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„Wird schon wieder spekuliert?“

Von Theresa Steininger

Daniel Kapp war Pressesprecher von Ex-Vizekanzler Josef Pröll.

Halten Sie die Abschottung Vizekanzler Josef Prölls nach seinem Infarkt auch retrospektiv gesehen für den richtigen Weg?

Josef Pröll hat nur knapp überlebt. In so einer Situation hat ein Pressesprecher nicht an Inszenierung zu denken, sondern der Genesung alles andere unterzuordnen.

Hat die Öffentlichkeit Ihrer Meinung nach das Recht, über den Gesundheitszustand eines Spitzenpolitikers informiert zu werden?

Im Grundsatz ja, vor allem dann, wenn der Gesundheitszustand Einfluss auf die Amtsführung hat. Und so haben wir auch von Beginn an absolut transparent informiert. Wir haben nichts verschleiert oder schöngeredet.

Schürte die vorerst gewählte Vorgangsweise, auch wenn sie Vizekanzler Pröll schützte, nicht unnötig Gerüchte und Spekulationen?

Wir haben über Tatsachen berichtet: Es war ein Infarkt, er braucht Ruhe. In so einer Situation lassen sich Spekulationen nie ausschließen. Denken Sie an Thomas Klestil. Damals hat es jeden Tag Pressekonferenzen der Ärzte gegeben und dennoch wurde spekuliert.

Ihre Vorgangsweise wurde „kremlmäßig“ genannt, Sie titulierten sie als „transparent“. Was stimmt?

Noch am Tag des Infarktes gab es einzelne Journalisten, die Fotos und Interviews am Krankenbett machen wollten. Das habe ich klar abgelehnt. Wenn nun just diese Journalisten meine Vorgangsweise kritisieren, soll sich jeder selbst sein Bild machen.

Dennoch bedankte sich Vizekanzler Josef Pröll in seiner Verabschiedungsrede für die faire Berichterstattung der Journalisten, war sie fair?

Zu Recht. Denn der Journalismus in Österreich ist im Großen und Ganzen fair und korrekt.

Wie stehen Sie persönlich zu Prölls Entscheidung?

Sie war schwierig, ist aber richtig.

Werden Sie ihm in seinen neuen Job folgen?

Wieso? Wird schon wieder unnötig spekuliert?

Erschienen in Ausgabe 04-05/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 10 bis 10 Autor/en: Theresa Steininger. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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