ARCHIV » 2011 » Ausgabe 04+05/2011 »

Rubriken

Jauch ist nicht zu Tränen gerührt – ganz im Gegenteil

Günther Jauchs Medienklagen: Oft bekommt er recht. Zuletzt mit skurrilen Klagen aber nicht mehr.

1 Die TV-Konsumenten in Österreich und Deutschland kennen ihn als schlagfertigen Rätselonkel in „Wer wird Millionär?“, aufmerksamen Zeitungslesern erscheint er jedoch oft auch als Streithansel, der wegen Lappalien gegen Medien auftritt. Jüngst erreichte er sogar eine Gegendarstellung, weil eine Zeitschrift schrieb, er wäre durch das Schicksal armer Kinder „zu Tränen gerührt“ gewesen. Nun muss berichtigt werden, er sei „nicht zu Tränen gerührt“ gewesen.

Im Klatschmagazin „Neue Woche“ aus dem deutschen Burda-Verlag erschien im Oktober des Vorjahrs ein Bild des vor grünen Sträuchern stehenden Ehepaars Jauch mit der Schlagzeile „Triumph und Tränen – alles über sein geheimes Privatleben“. Im Blattinneren heißt es dann, dass er großzügig für das Hilfswerk „Arche“ gespendet habe. „Sicherlich war er zu Tränen gerührt, als er vom Schicksal sozial benachteiligter Kinder in seinem Wohnort Potsdam hörte.“

Diese Passage störte den Star, er verlangte eine Gegendarstellung. Als die Zeitung das ablehnte, ging er vor das Landgericht Offenburg, das jedoch dem Verlag recht gab. Nun ließ Jauch gegen das Urteil Berufung beim Oberlandesgericht Karlsruhe erheben, das Ende März die Zeitung zur Veröffentlichung der Gegendarstellung verurteilte.

Den seltsamen Rechtsstreit hatte Jauch begonnen, weil er klarstellen wollte, dass er „nicht aus reiner Rührung heraus gehandelt habe, sondern sich genau überlege, bei welchen Projekten er spende und bei welchen nicht“. Dieser Unterschied war ihm den Gang durch zwei Gerichtsinstanzen wert.

Der Fernsehstar wollte allerdings, dass zu diesem Bericht das Blatt noch etwas richtigstellen müsse. Der Text, den Jauch abgedruckt sehen wollte, sollte so lauten: „Das Foto ist eine ohne mein Einverständnis hergestellte Fotomontage. Ein Einzelfoto von mir und ein Einzelfoto von meiner Frau wurden auf einen Hintergrund mit grünen Blättern gesetzt.“ Das Gericht meinte, diese Forderung sei unzulässig, da ja nichts Falsches behauptet wurde und sich in der Öffentlichkeit bereits die Einstellung durchgesetzt habe, dass auch Fotos „nicht immer etwas so zeigen, wie es tatsächlich ist“.

Na ja.

Mehrmals war Jauch schon vorher als Kläger gegen Medien aufgetreten. 2008 verlangte er, allerdings vergeblich, vom Springer-Verlag 130.000 Euro, weil dieser ein Foto von einem Sektempfang seiner Hochzeit vor einer Kirche veröffentlicht hatte, ein Jahr später störte es ihn, weil eine Rätselzeitung sein Foto (ohne seine Einwilligung) zur Illustration verwendet hat und dazu schrieb, dass der Moderator zeige, wie spannend Rätselraten sein könne.

Kurt Tozzer ist freier Journalist in Wien.

tozzer@teleweb.at

Erschienen in Ausgabe 04-05/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 16 bis 17. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;