ARCHIV » 2011 » Ausgabe 04+05/2011 »

Medien

RMA: Szenen einer Ehe

Von Peter Plaikner

125 Blätter mit insgesamt fast 3,8 Millionen Lesern zählen die Regionalmedien Austria. Die Synchronisation der Motoren dieses Publikumserfolgs läuft auf Hochtouren.

Im deutschen Axel Springer Verlag steht die blaue Gruppe für Qualität à la „Welt“ und die rote für Boulevard der Marke „Bild“. Dagegen signalisiert im PDF-Webarchiv der RMA ein blauer oder roter Hintergrund die Haupttriebwerke der RMA – „Bezirksblätter“ in vier und „Woche“ in zwei Bundesländern. Die einen bereits Mitte der 1980er-Jahre von Otto Steixner in Tirol gegründet und später an die Moser Holding verkauft. Die anderen eine Dekade danach vom späteren Styria-Vorstandsvorsitzenden Horst Pirker in Kärnten initiiert. Heute stehen beide Gruppen zugleich für Unterschiede und Gemeinsamkeiten in jenem Joint Venture, das ursprünglich nur als Verlobung jener Konzerne galt, deren Hochzeit dann aber geplatzt ist.

Umso deutlicher wirkt nun das Bemühen um eine intakte Ehe. Stefan Lassnig, der durchaus journalistisch geprägte Geschäftsführer der „Tiroler Bezirksblätter“, sagt: „Unter Beibehaltung der bewährten Blattstruktur halten wir das neue und für alle einheitliche Layout für sehr gelungen.“ Er ortet breite Zustimmung für das Design von Jan Kny, das bereits in Nullnummern vorliegt. Uwe Sommersguter, Chefredakteur, aber auch Prokurist der „Woche“ in Kärnten, freut sich unterdessen über die Repositionierung des Titels auf das Bundesland: „Die Umstellung auf den Namen, Woche‘ war im Sinne einer gemeinsamen Vermarktung mit den Steirern richtig. Doch für die Identifikation der Leser ist es besser, wir heißen wieder, Kärntner Woche‘.“

Unabhängig vom bundesweiten Prozess einer – eventuell – gemeinsamen Markenfindung überarbeiten die Styria-Pioniere ihr Konzept weg von einer Landeszeitung mit Bezirksteilen hin zu einer Bezirkszeitung mit Landesteil: „Wir sind jetzt technisch und organisatorisch in der Lage, für alle Regionalausgaben unterschiedliche Umfänge zu drucken – und wir weiten die Zahl an Regionalausgaben aus“, erklärt Sommersguter, der bald auch in allen Bezirksstädten über Geschäftsstellen verfügt. Ab Mai könnte die Ausgabe für Klagenfurt zum Beispiel 96, jene für Hermagor nur 64 Seiten haben. Erst dadurch lässt sich auf Nachrichtenlage und Werbeaufkommen flexibel reagieren.

Die Tiroler verfügen schon länger über diese Voraussetzungen. Dort freut sich Lassnig als Manager gleichermaßen über „das beste Ergebnis aller RMA-Partner“ und die nun auch redaktionell betonte nationale Stärke: „Natürlich verbessert es unser Standing, wenn wir regelmäßig bundesweit durchgeschaltete Artikel haben. Da geht es immerhin um die größte Reichweite aller österreichischen Medien – nicht nur im Printsektor.“ Als ehemaliger Journalist sieht er die Stärke der gesamten RMA im Inhalt dieser Gratiswochenzeitungen: „Dass die Redaktion mindestens den gleichen Stellenwert hat wie die Anzeigenabteilung, ist für Blätter dieser Art einzigartig in Europa – und sicher unser Erfolgsgeheimnis.“

Sommersguter empfindet dies ähnlich und betont darüber hinaus den Wert von Vielfalt trotz aller Gemeinsamkeit: „Das Landesbewusstsein ist bei uns besonders stark ausgeprägt. Schon deshalb werden wir als, Kärntner Woche‘ besser wahrgenommen. Dass wir nun unseren ursprünglichen, 13 Jahre geführten Namen wieder einführen können, ist auch ein Beweis für die Lesernähe des Konzepts der RMA.“

Peter Plaikner ist Medienberater, Politikanalyst und Publizist mit Standorten in Wien, Innsbruck und Klagenfurt.

pp@plaikner.at

Erschienen in Ausgabe 04-05/2011 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 59 bis 59 Autor/en: Peter Plaikner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;