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ARCHIV » 2011 » Ausgabe 02+03/2011 »

Editorial

Was Eva Dichand will

Warum „Heute“-Chefin Eva Dichand ihren Chefredakteur lobt und ihn trotzdem gekündigt hat.

Von langer Hand kann der Wechsel in der Chefredaktion von „Heute“ nicht geplant gewesen sein. Richard Schmitt machte noch mit Kollegen anderer Tageszeitungen im ORF mit einem Ski-WM-Video für „Heute“ Werbung, als zur selben Zeit – genau am 14. Februar um 17.30 Uhr – eine E-Mail der Assistentin der Geschäftsführung von „Heute“ aufschlug. Die Betreffzeile ist überraschend und irritierend. „Kündigung Chefredakteur Richard Schmitt“ steht da.

Irritierend deswegen, weil man sich doch zumindest bis vor Kurzem noch daran hielt, Mitarbeiter, von denen man sich trennte, nicht auch noch per Aussendung zu beschädigen. Nicht so „Heute“-Chefin Eva Dichand. Der „Wiener Zeitung“ nannte sie auch noch den Grund für die Kündigung – Probleme mit Schmitts Führungsqualitäten seien für die Trennung verantwortlich. Angeblich kündigte Schmitt immer wieder Mitarbeiter, die tags darauf Dichand wieder einstellte.

Überraschend ist die Kündigungsmail deswegen, hat doch Schmitt die Gratiszeitung durchaus erfolgreich geleitet. Von Beginn an im Jahr 2004 stand er am Steuer. In der Wiener U-Bahn waren plötzlich zeitungslesende Teenager zu sehen und die Branche rätselte, wie „Heute“ an die jungen Leser rankomme. Auf manchen Medienkongressen wurde die Gratispostille gar als Zukunftsmodell gehandelt. Und der Erfolg hielt an. Die ÖAK weist „Heute“ im ersten Halbjahr in Wien einen Gratisvertrieb von 365.713 Exemplaren aus. Nach der Aussendung weiß auch Dichand nur Positives über Schmitt zu berichten: „Richard Schmitt hat eine hervorragende Zeitung gemacht. Die Trennung von, Heute‘ steht in keinem Zusammenhang mit seinen journalistischen Leistungen.“

Was bezweckt Dichand dann mit der Kündigung? „Klingende Namen könnten das Revolverblatt-Image des Blattes neutralisieren, das durch Überschriften wie, Hightech-Jagd nach Mörder!‘ und, Sexkiller hielt Opfer als Sklavin‘ noch immer durchschlägt“, schreibt Engelbert Washietl in der Titelgeschichte (Seite 34). Da stört eine tägliche Kolumne des Chefredakteurs bloß. Christoph Kardinal Schönborn und „News“-Chefredakteur Peter Pelinka schreiben ja schon für „Heute“ … – ob der neu bestellte Chefredakteur Wolfgang Ainetter dazupasst? Fiel er doch schon durch ein erschlichenes Interview mit Inzest-Verbrecher Josef F. für die deutsche „Bild-Zeitung“ auf.

Dichand braucht Spielraum für den immer härter werdenden Kampf um Wien und sie scheint gut aufgestellt. Kann sie doch auch aus den Schwächen ihrer Konkurrenten profitieren. „Österreich“-Herausgeber Wolfgang Fellner hat den Staatsanwalt im Haus (siehe Seite 38) und hohe Schulden am Hals. Mitbewerber „Kurier“ muss gerade reihenweise Journalisten entlassen (siehe Seite 56). Und der Kampf mit der „Krone“ wird wohl durch eheliche Bande nicht so hart werden. Ein Trumpf sollen auch elektronische Medien werden. Laut Aussendung wird sich Ainetter um Tablets, iPads und iPhones kümmern.

Alle Chefredakteure werden zukünftig in der schönen neuen Medienwelt ordentlich zu strampeln haben. So träumen Entwickler schon davon, dass künftige iPad-Applikationen die Gefühle der Leser messen können. Content soll dann je nach Emotionslage gestaltet werden.

Tabloids, iPad und Co.

Dies ist auch ein Konzept von „The Daily“. Alfredo Trivino wird die erste iPad-Zeitung beim European Newspaper Congress in Wien vorstellen (siehe Seite 42). Er ist als Digitalchef Rupert Murdochs wichtigster Zeitungsvordenker und setzt ganz auf Interaktion der Leser. Ein Vorbild für den gefühlsgeleiteten Content ist ihm dabei der Kinoschlager „Avatar“, in dem menschliche Emotionen auf digitale Figuren übertragen wurden, und Spielkonsolen, die die physischen Bewegungen eines Spielers ohne Joystick oder andere Geräte in die digitale Welt übertragen. Content soll also nicht mehr nur danach angepasst werden, wo sich der Leser gerade befindet, sondern auch wie er sich gerade fühlt. Bei „The Daily“ gibt es beispielsweise eine Audio-Kommentarfunktion, mit der der Nutzer einen gesprochenen Kommentar zu einem Artikel oder Video hinterlassen kann. Aus der Art, wie der Nutzer spricht, kann man Rückschlüsse auf seine momentane Gefühlslage ziehen.

Der European Newspaper Congress von 1. bis 3. Mai in Wien wird zudem Einblicke in die Konzepte der besten europäischen Zeitungsmacher geben. http://enc.newsroom.de/ – Schaun Sie sich das an!

Erschienen in Ausgabe 02+03/2011 in der Rubrik „Editorial“ auf Seite 3 bis 7. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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