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Üben für Guantánamo

Kaelyn Forde, eine US-amerikanische Journalistin, und ihr Kameramann Jonathan Conway filmten im November eine Demonstration vor einer US-Militärbasis. Dort befindet sich die ehemalige School of the Americas, heute Western Hemisphere Institute for Security Cooperation. In diesem Trainingslager, das Menschenrechtsgruppen immer wieder kritisieren, werden unter anderem jene „verschärften Verhörtechniken“ gelehrt, die in Guantánamo angewendet wurden und als Folter klassifiziert werden können.

Die Journalistin und der Kameramann wurden zusammen mit zahlreichen Demonstrierenden verhaftet, obwohl sie klar als Journalisten erkennbar waren, sich angekündigt hatten und den Anweisungen der Polizisten vor Ort, zur Seite zu treten, Folge leisteten. Die beiden erfuhren erst nach vier Stunden, wessen sie angeklagt waren, und verbrachten 32 Stunden im Gefängnis.

Die Journalisten wurden angeklagt, an einer nicht bewilligten Demonstration teilgenommen zu haben und sich den Anweisungen der Beamten widersetzt zu haben. Es wurde kein Unterschied gemacht zwischen aktiv Demonstrierenden, Zuschauern und den Journalisten, die über die Demonstration berichteten. Manche Angeklagte wurden nicht einmal vom Richter angehört oder durften auf die Anschuldigungen nicht antworten. Kaelyn Forde durfte weder dabei sein, als die Polizeibeamten die Vorwürfe gegen sie vorbrachten, noch durfte sie sich zu den Anschuldigungen äußern. Sie wurde schuldig gesprochen. Die Strafe: 290 Dollar.

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Sylvia Valentin, Reporter ohne Grenzen, Schweiz

Erschienen in Ausgabe 02+03/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 10 bis 10. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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