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Von Joghurts und Kindern an der Leine

3 Werbung muss vor allem eines – Aufmerksamkeit erregen. Das wird natürlich auf unterschiedliche Art bewirkt. Man schmunzelt über sie, man ist angetan von den Einfällen der Reklamespezialisten, oder man ärgert sich über sie. Zum Österreichischen Werberat, eine Art öffentlicher Beschwerdebriefkasten, gehen jene Bürger, die ihren Ärger über Inserate, Plakate oder TV-Spots Luft machen wollen. Ein Beispiel, in dem es um Joghurt geht: Kaum ein Fernsehkonsument kann den Befehl „Herbert, trink das!“ überhören. Für einen Zuschauer war diese Werbeaussage Grund genug, sich offiziell zu beschweren. Es gehe doch nicht an, einen „uninspirierten, faden Mann“ zu zeigen, der von einer „vifen, gesundheitsbewussten Frau“ belehrt werden müsse. Die Forderung des Beschwerdeführers: Ein zweiter Spot muss her, der den Mann in der klugen Rolle darstelle.

Ob diese Forderung durch eine Werbung für die Möbelfirma „1.000 Tische + Stühle“ erfüllt wird, bleibe dahingestellt. Gezeigt wird ein nackter Mann, der eine Kaffeetasse auf seiner Sitzfläche balanciert. Diese Popo-Ansicht war für den Beschwerdeführer eine „dumpfe, zweideutige, sexistische Message“.

Die Darstellung eines Kindes, das von den Eltern in einem TV-Spot als Hund ausgegeben und an der Leine geführt wird, um billiger in der „Restplatzbörse“ ein Ticket zu erstehen, wird von vielen verärgerten Zusehern als „entwürdigend“ bezeichnet.

Das größte Aufsehen erregt derzeit jedoch die Fernsehwerbung für Ikea. Innerhalb kurzer Zeit wurde die schlüpfrige Möbelhaus-Reklame 50.000-mal auf Youtube aufgerufen. Der Inhalt des Filmchens: Zuerst reißt sich ein junges Paar namens Florian und Susi förmlich die Kleider vom Leib, dann betritt ein offenkundig schwuler Mann mit den Worten „Hey Schatzi“ den Raum und widmet sich dem vorher so stürmischen Jüngling, während die Frau – in einem Ikea-Möbel natürlich – versteckt wird. Während viele Zuseher die Reklame als „zweideutig“ und „grauslich“ bezeichnen, loben andere den Mut des Möbelhauses, mit schwulen Pärchen zu werben.

Erschienen in Ausgabe 04-05/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 18 bis 18. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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