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Praxis

Bundeskanzlerin spielen im Sandkasten

Anita Heubacher studierte Politikwissenschaft in Innsbruck und war von 1994 bis 2007 Journalistin in den Disziplinen Hörfunk/TV (ORF, Privatradio) und Print („Tiroler Tageszeitung“). 2007 wechselte sie in die Geschäftsführung von Life Radio Tirol. Seit 2009 ist sie die Leiterin der Kommunikationsabteilung in der Tirol Werbung und wird im August 2011 in den Journalismus zurückkehren und als Chefreporterin in der „TT“ arbeiten.

Wie viel Macht hat ein Journalist?

Zu viel, wenn die Verantwortung, die die Macht mit sich bringt, nicht bewusst ist, zu wenig, um gegen politischen und wirtschaftlichen Druck immun zu sein.

Ihr Verhältnis zur Macht?

Den Mächtigen auf die Finger zu sehen, ist eine Triebfeder im Journalismus.

Hat Ihre Arbeit schon einmal Einfluss auf wichtige Entscheidungen gehabt?

Medien sind meinungsbildend, Artikel/Beiträge deren Inhalt – da wird wohl ab und an etwas dabei gewesen sein.

Was zeichnet einen guten Journalisten aus?

Analytisches Denken, hartnäckiges Hinterfragen, Kombinationsgabe.

Wie wird sich der Journalismus künftig verändern?

Journalisten müssen sich daran gewöhnen, dass sie das Monopol zur Meinungsäußerung verloren haben. Publizieren kann heute jeder, gut recherchierte Inhalte liefern nicht. Als unglaubliche Optimistin denke ich, dass die Wertung von Information und gut recherchierte Information wieder an Wert gewinnen werden. Medienhäuser sind gefordert, sich breiter aufzustellen und ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das Qualitätsjournalismus möglich macht.

Wie kamen Sie an Ihren ersten Beitrag und was war das Thema?

Eine Reportage zur Piefke-Saga von Felix Mitterer. Der Aufschrei, den sogar die Wiederholung der Serie im TV noch auslösen konnte, war im heiligen Land Tirol nicht zu überhören.

Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?

Flexibilität, Lust auf Perspektivenwechsel, Wissbegierde – zähle ich zu meinen Stärken. Ungeduld ist meine größte Schwäche, die anderen Defizite verrate ich nicht.

Stört Sie das schlechte Image von Journalisten?

Interessant ist, dass das schlechte Image kaum jemand auf sich bezieht. Interessanter wäre, die Ursachen zu identifizieren und dagegen zu steuern. Das gilt für den einzelnen Journalisten. Das gilt für ein Medienhaus und das gilt auch für die Branche. Dazu bräuchte es das definierte Ziel, das Image heben zu wollen, eine Strategie, wie man dieses Ziel erreicht, und die passende Kommunikation dazu. Am Ende fehlt der Branche die PR?

Ihre größte journalistische Sünde?

Instrumentalisiert worden zu sein.

Wie halten Sie sich fit?

Durch die Berge – bei uns geht es immer steil bergauf, da kommt man ins Schwitzen.

Was wollten Sie als Kind werden?

Bundeskanzlerin – habe oft im Sandkasten gespielt.

Was törnt Sie an/ab?

An: Menschen, die etwas zu sagen haben. Ab: Menschen, die dem Machtrausch verfallen sind.

Was sagen Kollegen Böses über Sie?

Das sagen sie hinter meinem Rücken und deshalb weiß ich es nicht.

Ihr teuerster Besitz?

Unabhängigkeit.

Welches Auto fahren Sie und warum?

Einen Beetle, weil sein rundes Dach sofort zu orten ist.

Wann waren Sie am glücklichsten?

Das ist nichts für die Öffentlichkeit.

Was soll Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Ihr Leben hat Spuren hinterlassen.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 146 bis 146. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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