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ARCHIV » 2011 » Ausgabe 06+07/2011 »

Medien

Die zehn größten Baustellen im ORF

Von Elisabeth Horvath

Die Sorge vor Arbeitsmangel in der nächsten Legislaturperiode des ORF nach dem 9. August wird den neuen (alten?) Generaldirektor nicht umtreiben.

1. Die Standortfrage ist wohl die schwierigste und mit den meisten Emotionen behaftete, die bislang – nicht zuletzt wegen der ORF-Wahl am 9. August – auf die lange Bank geschoben worden ist. Zu viele Interessen hängen an zu vielen Varianten. Die da sind:

* Das Gebäude am Küniglberg wird renoviert und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Das Funkhaus in der Wiener Argentinierstraße bleibt erhalten, womit der Wunsch von Hörfunkdirektor Karl Amon in Erfüllung ginge: Einen so großartigen Standort in so zentraler Lage gebe man nicht leichten Herzens auf, so sein Argument. Deshalb werkt eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Radiochefredakteurs und Amon-Vertrauten Stefan Ströbitzer an einem Modell gemeinsamer Info-Newsroom für Radio, TV und Online. Aber auch die roten ORF-Betriebsräte wollen bleiben, wo sie sind.

* Die ORF-Führung entscheidet sich für einen gemeinsamen Standort von TV, Hörfunk, Online. Dadurch seien kostensparende Synergien zu erzielen. Eine Einschätzung, der allerdings Amon nicht folgt. Seine Begründung: Um Synergieeffekte zu erzielen, sei der Standort nicht der entscheidende Punkt („SN“, 18. Mai 2011). Tendenziell gegensätzlich wieder Richard Grasl, der kaufmännische ORF-Direktor. Er hält einen gemeinsamen Standort grundsätzlich für ökonomisch am sinnvollsten, vorbehaltlich freilich, dass alle konkreten Fakten und Zahlen dies untermauern.

* Geht es nach den Wünschen von Wiens Bürgermeister Michael Häupl und seiner Vize Renate Brauner, so soll der gesamte ORF ins „Media Quarter St. Marx“ übersiedeln. Dort steht schon seit Längerem ein im Besitz der Gemeinde Wien befindliches und von ihr technisch mit allen Finessen ausgestattetes Areal bereit. Da dort der Quadratmeterpreis ein hoher ist, wäre diese Variante sehr teuer. Dazu kommt die Nähe zur Bürgermeisterpartei SPÖ, für den sich gerierenden unabhängigen ORF auch nicht die elegante Lösung. Dennoch plädiert beispielsweise Onlinedirektor Thomas Prantner, seit Neuestem wieder als Generaldirektor-Kandidat im Gespräch, für diese Variante.

* Schließlich gibt es noch die Option Wien-Liesing, eine Liegenschaft in der Perfektastraße. Diese käme rund um die Hälfte billiger, liegt aber nicht so zentral, wiewohl verkehrsgünstig an einer U-Bahn-Station.

2. Auflassung des Standortes Wien-Heiligenstadt. Das scheint am ehesten ausgemachte Sache zu sein.

3. Technik: In den nächsten Jahren braucht die ORF-Technik mehr Systemtechniker und weniger Hardware-Techniker. Nach Information von ORF-Insidern bedeutet dies eine Umstrukturierung in der Personalstruktur.

4. Frauen: Bei der Neubesetzung des künftig auf vier Personen reduzierten ORF-Direktoriums ist die Besetzung einer Position mit einer Frau unerlässlich. Intensiv im Gespräch ist die Direktorin des Landesstudios Wien, Brigitte Wolf, als Programm-Direktorin, wiewohl sich Generaldirektor Alexander Wrabetz Printberichten zufolge auch in Deutschland bei WDR und NDR umgeschaut haben soll. Jedenfalls haben die ORF-Frauen seit fünf Jahren daran gearbeitet, dass auch in dem obersten Führungsgremium Frauen vertreten sind. Ein vierköpfiges Männerteam könne sich Wrabetz, so weibliche Insider, nicht leisten. Des Weiteren wird an einem hochwertigen Frauenmagazin gearbeitet.

5. Mehr Rechte für die Redakteure: Die Redakteursvertretung fordert vom ORF-General eine Verbesserung des Redakteursstatuts. Sie soll ein Begutachtungsrecht vor den programmrelevanten Entscheidungen des Stiftungsrates erhalten und gegen die Besetzung von Leitungsfunktionen eintreten können. Ziel ist weiters ein Mandat der Redakteursvertretung im Stiftungsrat.

6. ORF eins: Seit etlichen Jahren schon wird am Programm dieses Kanals herumgebastelt. Immer wieder tauchen neue Formate auf, nur manche wenige sind wirklich erfolgreich. Etliche werden ein paar Mal ausprobiert und dann aufgrund von Kritik und niedriger Quote wieder abgesetzt. Manchmal auch still und leise, sodass es die Seherinnen und Seher zunächst einmal gar nicht merken. Wer dafür nach der Neubestellung der Direktoren hauptverantwortlich sein wird, hat nicht nur alle Hände voll zu tun, er muss auch kreative Köpfe finden, die nebstbei auch ein gewisses Niveau absichern können.

7. ORF 2: Für diesen Kanal ist unter anderem eine Frühinformations-Strecke geplant, wie es international die meisten anderen vergleichbaren Sender längst realisiert haben. Die tägliche Morgensendung „Cafe Puls“ auf Puls 4 soll aber nicht Vorbild sein. Wie überhaupt die Information insgesamt gestärkt werden soll. Beispiele sind ein größerer Reformbedarf an den beiden Sonntagvormittag-Sendungen „Pressestunde“ und „Hohes Haus“ sowie ein grundlegendes Facelifting der Dienstagabend-Sendung „Report“. Gerade mit Blick auf Letzteres gibt es immer wieder Klagen darüber, dass dieses Magazin an Drive und Inhalten verloren hat. Es sei fad geworden, so der Tenor. Gut möglich auch, dass dies gar nicht so sehr an den zuständigen ORF-Leuten liegt. Vielleicht schlägt sich viel eher die Qualität der heimischen Politik auf diese Weise nieder?

Wie auch immer. Auffallend jedenfalls ist in letzter Zeit, dass sich bestimmte Themen in mehreren ORF-Magazinen wiederholen. So hat Anna-Maria Wallner („Presse“) beispielsweise beobachtet, dass sich „Thema“ und das ORF-eins-Magazin „direkt“ mit ein und demselben Thema beschäftigte: Arnold Schwarzeneggers Fehltritte. Oder: Am Dienstag, 25. Mai, brachte etwa der „Report“ eine Nachbetrachtung zum Platzsturm der Fußball-Rowdys beim Wiener Derby inklusive eines Studiogesprächs mit Rapid-Präsident Rudolf Edlinger. Experten fragten sich, ob dies nicht eher Thema für „Thema“ sei. Noch dazu, wo der „Club 2“ für den nächsten Tag dieses Thema programmiert hatte. Anna-Maria Wallner in einer TV-Kritik: Dies rühre „wohl weniger von einem Geschichtenmangel als von einem Zuviel an ähnlich gestrickten Magazinen“ her.

8. ORF 3: Auf diesen Sendernamen des neuen Spartenkanals hat sich Alexander Wrabetz festgelegt. Ebenfalls so gut wie fix sind die vier Programmsäulen, auf denen der neue Info- und Kulturkanal basiert:

* Kultur, Religion, Volkskultur und Regionalität;

* österreichische Zeitgeschichte und Zeitgeschehen;

* Information und europäische Integration;

* Kunst und Kultur.

Ansonsten werden gegenwärtig Pilotsendungen produziert und gesendet. Schon jetzt gibt es Parlamentsübertragungen live und in voller Länge. In den Kabelnetzen soll der Kanal auf den bisherigen TW1-Plätzen verbleiben, versichert TW1-Chef Peter Schöber in den „Salzburger Nachrichten“. Die Entscheidung über den terrestrischen Empfang (DVB-T) werde im Herbst fallen. Bis dahin sollte auch die noch immer offene Frage über die Werbung geklärt sein. Muss doch der Sender spätestens bis Ende 2011 starten, da dies eine Bedingung für die heurige 50-Millionen-Spritze an den ORF ist.

9. Strukturreform: Besonders in der Bürokratie des Hauses, in Organisations- und Personalfragen seien weitreichende Umstrukturierungen notwendig. Seit Längerem schon stellt sich am Küniglberg beispielsweise die Frage, ob die Buchhaltung endlich ausgelagert wird. Mitte Mai hat ORF-Sprecher Martin Biedermann das Vorhaben bestätigt, Leistungen der Revision externen Experten zu übertragen. Zuständig für die Konzepterstellung ist Karl-Heinz Moser, seit Langem in der ORF-Prüfungskommission und – wie der „Standard“ berichtet – Ex-Aufsichtsratschef der Hypo Alpe Adria. Die Dienststelle bleibe jedoch erhalten, bestätigte Biedermann gegenüber dem „Standard“.

10. Gebührenerhöhung? Im Jahre 2012 wird das nächste Mal die Höhe der ORF-Gebühren überprüft. Dabei wird zum ersten Mal nicht mehr allein der ORF darüber bestimmen, wie viel an Gebühren eingehoben werden wird. Die EU wird gleichfalls mitzureden haben.

Int
eressant auch die Entwicklung der gemeldeten Rundfunkteilnehmer in Österreich von Dezember 2000 bis Dezember 2009. Demnach stiegen die Anmeldungen von 2.870.000 zur Jahrhundertwende auf 3.445.000 zur Jahreswende neun Jahre später. Das ist ein Plus von insgesamt 575.000 Zahlern. In der gleichen Zeit sank die Zahl der Schwarzseher in Privathaushalten von 16 auf 2,5 Prozent. Quelle ist die GIS, jene Gebühren Info Service GmbH, die seit 1998 mit dem Rundfunkgebührenmanagement beauftragt ist.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 42 bis 43 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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