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Artenschutz im Medien-Biotop

4 So wie etwa der Gelbe Frauenschuh oder der Feuersalamander durch den gesetzlichen Artenschutz vor dem Aussterben bewahrt werden sollen, will auch das Presseförderungs-Gesetz das Überleben bedrohter Medien ermöglichen. Viel Geld aus dem Steuertopf wird Jahr für Jahr dafür ausgeschüttet.

Für Laien allerdings bleibt es nicht gänzlich durchschaubar, warum das eine Blatt mehr und das andere weniger bekommt.

Wochenzeitungen erhalten die sogenannte „Vertriebsförderung“ – im Vorjahr kassierten 36 Blätter zusammen knapp 2 Millionen Euro. Erstaunlich ist, dass etwa ein Drittel davon, nämlich rund 676.000 Euro, den Kirchenzeitungen in den acht Bundesländern zugutekam.

Ebenfalls gut versorgt werden die vier Wochenmagazine des News-Verlags: Mit 257.614 Euro und 50 Cent mussten die Steuerzahler ungefragt „Profil“, „Format“, „News“ und „TV-Media“ sponsern.

Imposant ist, dass ein Blatt wie „TV-Media“, das ja hauptsächlich einen Fahrplan durch das Fernsehangebot bietet, mit mehr als 94.000 Euro an der Spitze der Förderungshitliste liegt. Anders ausgedrückt: Die Steuerzahler kauften dem News-Verlag 72.000 Exemplare des Fernsehfahrplans zum vollen Preis ab.

Eine weitere Besonderheit im Förderungsdschungel: Mit der „Raiffeisenzeitung“ wird auch das Blatt eines potenten Großunternehmens aus öffentlichen Mitteln gefördert. Ein lobender Bericht im Blatt über den Landwirtschaftsminister oder die Ankündigung, dass ab nächstem Jahr die Therme Geinberg über Spa-Villen mit 22 Suiten verfügen wird, sind wohl so unverzichtbar als Lesestoff, dass sie vom Steuerzahler honoriert werden müssen. Und zwar aktuell gleich mit 80.281 Euro und 50 Cent.

Erschienen in Ausgabe 04-05/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 18 bis 19. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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