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Medien

Auf die sanfte Tour

Von Elisabeth Horvath

Auch wenn sich das Gerücht, Wolfgang Fellner plane neben „Österreich“ ein neues Magazin, trotz Dementi hartnäckig hält, derzeit hat „Österreich“ bloß eine umfangreiche „Freundlichkeitsoffensive“ als künftige Marketingstrategie in Gang gesetzt. Überraschend genug.

Das Marketing-Konzept der Mediengruppe „Österreich“ soll künftig milder werden. „Statt auf kraftvolle setzen wir ab nun auf liebevolle Umarmung“, erklärt „Österreich“-Verlagsmanager Oliver Voigt, seit März dieses Jahres zuständig für Budget, Marketing, Planung und Strategie im Fellner-Blatt. Ab sofort also auf die sanfte Tour.

Entstanden ist dieser Sinneswandel im Rahmen einer großen Marketing-Klausur im April auf der Mittelmeerinsel Ibiza. Dessen Ergebnis ist ein detaillierter Plan bis ins dritte Quartal 2011. Was ein warmes, sonniges Klima alles ausmacht. Als quasi Paradebeispiel für diese neue Vermarktungsphilosophie steht der veränderte Radiospot: „Österreich liest Österreich“. Zuvor lautete er: „Ganz Österreich liest Österreich“. Und in der Tat: Durch Weglassung nur eines kurzen Wortes bekommt der Werbespruch eine andere Wirkung. Die aufgedrängte Bestimmtheit ist weg, an die Stelle tritt eine nüchterne Feststellung, mit der sich die Österreicher identifizieren und daher kaufen sollen.

Der künftige TV-Spot, der im Rahmen dieser Freundlichkeitsoffensive künftig auch in Zeitungen und Magazinen platziert wird, ist gänzlich neu: Man sieht Menschen, die „Österreich“ lesen und das auch sagen: „Ich lese Österreich“. Und dann erscheint eine Prominente oder ein Prominenter mit dem affirmativen Spruch: „Auch ich lese Österreich“. Der Hauptakteur wird regelmäßig ausgewechselt, auch je nach den Zielgruppen Frauen, Männer, junge urbane Menschen, Online-User etc. „Damit baut man Hemmschwellen ab“ (Voigt).

Auf der Freundlichkeitslinie, die rundum den Menschen Freude bereiten soll (Voigt: Das Leben sei hart genug.), liegen auch alle anderen Geschäftsprodukte der Fellner’schen Mediengruppe. So wird das Flaggschiff der neuen Umarmung, die Marke „Madonna“, ausgebaut werden. Neben dem Samstag-Madonnentag wird auch der Sonntag zum Madonnentag erklärt. Allerdings mit etwas anderen Schwerpunkten. Sonntag sei Lesetag, Familientag. Da gehe es um „Orientierung geben“. Für Montag wiederum ist ebenfalls ein zusätzliches Magazin mit der Ausrichtung People, Society angedacht.

Darüber hinaus werden die Guides im Taschenbuchformat, die etwa in der Trafik um rund 7 bis 8 Euro zu kaufen sind, regelmäßig erscheinen. Gedacht ist an jede Woche. Inhalt soll nicht Belletristik sein. Das Geschäft soll eher mit Ratgebern, die einen Nutzwert haben, gemacht werden oder mit aktuell-spektakulärem Zeitgeschehen wie etwa jüngst die Hochzeit im britischen Königshaus. Themen sind etwa auch die neue „Wunder-Diät Detox“ oder „Ihr komplettes Sommer-Horoskop 2011“. Dazu kommen Reise-Guides, Fitness-Bücher, „Tipps & Tricks“ zu Facebook. Als Anreiz für das Abonnenten-Geschäft gibt es im Abo-Shop via „Club Österreich“ eine Reihe von Sonderangeboten zum „Bestpreis“ (Product Manager Nino Schenz), die online, per Telefon oder E-Mail bezogen werden können. Diese reichen vom „Kate-Ring“ mit dem tiefblauen Stein über E-Bike, Samsung-Netbook zur DVD über Planet Erde oder Pilates.

Was das nicht-mediale Geschäft angeht, so stehen derzeit Reisen und Auto-Leasing im Mittelpunkt. Da wird in den Printausgaben meist doppelseitig ein Mazda 2 CE Pro angepriesen zu niedrigsten Monatsraten. Oder durchorganisierte Reisen mit Kreuzfahrtschiffen bzw. „Luxushotels“. Mit dem Gewinn soll der journalistische Bereich querfinanziert werden. Und mit Blick auf mittelfristige Vorhaben, so will der rührige „Österreich“-Manager mit Immobilien ein weiteres nicht-mediales Geschäft aufziehen. Dazu sollen Personalanzeigen und Stellenangebote kommen.

Oliver Voigts stringente Verkaufsmethode für die gesamte Marketing-Palette: „Wir pushen über Print und wickeln ab über Internet.“

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 70 bis 71 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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