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Medien

Japan – ein Tsunami überrollt die Medien

Von Hermine Schreiberhuber

Erdbeben, Flutwelle, AKW-Drama. Die Coverage der Dreifach-Katastrophe in Japan bedeutete für Österreichs Medien eine ungeheure Kraftprobe. Vergleichbar etwa mit 9/11, das schon fast zehn Jahre zurückliegt.

Am Morgen des 11. März kamen die ersten Alarmmeldungen über die Agenturen. Starkes Erdbeben in Japan, ein Tsunami überrollt die Ostküste. Am Nachmittag erste Anzeichen für gefährdete Atomkraftwerke in der Region. In den Redaktionen war Feuer am Dach. Binnen weniger Stunden, noch bevor das AKW-Drama seinen Lauf nahm, bestiegen am Freitag Reporter die noch verfügbaren Flieger Richtung Japan. Am Wochenende herrschte Großeinsatz. Aufmacher-Bücher zu Japan mussten aus dem Boden gestampft werden. Bild und Grafik hatten Hochsaison.

Beispiel „Die Presse“: Der drohende Albtraum um das AKW Fukushima platzte mitten in die geplante Jubiläums-Sonntag-Ausgabe mit Burgtheater-Chef Matthias Hartmann hinein. Das Blatt musste buchstäblich auf den Kopf gestellt werden. Beispiel „Der Standard“: Erstmals in der Geschichte der Zeitung erschien eine Sonntagnummer – was Spekulationen nährte, aber ein Einzelfall blieb. Novum im „Kurier“: Ein eigener Koordinator zur Organisierung des Japan-Themas wurde installiert. Im ORF-Fernsehen rollten Sonder-„ZIBs“ an; eine spülte den Jubiläums-Musikantenstadl weg.

In der Zwischenzeit waren die in Marsch gesetzten Reporter schon am Schauplatz. Oder zumindest nahe dran. Aus Gesprächen sind einige gemeinsame Erfahrungen herauszuhören. Aufgrund der restriktiven Informationspolitik Japans waren alle auf Infos aus den Wiener Zentralen angewiesen, vor allem punkto Strahlungsgefahr. Die Parole der Redaktionen lautete unisono: Risikominimierung, nicht zu nahe ans AKW heran. Sprachprobleme erschwerten oft die Einsätze vor Ort, Englisch ist auf dem Land Mangelware. Der Fokus der Reportagen lag auf den Opfern, das Atomthema wurde in der Redaktion abgehandelt.

„Presse“-Reporter Riecher schaffte es bis Fukushima

In der „Presse“ bot sich Stefan Riecher spontan für den Einsatz an, flog kurzfristig mit der AUA los. Als USA-Korrespondent hatte der jetzige Wirtschaftsredakteur vor einem Jahr das Erdbeben von Haiti gecovert. Riecher: „Eigenberichte sind für ein Qualitätsmedium sehr wichtig.“ Bei solchen Katastrophen sollten Journalisten vor Ort sein. Der Leser wisse, „die informieren authentisch“. Ihm selbst ging es um die Erfahrung, mit Extremsituationen umzugehen; klar war auch Abenteuerlust dabei. „Es zwingt mich keiner.“ Rund acht Tage dauerte sein Trip. Von Tokio ging es nach Sendai, am Sonntag war er in Fukushima.

Die Arbeitsbedingungen? Das Internet funktionierte zumeist, im Tsunami-Gebiet griff Riecher auf das Satellitentelefon zu, das er mitgenommen hatte. Es galt, Eindrücke zu gewinnen, Gespräche zu führen. „Man kämpft sich durch.“ Ein Übersetzer, den er gemeinsam mit einem französischen TV-Team nahm, war hilfreich. „Die Japaner waren freundlich, aber sie öffneten sich nicht“, beschreibt Riecher die Menschen. Am Tsunami-Schauplatz war die Situation „viel schlimmer, als ich es erwartet hatte“. Enorme Zerstörungen, kilometerweit ins Land hinein.

Dann war der „Presse“-Mann am Atom-Schauplatz. Die Diskrepanz zwischen Auslandsinformationen und japanischer Informationspolitik ließ sein Vertrauen in letztere schwinden. Da fühle man sich unsicher. Auch der Einsatzleiter von Fukushima versuchte zu beruhigen. „Das war symptomatisch.“ Nur für kurze Zeiträume hielt sich Riecher dort auf, er übernachtete 100 Kilometer weg vom AKW. Man musste wissen, wie der Wind weht. „Eine psychische Belastung“ wegen der unkalkulierbaren Faktoren, zieht Riecher Bilanz. Bei einem Nachbeben in Tokio sagte er sich: Wenn die Bauten Stärke 8,9 aushalten, halten sie auch das aus.

Brandl von der „Krone“: zwei Lebenswelten

Für Gregor Brandl von der „Kronen Zeitung“ war klar: Er wollte sich um diese Geschichte kümmern, das werde länger dauern. Zuvor hatte er in Ägypten von den Unruhen berichtet. Brandl bekam das Okay, flog zusammen mit Fotograf Gerhard Bartel. Aus der Zentrale kam nach etwa fünf Tagen der Ruf zur Rückkehr. „Die atomare Bedrohung war ja nicht absehbar.“ Und: „Die wichtigste Informationsquelle war Wien.“ In Tokio waren Botschaft und Handelsdelegation erste Anlaufstelle („Es klappte prima“), dann Kontaktaufnahme mit lokalen Behörden.

Im Auto ging es nordwärts im Westen auf die Höhe von Sendai, denn an der Ostküste gab es keine Verbindungen mehr. Sprachschwierigkeiten? Brandl: „Kein Mensch kann Englisch.“ Viele hätten auch Hemmungen, schlechtes Englisch zu sprechen. Außer in Tokio habe man „mit Händen und Füßen geredet“. Aber Brandl hatte auch Glück: Einmal half ein Taxifahrer, dann ein Student beim Übersetzen im Gespräch mit Opfern. Ein Notarzt erzählte ausführlich über die verletzten Menschen.

Zur Mentalität sagt Brandl: „Da prallen zwei Lebenswelten aufeinander.“ Auffällig war „diese Ruhe, die die Menschen ausstrahlten“. Man merkte aber auch, dass Informationen zurückgehalten wurden, um keine Panik aufkommen zu lassen. „Für uns war es ein Wechselbad, weil nichts über die atomare Bedrohung berichtet wurde.“ Brandl war beeindruckt von der „Disziplin und Strukturiertheit der Japaner“; anderswo wäre längst Panik ausgebrochen.

Das schlimmste Erlebnis war Sendai: „Im Zentrum war alles intakt, in Strandnähe alles kaputt.“ Dort stocherten Menschen, verzweifelt suchend, mit Stecken in den Trümmern herum. Dahinter Hilfsmannschaften. „Sie konnten nur Leichen finden.“ Mit den Beben gingen die Japaner „ziemlich cool“ um, findet der „Krone“-Reporter. Und wie geht man mit den eigenen Ängsten um? „Man klammert das aus, konzentriert sich auf die Recherche.“ Am Ende war er froh, im Flieger heimwärts zu sitzen. „Ich habe meinen Job gemacht, war nicht in Purkersdorf, sondern in Sendai.“

„Kurier“-Mann Theuretsbacher: von der Zivilisation in die Hölle

Ein erfahrener Krisenreporter ist Wilhelm Theuretsbacher vom „Kurier“, der gleichfalls am 11. März ausrückte – und für den Rückflug auf dem letzten Flieger gebucht war, ein purer Glücksfall. Zuerst war er in Tokio, wo es ihm um Österreich-Bezüge ging und sich eine große Krise abzeichnete. Er „erlebte, wie diese hochmoderne 35-Millionen-Metropole Stück für Stück zusammenbricht“. Am zweiten Tag kein Strom, am dritten Tag Lebensmittelknappheit. Ein unangenehmer „Schrei“ im japanischen Handy kündigte das nächste Beben an. „Irgendwie gespenstisch. Die Menschen können nicht flüchten und wollen nicht flüchten. Die Stimmung war fatalistisch.“

Dabei wusste die Masse der Menschen nichts von der Strahlungsgefahr. Theuretsbacher schon, von zu Hause. Sein Eindruck war, dass man den Bürgern „tunlichst verschwieg, welche Gefahren in einem AKW lauern“. Die City von Tokio war total verstopft, ohne Hotelbuchung kein Taxi und kein Geldwechsel. Der Fokus seiner Arbeit lag jedenfalls „auf den Menschen, nicht den Zerstörungen“. Davon lieferten die Agenturen reichlich Bilder.

Die Fahrt von Tokio ins nördliche Krisengebiet empfand er wie „im Zeitraffer von der Zivilisation in die Hölle“. Bis zur Stadtgrenze keine Schäden (Stahlbeton), dann Chaos (Ziegelbauten). „Kilometer für Kilometer wurde es schlimmer.“ Am schlimmsten war es am Rande des Katastrophengebiets, wo sich alle zu versorgen suchten. „Englisch spricht keiner“, diese Erfahrung machte auch der „Kurier“-Mann. Dolmetscher waren schwer zu finden. Die ständige Bebengefahr verursache „ein absolut ungutes Gefühl“, ist er sich mit den Kollegen „draußen“ einig.

Im „Kurier“ galt es, die Materialfülle in Specials geordnet zu Papier zu bring
en. Fast 14 Tage währte der mediale Ausnahmezustand mit eigenen Japan-Büchern in den Printmedien. Laut Stefan Galoppi, Auslands-Chef des „Kuriers“, hat sich der Einsatz des Extra-CvD, konkret Jürgen Preusser vom Sport, als Japan-Koordinator „sehr bewährt“. Acht bis zehn Seiten waren zu füllen, „er war der Trichter, der alles ins Blatt gefüllt hat“. Der „Kurier“ habe sich bemüht, täglich eine Opfergeschichte zu bringen, auch als die Atomgefahr in den Fokus rückte. Ein „Mitfühlthema“, wo die Naturgewalt herrscht, und ein „Mitärgerthema“, wo es um menschliche Verantwortung geht, wie Galoppi sagt.

Für berechtigt hält er, dass das Atomthema so groß gespielt wurde. Es ging nicht darum, Hysterie zu schüren, sondern um „ein prinzipielles Thema, das uns alle angeht“. Alle redaktionellen Ressourcen wurden gebündelt, von der Weltchronik bis zu Wissenschaft und Kultur. „Die Größe der Geschichte wurde sofort in ihrer Tragweite erkannt.“ Dazu kamen „mächtige Bilder“ und „Grafik-Geschichten“. Nur mit den Terroranschlägen von 9/11 sei das Mega-Drama in Japan vergleichbar, resümiert Galoppi: „Aus heiterem Himmel und mit ungeheurer Folgewirkung. Plötzlich ist die Hölle los, ohne jede Vorwarnung.“ Zur Beratung und Information von Kunden richtete der „Kurier“ eine Telefonsprechstunde ein.

Japan-Supergau stellte „Presse“-Jubiläumsausgabe auf den Kopf

Als „redaktionellen Supergau“ hat „Presse“-Außenpolitik-Chef Christian Ultsch das Wochenende 12./13. März in Erinnerung. Das gesamte Team von Außenpolitik und Weltjournal wurde zusammengetrommelt, Ultsch selbst mutierte flugs vom Verantwortlichen der lange vorbereiteten Sonntag-Ausgabe unter der Ägide des Burgtheaterchefs zum Koordinator für das Japan-Special. Die Umkrempelung von 16 Seiten war „drucktechnisch eine große Herausforderung“. Riechers Reportagen und die Hintergründe der ständigen Japan-Korrespondentin wurden in die Gesamtberichterstattung eingebettet.

Die Halbwertszeit der Aufmerksamkeitsspanne sei generell geringer geworden, meint Ultsch. „Fukushima war eine Ausnahme.“ Das Tsunami-Phänomen wurde total überlagert von AKW-Ängsten, doch war die Atomgefahr hierzulande nicht real. Umso mehr war es der „Presse“ ein Anliegen, dass der entsandte Reporter sich den Opfern widmete. Inzwischen kam der Libyen-Krieg in Gang. Wegen der Japan-Katastrophe wurde diesem Thema eine Weile zu wenig Gewicht beigemessen, räumt der Außenpolitiker ein. „Das Gleichgewicht musste gefunden werden.“

„Standard“ produzierte einmaliges Sonntag-Special

Im „Standard“ oblag die Koordination Chronik-Chefin Petra Stuiber. 16 Sonderseiten wurden am Super-Wochenende produziert. In der zweiwöchigen Intensivphase gab es täglich eine ressortübergreifende Japan-Sitzung, mit Bild und Grafik. Der ständige Japan-Korrespondent lieferte Sonderberichte. Stuiber unterstreicht das Bemühen des „Standards“, die Hintergründe zu beleuchten, „die Geschichte dahinter“ aufzuzeigen, Experten zu Wort kommen zu lassen. Die Bezugnahme zu Tschernobyl habe sich aufgedrängt.

Zum Atomthema meint Stuiber generell: „Wir versuchten, Sachlichkeit in die Debatte zu bringen.“ Es ging auch darum, die eigentlichen Opfer, Tsunami-Tote und Obdachlose, nicht aus dem Auge zu verlieren. Beim Beben wollte man die globale Bedeutung des Ereignisses aufzeigen, mit Korrespondentenberichten aus bebengefährdeten Gebieten wie Istanbul und Kalifornien. Auch Panorama-Fotos, im Blatt selten eingesetzt, ließ man sprechen. Angesprochen auf die Entsendung von eigenen Reportern meint Stuiber, im „Standard“ herrsche der Grundsatz: Die Gefährdung von Mitarbeitern wäre keine Geschichte wert.

„Krone“ führt Anti-Atom-Lobby an

Das Dilemma zwischen Opfern und Atomgefahr wurde in der „Krone“ oft diskutiert, sagt deren Chronik-Ressortchef Thomas Schrems. Rund sechs Doppelseiten wurden Japan gewidmet. Das Team Brandl-Bartel war vor allem für das Humanitäre zuständig. „Opfer geraten leicht in Vergessenheit. Die Atomberichterstattung war in kürzester Zeit sehr massiv.“ Was freilich der „Krone“ nicht so ungelegen gekommen sein dürfte, hat sie doch in der Anti-Atom-Kampagne Routine. Schrems erinnert daran, dass seine Zeitung „das treibende Medium“ gegen Zwentendorf war.

Auf die Unterschriftenaktion gegen die Atomkraft, die mit dem Japan-Thema Hand in Hand ging, ist die „Kronen Zeitung“ mächtig stolz. Schrems zeigt sich erfreut über das Echo im Ausland. Trotz der zeitweilig flächendeckenden „Bilder-Landschaften“ in dem Kleinformat findet er nicht, dass der Text bei der Japan-Berichterstattung zu kurz kam. Bei den Japan-Berichten galt es ob der Fülle an Aspekten täglich neu zu gewichten. Dann rückte Libyen ins Blickfeld: „Gaddafi hatte Glück, er konnte (eine Zeitlang) unbeobachtet weitermachen.“

Die Bundesländer-Zeitungen ließen sich bei Japan-Specials auch nicht lumpen. Dem Sonderthema wurden am Höhepunkt der Katastrophe je zehn bis 16 Seiten gewidmet, etwa in der „Kleinen Zeitung“, der „Tiroler Tageszeitung“, den „Vorarlberger Nachrichten“, mit starken Bildern und Augenzeugenberichten, wie in den „Salzburger Nachrichten“. Die Debatte um die Atomkraft tat ein Übriges, ob in Deutschland oder in Österreich. Wasser auf die Mühlen der Atomgegner gab es genug. Die grenznahen AKW standen am Pranger. Reportagen von Temelin über Krsko bis Isar waren angesagt.

ORF jubelt über Quotensprung dank Japan und Arabien

Das Drama in Japan und die Umbrüche im arabischen Raum haben dem ORF-Fernsehen ein gewaltiges Plus in der Außenpolitik beschert. Grund zur Freude für Außenpolitik-Chef Andreas Pfeifer. Statt üblichen fünf Stunden Programm wurden im März 14,5 Stunden Außenpolitik gesendet. Gute 87 Prozent der österreichischen TV-Seher schalteten zu einer relevanten Sendung. Die „ZIB“ am 13. März erreichte mit 1,664 Millionen Zusehern die höchste Reichweite seit der Nationalratswahl 2008. Freilich: TV-Kritiker in den Printmedien hatten an der Performance des ORF in der Anfangsphase einiges auszusetzen.

„Als die Katastrophe losging, schalteten wir sofort auf Sondersendungsbetrieb“, schildert Pfeifer. China-Korrespondent Jörg Winter wurde nach Tokio und Osaka, wohin die Botschaft kurzfristig verlegt wurde, geschickt. Ihn löste nach zwei Wochen Tim Cupal aus Washington ab. Fahrten nach Fukushima genehmigte der ORF seinen Mitarbeitern aus Sicherheitsgründen nicht. Wie bei den Printmedien dauerte die Intensivphase der Berichterstattung zwölf Tage. Der ORF konstatierte enormes Publikumsinteresse. Pfeifer: „Die emotionale Anteilnahme war sehr groß, oft irrational.“ Ablesbar war dies auch an einer Mailflut der Kunden. Es galt, Atomängste zu beschwichtigen.

Die Redaktion in Wien wurde durch Einberufung von Korrespondenten aus Rom, Berlin und Budapest verstärkt. Innenpolitik, Wirtschaft, Wissenschaft lieferten zu. „Pressestunde“, „Im Zentrum“ und „Club 2“ hatten Japan und Libyen im Fokus. Pfeifer: „Das Informationsbedürfnis war da, Panikmache wollten wir vermeiden.“ Im Gegensatz zu „boulevardesken Medien“ wollte der ORF „versachlichen“, nicht zuletzt durch Einladung vieler Experten. Das Interesse an „ZIB“-Sendungen habe seit Beginn des Jahres zugenommen. Gut für das Auslandskorrespondentennetz. ORF-General Alexander Wrabetz wolle dem Rechnung tragen, freut sich der TV-Auslandschef.

Auf dem Boulevard tobte die Schlacht

Unterdessen tobte die Schlacht auf dem Boulevard. Kein Ausdruck war zu stark, kein Bi
ld zu grauslich. Für „Österreich“ hielt sich Herbert Bauernebel sechs Tage im Katastrophengebiet auf – in Tokio, Sendai und Fukushima. Der Reporter „erlebte Japans Apokalypse“ und schrieb „das Tagebuch aus dem Vorhof der Hölle“. Das Fellner-Blatt mutete an wie ein Bilderbuch. Mittendrin die Tagebuch-Notiz: „Da hilft nur mehr beten.“

Auf oe24.at lassen sich Schlagzeilen wie „Die Strahlenwolke kommt nach Europa“ nur mit Panikmache erklären, wenn es dann in der Geschichte heißt, hierzulande bestehe keine Gefahr der Radioaktivität. Ähnlich, wenn auf den Titel „USA brechen Hilfseinsatz wegen Radioaktivität ab“ folgt, dass die US-Schiffe eigentlich nur einen Umweg gefahren sind. Die Hysterie um die Jod-Tabletten, die sich in einigen Blättern ausbreitete, passte ins Bild.

Um den 20. März überholte der Libyen-Aufstand das Japan-Drama und eroberte die Titelseiten der Zeitungen. Jetzt brannten in „Heute“ die Batterien durch: „Gaddafi will Raketen auf Urlauber-Jets feuern“ lautete die Schreckensnachricht auf der Einserseite, untermauert mit Explosionsbildern im Blattinneren. Auf dem Arabien-Schauplatz ist der Spuk noch lange nicht vorbei, ebenso wenig wie im japanischen Drama in drei Akten.

Hermine Schreiberhuber ist freie Journalistin in Wien.

hermine.schreiberhuber@gmx.at

Erschienen in Ausgabe 04-05/2011 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 86 bis 91 Autor/en: Hermine Schreiberhuber. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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