ARCHIV » 2011 » Ausgabe 04+05/2011 »

Praxis

Test: iPad-App „RP+“

Von Norbert Küpper

Die „Rheinische Post“ ist eine der größten Regionalzeitungen Deutschlands. Im Januar 2011 startete sie eine iPad-App. Dabei handelt es sich um eine Wochenzeitung, die ausschließlich exklusive Inhalte für das iPad anbietet. Es gibt also keine inhaltlichen Dubletten in Print oder Online. Die Applikation wurde für Hoch- und Querformat angelegt und soll nach einer kostenlosen Einführungsphase 1,59 Euro pro Ausgabe kosten.

Insgesamt eine schöne und eigenständige Idee der „Rheinischen Post“. Es ist verhältnismäßig einfach, ein solches Zusatzangebot zu erstellen, denn man spart ja den Druck und den Vertrieb. Werbung für die neue App kann man auf der Website und in der Printausgabe machen.

Titelseite

Aufmacher: Die Titelseite wird mit einem politischen Aufmacher versehen. „Kraft oder Röttgen – Wer soll NRW regieren?“ lautet die Überschrift.

Überschrift: Die Aufmacher-Überschrift steht auf schwarzem Untergrund auf den beiden Bildern. Dadurch wird die Lesbarkeit gewährleistet. Besser wäre allerdings schwarze Schrift auf weißem Grund.

Überschriftentype: Anders als bei der Tageszeitung wird eine serifenlose Schrift verwendet. Sie wirkt kühler, technischer als die in der Zeitung verwendete Times.

Hausfarbe: Es wird Gelb eingesetzt, die Hausfarbe der „Rheinischen Post“. Durch diese Wahl wird eine Anlehnung an die CI des Mutterhauses vollzogen.

Inhaltsverzeichnis: Die einzelnen Themen werden links mit einem Bild versehen. Daneben steht jeweils eine Überschrift, die mit einer Ressortangabe oder einer Dachzeile versehen wird. Die Zeitung hat die Ressorts Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und eine Menge Lifestyle-Themen für den Sonntag.

Start einer Story

Visualisierung: „Mord zum Sonntag“ ist diese Kolumne überschrieben. Visualisiert wird ein Schimanski-Krimi, der am Sonntagabend gezeigt wird. Das charakteristische Fadenkreuz der Krimireihe „Tatort“ wird eingesetzt und es läuft blutrote Farbe hinunter. Gemeinsam mit der Überschrift ein perfekter Start in diese Story.

Überschriften-Apparat: Über der Überschrift gibt es ein Stichwort, darunter die Autorenzeile. Es gibt auch Storys, die eine linksbündige Überschrift haben. Die Gestaltung der Startseiten variiert. Es werden sowohl Fotos als auch Illustrationen eingesetzt. Das Layout ist also variantenreich und nicht schematisch.

Vorspann: Die journalistischen Standards werden eingehalten: Jedes Bild hat einen Bildtext, den man herausklicken kann, und der Vorspann wird bei fast allen Artikeln eingesetzt.

Innenseite einer Story

Bildergalerie: Beim Hochformat ist sie oben, beim Querformat links. Man kann sie scrollen und vergrößern. Bildtexte kann man durch Antippen

hervorholen. Nachteil: Durch die Galerie wird die Fläche für den Text verkürzt. Der Nutzer muss öfter manuell weiterscrollen.

Grundtext: Es wird die Palatino als Grundschrift benutzt, eine klassische Buchschrift. Die Schrift passt zum sonntäglich ruhigen einspaltigen Layout.

Zwischenzeilen: Sie sind immer zweizeilig und haben links einen orangefarbenen Balken. Die Hausfarbe Gelb wäre logischer gewesen. Da der Leser sowieso nur ein kurzes Stück Text auf dem Bildschirm hat, wären halbfette Starts bei neuen Absätzen auch möglich gewesen.

Norbert Küpper ist Zeitungsdesigner ( www.zeitungs-design.de) und Organisator des European Newspaper Award.

nkuepper@layouttipp.de

Erschienen in Ausgabe 04-05/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 122 bis 123 Autor/en: Norbert Küpper. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;