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Special

„Bin nicht der weibliche Armin Wolf“

Von Elisabeth Horvath

Die „ZiB 2“-Moderatorin Lou Lorenz profiliert sich mit Eigenständigkeit, Ernsthaftigkeit und wachsender Professionalität.

Sie redet schnell und lebhaft, manchmal gar sprudelnd. Wenn sie nicht auf Sendung ist. Erscheint sie am Bildschirm – jeden Donnerstag und Freitag, Punkt 22 Uhr –, ist ihre Mimik geglättet, die Stimme tiefer, der Rededuktus langsamer, aber bestimmt, der Blick ruhig und ernst, manchmal ein wenig inquisitorisch. Letzteres eher dann, wenn ihr Interviewpartner dafür bekannt ist, dass er prinzipiell entweder den anderen niederredet oder auf Fragen nicht antwortet, sondern bloß Eigenes rüberbringen will.

Lou Lorenz-Dittlbacher, 36, Moderatorin der „ZiB 2“, Ehefrau von TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher und Mutter der einjährigen Tochter Emma, stammt aus einer Wiener Mittelstandsfamilie. Ihr Vater war kaufmännischer Angestellter bei einer Baufirma, ihre Mutter ebenfalls berufstätig und 35 Jahre alt, als Marielouise (ihr eigentlicher Vorname) zur Welt kommt. Danach bleibt die Mutter zu Hause. Lou Lorenz ist ein Einzelkind. Und zwar ein gut behütetes. „Ich habe es genossen“, sagt die Tochter im Rückblick, „dass meine Mutter ganz für mich da war. Diesen Weg bin ich, wie man weiß, nicht gegangen. Ich habe ganz tolle Eltern und bin nach wie vor sehr mit ihnen verbunden.“ Ihr Großvater väterlicherseits war im Nationalsozialismus Kommunist, eingesperrt im Konzentrationslager Dachau, gemeinsam mit Franz Olah übrigens. Kein Wunder, dass in Lou Lorenz’ Kindheit und Jugend Nationalsozialismus und politische Überzeugung stets ein Thema war. Die Enkelin führte viele Gespräche mit dem Großvater, die sie auf Band aufnahm. Ursprünglich wollte sie auch ein Buch darüber machen.

Nach dem Gymnasium beginnt Lou Lorenz, Latein und Französisch zu studieren. Daneben gibt sie Nachhilfe. Nach Einsicht, dass sie nicht Lehrerin werden will, bricht sie das Studium ab, absolviert den Hochschulkurs für Europajournalismus und arbeitet als Freelancer im „Standard“, „Kurier“ und in der „Wirtschaftswoche“ beim damaligen Ressortleiter für Politik & Wirtschaft, Hans Besenböck, dem vormaligen Chefredakteur des ORF-Radios und Innenpolitikchef der „ZiB“. Und es ist auch Besenböck, der sie nach Einstellung der „Wirtschaftswoche“ Ende 1996 zum Fernsehen bringt. Allerdings nicht in den ORF, sondern in den damals gegründeten privaten Stadtsender W1. Dort lernt Lorenz den Fernseh-Journalismus von der Pike auf: Nachrichten schreiben, moderieren, größere Beiträge, Interviews, Technik, alles, was täglich anfällt.

Herr Lorenz, schicken Sie …

Rundum ausgebildet wagt sie es, sich beim ORF zu bewerben. Armin Wolf ist damals Redaktionsleiter, sie bewirbt sich schriftlich. Wolfs Antwort: „S. g. Herr Lorenz, schicken Sie mir das Band.“ Lorenz’ Replik: „Ich bin eine Frau, darf ich Ihnen trotzdem mein Band schicken?“ Das habe ihm gefallen. Und so sei sie, erinnert sich die heutige Topmoderatorin, „1999 da reingekommen, zunächst als Redakteurin“.

Dann freilich legt sie eine Blitzkarriere hin: Live-Reporterin bei Wahlen, Moderatorin der Kurzausgaben der „ZiB“ sowie der „ZiB 3“, vor der Nationalratswahl 2008 Präsentation der Reihe „Wahl 08 – Ihre Frage“ gemeinsam mit Roman Rafreider, danach Moderatorin der „ZiB 20“ und der „ZiB 24“, deren stellvertretende Sendungsverantwortliche sie auch ist. Und dann im Frühjahr 2010, die Tochter ist gerade mal zwei Monate alt, der Paukenschlag: Telefonanruf Amon bei ihr zu Hause: Er möchte sie in der „Zweier haben. Kannst du dir das vorstellen? Denk einmal nach.“ Kurz darauf Elmar Oberhauser, der ihr mitteilt, er habe sich das auch schon überlegt. Und wieder zwei Tage später ist die Presseaussendung draußen. Der Antritt war dann drei Monate später im Juli. Lou Lorenz heute, nachdem ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz ihren Ehemann zum TV-Chefredakteur bestellt hatte: „Damals wusste ich noch nicht, was mit meinem Mann passiert. Das war vorher, sonst hätten wir es ja nicht gemacht. Und als es so weit war, gab es zwei Möglichkeiten: Entweder er sagt, er macht es nicht, weil seine Frau dort tätig ist, oder ich hätte nach zwei Monaten gesagt, ich höre auf. Das ist aber nicht mein Frauenbild, dass die Frau aus dem Job aussteigen muss, weil der Mann Karriere macht. Das wollte ich nicht, und es hat auch niemand von mir verlangt.“

Zumal sie neben Armin Wolf, dieser „Einmal-Erscheinung“ (ORF-Chronikchefin Brigitte Handlos), mit dem sie sich die „ZiB 2“ allwöchentlich teilt, bestens besteht. Vor allem dank einer profunden Professionalität, die sich Lorenz im Laufe der Jahre erworben hat. Sie ist sich ihrer sicher und bringt viel Engagement mit. Sie weiß genau, was sie will und wie man sich das nötige Detailwissen für den Job verschafft. Sie ist ein Profi. Trotz ihrer Jungmädchenart, die sie privat versprüht, nicht aber, wenn die Scheinwerfer angehen. „Sie ist eine erfrischende Erscheinung“, outet sich denn auch Brigitte Handlos als „Lou-Lorenz-Fan. Mir gefällt besonders, wie sie nachfragt. Sie kennt sich bestens aus.“ Dennoch wird sie an dem als „Strahle-Journalist“ gehandelten Einzelgänger gemessen. Das ist ihr auch bewusst. „Mein Mann ist mit ihm befreundet. Ich habe ganz große Hochachtung vor seiner Leistung, bin aber ein ganz anderer Mensch. Ich bin nicht der weibliche Armin Wolf. Wir haben nur am gleichen Tag Geburtstag, am 19. August. Wir sind beide Löwe, das ist unverkennbar.“ Lous Kollegin Handlos sieht das ebenso: Die beiden seien „wunderbar ausgesucht. Sie ergänzen einander. Wäre Lorenz wie Wolf, das würden die Zuseher auf Dauer nicht aushalten.“

Elisabeth Horvath ist freie Journalistin in Wien.

elihorvath@aon.at

Erschienen in Ausgabe 04-05/2011 in der Rubrik „Special“ auf Seite 96 bis 97 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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