinden soll. Aber ich vertrete eben speziell eine bestimmte interessierte Gruppe der Bevölkerung.

Inwieweit findet sich im ORF-Programm diese Gruppe denn auch wieder?

Ich meine einmal, der ORF ist besser als sein Ruf …

Inwiefern?

Wenn man die Menschen konkret fragt, zeigt sich, dass sie eigentlich viel ORF schauen. Das zeigen auch Umfragezahlen deutlich.

Bietet der ORF also ausreichend Qualität?

Ausreichend ist es nie. Es liegt schon im Wesen des Öffentlich-Rechtlichen, dass sich jeder zu wenig wiederfindet, wenn sich jeder wiederfinden soll. Wenn Sie mich aber konkret fragen, ob es mir genug ist, dann sage ich nein, mir ist es nicht genug.

Also was tun?

Im April oder Mai soll ein neuer Spartenkanal on air gehen. Der Arbeitstitel lautet „Kultur- und Informationskanal“. Und dieser wird Bedürfnisse, wie ich sie spezifisch habe, in ganz besonderer Weise berücksichtigen. Der wird Programmleisten bringen, die es jetzt überhaupt nicht gibt.

Welche zum Beispiel?

Regelmäßige Opernübertragungen, regelmäßige Theaterübertragungen. Und zwar wöchentlich.

Ausschließlich österreichische Aufführungen?

Es wird stark auf die österreichische Kunst und Kultur fokussiert sein, aber nicht nur. Der österreichische Film wird natürlich ebenfalls einen besonderen Stellenwert haben. Immerhin ist der ORF der wichtigste Partner. Er ist Hauptfinanzier und Auftraggeber. Darüber hinaus werden spät angesetzte Sendungen, etwa „kreuz und quer“ oder „Kultur-Montag“, auf dieser Schiene am nächsten Tag im Hauptabendprogramm um 20.15 Uhr wiederholt.

Damit konkurriert sich der ORF selbst.

Genau. Andere und ich im Stiftungsrat werden genau aufpassen, dass eines nicht passiert: nämlich dass es dann auf ORF 2 weniger Kultur gibt. Das soll echt zusätzlich sein. Wobei das gesamte Konzept einer Dynamisierung unterworfen werden wird. Das erste Jahr wird also wahrscheinlich anders aussehen als das zweite. Und noch etwas: Da Ö1 weiterhin in der Szene unbestritten ist – das ist ein toller Sender, dessen Qualität wirklich Niveau hat –, geht es mir auch darum, diese Qualität synergetisch für den Spartenkanal zu nutzen.

Wie soll das konkret gehen?

Es ist bei vielen Hörfunksendungen sicher möglich, daraus mit geringem Aufwand eine Fernsehsendung zu machen. Allein schon was die Recherchen betrifft. Ich habe das schon mehrfach angeregt und bin durchaus auf offene Ohren gestoßen.

Was halten Sie denn von Servus TV? Es wird immer besser und interessanter, auch was Kultur- oder etwa Diskussionssendungen angeht.

Wir haben gerade selber viel mit dem Sender zu tun, weil der vorige Staatsoperndirektor Ioan Holender dort für die Kultursendung verantwortlich ist und unlängst eine Sendung über die Albertina gemacht hat. Und jetzt dreht er gerade eine Sendung über unsere Firma Art for Art. Der Herr Mateschitz leistet sich eben den Luxus, einen Kanal zu haben, bei dem er sagt, „dort soll das ausgestrahlt werden, was ich für gut finde“. Und das kann schon eine Bereicherung sein.

Aber ist das nicht auch eine ordentliche Konkurrenz?

Je nachdem, von welcher Seite man es sieht. Aber natürlich mit Blick auf den Kulturbereich ist es natürlich etwas, was dem ORF durchaus Konkurrenz macht. Aber: Konkurrenz beflügelt die Qualität. Das soll so sein. Und wenn die Menschen die Wahl haben, werden sie sich hoffentlich für die bessere Qualität entscheiden.

Na ja. Allein wenn man die Diskussionsrunden im Servus TV und im ORF vergleicht, deren Einladungspolitik etwa, Beispiel: die (Servus)-Debatte „Justiz und Recht“Anfang Februar, da war schon eine Dynamik und ein Niveau drin! Da hatte ich schon einige Anrufe, auch von Leuten aus dem ORF, mit dem Tenor „Siehst du, so stelle ich mir eine Diskussion vor und nicht so wie im ORF“.

Da hat ja die „ZiB 2“ Schrittmacherdienste mit dem „Club 2“ geleistet. Deren Wiederbelebung ist allerdings nicht so gelungen.

Eben. Woran liegt das?

Man wird versuchen müssen, irgendwie zeitgemäße Formen der Themenauswahl und des Präsentierens zu finden. Die Menschen und die Umstände ändern sich, also kann man nicht das gleiche Konzept ewig fortsetzen.

Tja, wenn es wenigstens das gleiche wäre! Das war damals eine lebhafte Diskussion, bei der nicht einfach jeder Einzelne abgefragt wurde. Es mussten auch nicht jedes Mal Funktionäre aus sämtlichen Parteien anwesend sein, die ihre vorgestanzten Sprüche klopfen.

Es gehört echt darauf geschaut, dass die Themen gute sind und es zu einer lebhaften Diskussion kommt. Emotion belebt jede Diskussion. Andererseits ist halt auf eine gewisse Ausgewogenheit zu achten, man muss das politische Meinungsspektrum zu Wort kommen lassen. Vielleicht ist es aber auch ein Manko, dass die Politiker nicht mehr so lebendig sind. Die Politik neigt ja dazu, übervorsichtig zu sein, keine Standpunkte mehr zu haben und sich in Phrasologie zu ergehen, die völlig austauschbar wird. Die Politik in den 1980er-Jahren war halt akzentuierter.

Kann man wohl sagen. Jetzt noch was ganz anderes: Wie beurteilen Sie die ORF-Standortfrage?

Das ist eine heiße Diskussion. Was sind die Vorteile bei den neuen Standorten, was ist der Vorteil, am Küniglberg zu bleiben, was der Nachteil? Natürlich sind, wie immer in solchen Fragen, die Mitarbeiter gegen eine Übersiedlung. Das ist eine bekannte Tatsache. Veränderung, davor hat jeder einmal Angst. Die zweite Angst ist die, dass bei einem neu gebauten ORF auf der grünen Wiese möglicherweise vieles ausgelagert wird. Daher ist der jetzige Weg, dass man versucht zu objektivieren und intern zu einer Meinung zu finden, der richtige. Es ist ein sehr komplexer Vorgang.

Wiens Bürgermeister Michael Häupl ist sehr an einer Übersiedlung des ORF nach St. Marx interessiert.

Sicher spricht da vieles dafür, aber es würde mich auch nicht wundern, wenn die Entscheidung am Ende so ausginge, dass man sagt, „wir sanieren den Küniglberg“.

Ist der überhaupt sanierbar?

Sanierbar ist alles, es ist immer nur eine Frage von Geld.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2011 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 48 bis 48 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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