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Special

Die Sprache der Journalisten kennen

Von Theresa Steininger

Die FH St. Pölten bildet Medienmanager aus. Management steht im Vordergrund, den Journalismus lernen Studenten nur wenig kennen. Wie viele Medienmanagementabsolventen braucht Österreich jährlich?

Wie viele Medienmanager braucht Österreich?

Roland Pirker: Ich denke, jedes Medienunternehmen sollte einen guten haben, der mit sinnvollen strategischen Maßnahmen vorgeht. Gerade im Onlinebereich tut sich viel, hier wird zunehmend professionalisiert und es sind gute Leute gefragt, die mit den neuen Medienformen schon aufgewachsen sind. Auch die klassischen Medienunternehmen sind noch nicht am Zenit angelangt, ich denke, dass wir auch hier viel Expertise einbringen können. Die Professionalisierung der Branche ist nach wie vor am Laufen.

Was fällt für Sie alles unter „Medien“, die Ihre Leute managen könnten – „Journalist“-Leser denken dabei wohl zuerst einmal an Printmedien, TV und Radio. Ihr Lehrplan fasst dies viel weiter …

Medien sind für uns Unternehmen, die Information aufbereiten und zu einem marktfähigen Produkt verarbeiten, das sind natürlich die erwähnten klassischen Medien, aber immer mehr auch Außenwerbung wie Infoscreen – hier kommt meine eigene Vergangenheit durch. Auch der Buchmarkt und der Musikmarkt werden Felder, für die wir unsere Studenten ausbilden, Online und Social Media sowieso, auch der Spielemarkt. Das Stichwort unserer Zeit heißt Konvergenz, in Zeiten von iPad, Smartphone und Co, wo man die verschiedensten Inhalte auf ein Gerät bekommt, wachsen die Branchen zusammen und es entstehen neue Geschäftsmodelle. Bei uns wird gelehrt, wie man damit umgeht und Content für verschiedene Plattformen umsetzt.

Durch Social Media, iPads und dergleichen ändern sich die Anforderungen ständig, muss man hier jedes Semester den Studienplan adaptieren?

Die Studenten sind kreativ, sie stehen den neuen Medien nahe, sie leben das ständig. Wir reagieren sehr stark darauf, was gefragt ist. Wir haben im Lehrplan eine Grundausbildung, die wir weiterhin brauchen. Die Studenten sollen die technischen Grundlagen haben, aber auch das Geschäftsmodell dahinter verstehen. Die Labore und Module gehen auf aktuelle Fragestellungen ein. Letztes Jahr wurden in Projekten schon fast marktfähige Produkte vorgestellt.

Journalistische Fächer sind gegenüber den wirtschaftlichen klar in der Minderheit. Vermitteln Sie so viel Wissen über journalistische Arbeit, dass die Kollegen erwarten können, dass die Manager von morgen ihren Alltag verstehen?

Wir bilden natürlich keine Journalisten aus. Aber unsere Absolventen sollen wissen, worauf es in einer Redaktion ankommt, sie sollen die Sprache der Journalisten kennen. Im Vertiefungsmodul Content Management, das man für die zweite Studienhälfte wählen kann, gab es schon bisher Wahlfächer zu journalistischem Know-how. Im neuen Curriculum, das wir im Jänner eingereicht haben, wird Content Management für alle gelehrt.

Zudem gibt es mit dem Magazin „Sumo“, dem Campusfernsehen c-tv und Kooperationen wie mit dem „Standard“ die Möglichkeit, Praxiserfahrung zu sammeln.

Ja, diese Ausbildungsmedien bieten die Möglichkeit, sich voll der journalistischen Arbeit und auch jener des Managers zu widmen. Bei „Sumo“ geht es wirklich darum, ein komplettes Magazin in täglicher Arbeit zu konzipieren und zu betreiben, Recherche wie Anzeigenverkauf. Die Verbindung zur Praxis, auch zur journalistischen, ist also sehr wohl gegeben, eben in Freifächern.

Sie streben eine Aufstockung der Verkaufs-Fächer an …

Verkauf ist der Motor des Unternehmens, auch in einem Medienbetrieb. Aus meiner persönlichen Erfahrung ist das eine sehr zentrale Funktion, die ich den Studenten näherbringen möchte. Es sind Skills, die gefragt sind. Im neuen Curriculum ist Sales Key Account Management drinnen, in Laboren soll diese Thematik geübt werden. Nicht zuletzt ist der Verkauf etwas, in dem man gutes Geld verdienen kann.

Steht also immer mehr das Management im Vordergrund, weniger die Medien?

Ja, die Managementkompetenz steht im Vordergrund. Wir geben einen betriebswirtschaftlichen Background, aber auch Wissen über den Medienmarkt in allen Facetten. Die Wahlpflichtmodule geben dann für den weiteren Weg die Richtung an.

Ihre Studenten sollen also morgen das werden, was Ihr Namensvetter heute ist?

Das Fernziel ist es, jemanden auszubilden, der solche Managerfähigkeiten hat wie Horst Pirker. Das wäre unser höchster Erfolg.

Erschienen in Ausgabe 04-05/2011 in der Rubrik „Special“ auf Seite 104 bis 107 Autor/en: Theresa Steininger. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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