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Rubriken

„Wir wussten gar nicht, wie uns geschah“

Von Theresa Steininger

Wie konnte die Stimmung gegen Journalisten so schnell umschlagen? Der Turning-Point war Mubaraks Rede. Damit hat er es geschafft, dass viele Ägypter, die ihn zwar nicht unterstützten, ihm aber zumindest einen respektvollen Abgang gewähren wollten, Journalisten gemeinsam mit den Demonstranten als Verräter sahen, als jene, die das Bild Ägyptens anschwärzten. Ich wurde auch immer wieder angehalten, positiv über Mubarak zu reden. Als dann noch Schlägertrupps ausgeschickt wurden und das Kommando von oben Ausländerjagd hieß, war die Stimmung total umgeschlagen.

Warum wurde entschieden, Sie durch Friedrich Orter abzulösen? Anfangs hatte ich mich nie bedroht gefühlt, auch als blonde Frau nicht. Doch als die Schläger ausgeschickt wurden, habe ich gemeinsam mit der Redaktion entschieden, nach Hause zu fahren.

Sie selbst sind glimpflich davongekommen, ausländische Kollegen wurden schwer verletzt. Wie gefährlich war die Lage? Man realisiert oft erst nachher, wie prekär die Sicherheitssituation war. Jetzt zu sagen, jene Journalisten, die verletzt wurden, hätten es wissen müssen, ist unsinnig. Wir wussten gar nicht, wie uns geschah, wurden total überrascht. Und natürlich wollte man hinaus, um zu sehen, was passiert. Entscheidend war letztlich, wo man gerade war. Dennoch wäre ich gerne geblieben, es war eine wunderbare journalistische Erfahrung.

Inwiefern wunderbar? Ich schätze diese Art von Journalismus, bei der man kein Internet und kaum Telefon zur Verfügung hat. So ist man unmittelbar im Geschehen und berichtet hautnah, was man erlebt.

Erschienen in Ausgabe 02+03/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 8 bis 8 Autor/en: Theresa Steininger. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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