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Praxis

Urlaub in Handy-freier Zone

Birgit Baumann studierte Publizistik, Französisch und Theaterwissenschaft in Wien (nicht abgeschlossen). Von 1993 bis 1999 war sie Redakteurin in der Wiener Redaktion der „OÖN“, von 1999 bis 2005 Deutschland-Korrespondentin der „OÖN“, „Kleinen Zeitung“ und „VN“. Seit 2005 ist die gebürtige Linzerin Deutschland-Korrespondentin des „Standards“. Seit Februar 2011 ist die 41-Jährige Vorstandsvorsitzende des Vereins der Ausländischen Presse in Deutschland.

Wie viel Macht hat ein Journalist?

Viel, wenn er unbequeme Wahrheiten aufdeckt – siehe Richard Nixon, Karl-Theodor zu Guttenberg, Ernst Strasser.

Ihr Verhältnis zur Macht?

Beobachtend.

Was zeichnet einen guten Journalisten aus?

Dranbleiben, nachfragen, verständlich schreiben.

Wie wird sich der Journalismus künftig verändern?

Er wird noch schneller, noch bunter werden.

Warum sind Sie Journalistin geworden?

Habe schon als Kind gerne Geschichten erzählt.

Wie kamen Sie an Ihren ersten Beitrag und was war das Thema?

Wurde mir als Praktikantin der „OÖN“ 1990 vorgegeben, ich sollte ein neues Einkaufszentrum in OÖ beschreiben. Das Besondere damals: Es hatte bereits einen Bankomaten.

Ist das Schreiben für Sie Bedürfnis oder Qual?

Bedürfnis.

Schon einmal überlegt, den Beruf zu wechseln?

Seit 20 Jahren rund vier Mal pro Jahr – aber nie ernsthaft.

Wo und wie lernt man Journalismus am besten?

In der Lokalredaktion, Learning by Doing.

Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?

Da gebe ich eine Politikerantwort: Das sollen andere beurteilen.

Welche Fremdsprachen beherrschen Sie?

Englisch, Französisch, Berlinerisch.

Welche ist Ihre Lieblingszeitung?

„Süddeutsche Zeitung“, Stadionzeitung des FC St. Pauli.

Wie wichtig ist Klatsch?

Das Salz in der Suppe, auch wenn es kaum einer zugibt.

Stört Sie das schlechte Image von Journalisten?

Nein. So schlecht ist es auch nicht.

Journalisten gelten als eitle Zeitgenossen, und Sie?

Ich kenne auch eitle Anwälte und Ärzte, Journalisten sind nicht per se eitel.

Wie kommt ein Nachwuchsjournalist so weit wie Sie?

Freude am Job.

Was machen Sie, um sich in der Redaktion zu entspannen?

Auf die Kuppel des Berliner Reichstags und auf die Spree schauen.

Wie kann man Ihre Aufmerksamkeit erregen?

Mit Witz, Ironie und guten Geschichten.

Was törnt Sie an/ab?

Langweilige, schlecht geschriebene Pressemitteilungen / gut erzählte Geschichten.

Wohin fahren Sie als Nächstes auf Urlaub?

Brandenburg, da gibt es noch Handy-freie Zonen.

Ein Tag Bundeskanzler sein, was tun Sie?

Alle öffentlichen Verkehrsmittel werden kostenlos, es werden deutlich mehr Lehrer eingestellt.

Welches Medium würden Sie sofort verbieten?

Keines. Eine funktionierende Demokratie hält vieles aus.

Was sagen Kollegen Böses über Sie?

Noch eine Politikerantwort: Da müssen Sie die Kollegen fragen.

Was soll Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Sie war länger Korrespondentin als Angela Merkel Kanzlerin.

Birgit Baumann ist Vorstandsvorsitzende des Vereins der Ausländischen Presse in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 04-05/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 130 bis 130. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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