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ARCHIV » 2011 » Ausgabe 06+07/2011 »

Special

Ein Diener seines Herren

Von Barbara Haas

Peter Kirchweger ist nicht nur Pressesprecher von Erwin Pröll. Er ist auch sein engster Vertrauter und vehementester Verteidiger – und er hat als ehemaliger Journalist „Respekt vor der journalistischen Arbeit“, wie er sagt. Das sehen nicht alle so.

Er hat ein Timbre in seiner Stimme, das verschwörerisch wirkt. Als wäre man plötzlich Teil eines Geheimnisses. So spricht Peter Kirchweger (52), wenn ihm eine Geschichte über seinen Chef Erwin Pröll wichtig ist. Oder wenn er gezielt eine Information platziert – Motto: nie zu viele Details, aber immer klar in der Richtung. Kirchweger, der seit 1992 kaum einen Tag von Prölls Seite gewichen ist, weiß, was eine gute Geschichte ist und dass die markigen Ansagen seines Chefs gute Schlagzeilen, oft auch Titelseiten sind. Dass er persönlich „die journalistische Arbeit sehr schätzt“, wie er betont, hat damit zu tun, dass er aus dem Journalismus kommt. Er begann beim „Linzer Volksblatt“, wechselte dann zu den „Salzburger Nachrichten“ der Linz-Redaktion und 1983 schließlich zur APA in Wien, ehe er nach St. Pölten gerufen wurde. Doch das ist lange her und jetzt regiert sein Chef mit einer 54,4-Prozent-ÖVP-Absoluten und lebt eine Nähe zur Bundespolitik in Wien, die oft einer Umzingelung gleicht. Also ist es für Kirchweger nicht immer ganz so einfach, die Arbeit von Journalisten auch dann noch zu schätzen, wenn diese die blau-gelbe Regentschaft nicht dauernd beglückwünschen, sondern auch kritisieren. Dann wechselt das Timbre seiner Stimme auch schon mal ins Bedrohliche. Je nach Härtegrad geht die Entrüstung von einem frühmorgendlichen Anruf direkt beim Journalisten bis hin zu Interventionen bei Chefredaktion oder Geschäftsführung. Und je nach Journalist oder Chefredaktion hat dies echte Konsequenzen oder eben nicht ganz so echte. In jedem Fall aber merkt man sich als Journalist diese Telefonate. In der Rückschau nach fünf Jahren „Österreich“ kann ich mich vor allem an die ersten Anrufe erinnern, da ich sowohl Lautstärke als auch Vehemenz in der Sache von einem Pressesprecher so nicht kannte. Heute meint Kirchweger darauf angesprochen jovial lächelnd: „Erstens sind Sie immer am längeren Ast, weil die Geschichte ja schon erschienen ist, wenn ich darauf reagiere. Und reagieren ist Teil meines Jobs. Aber schauen Sie, jetzt kennen wir uns schon fünf Jahre und ich verstehe Sie und Ihre Sprache besser und Sie mich und das Land Niederösterreich halt hoffentlich auch.“ Stimmt vielleicht – schwer zu sagen. Interessant jedenfalls, dass es bei Kirchweger immer gleich um das ganze Land Niederösterreich geht, das man entweder liebt oder kritisiert. Innenpolitik-Ressortleiter Michael Völker vom „Standard“ hat diese Sichtweise sogar mit Leserbriefen untermauert bekommen – die letzte Tirade Kirchwegers wurde von einem Kommentar Völkers zur Bildungspolitik ausgelöst. „Der Erwin und seine Machthaberer“ titelte Völker und meinte, dass sich der Gestaltungswille in der Schulpolitik weniger auf das Wohlergehen der Schüler, sondern mehr auf den Machtausbau fokussiere. Besonders bissig analysierte er Pröll und dessen „Vision eines Zwergenstaates, in dem in jedem Klassenzimmer ein Haarkranz als Insignie seines Machtanspruches hängt …“ Ähnlich differenziert dann Kirchwegers Antwort: „Gerüchte, Vorurteile und persönliche Hetzgelüste ohne jede journalistische Sorgfalt, das sind Standards im rosa, Standard‘, wo auf hohem Qualitätsross geritten wird. Redaktionelle Pferdeäpfel werden nach Niederösterreich geworfen, treffen aber die Absender selbst.“ Und weiter: „Der, Standard‘ möge weiter gedruckt werden, sein Verwendungszweck bleibt dem Leser überlassen.“ Heute sagt er dazu: „Meine erste Bürgerpflicht ist nicht die Ruhe, sondern hier muss ich etwas sagen. Und außerdem: Das hatte mit seriöser Berichterstattung nichts zu tun und, ja, da kann ich dann auch einmal polemisch sein.“ Michael Völker hingegen ist heute noch verstört von Kirchwegers Brief: „Ich hielt Peter Kirchweger für einen entgegenkommenden Menschen und für einen ausgemachten Profi in der Pressearbeit, bis er den, Standard‘ mit den Verdauungsproblemen in St. Pölten konfrontierte. In Reaktion auf den Kommentar deutete Kirchweger an, sich mit dem, Standard‘ den Hintern auszuwischen und dass dies auch anderen Lesern überlassen bleibe. Auch andere Fäkal-Vergleiche (mit, Pferdeäpfeln‘) wurden in diesem Leserbrief gezogen. Was Pressearbeit betrifft, erschien mir das für einen engen Mitarbeiter des Landeshauptmannes ein doch recht ungewöhnlicher Zugang. Dass Pressesprecher von österreichischen Politikern in der Regel mit Kritik nicht gut umgehen können, ist an und für sich nicht neu, diese heftige Reaktion hat mich aber doch überrascht. Offenbar liegt das auch an diesem besonderen politischen Mikro-Klima in Niederösterreich.“ Das Mikro-Klima, wenn man so will, herrscht aber nicht in ganz Niederösterreich, sondern vor allem am Landhausplatz in St. Pölten. Im Haus 1a im sechsten Stock sitzt Erwin Pröll, um ihn herum ein eigentlich überschaubares Team an Vertrauten und Mitarbeitern, die vor allem eines sind: loyal. Und die im Gegenzug eines immer erwarten dürfen: Rückendeckung. Für Peter Kirchweger, Leiter der Kommunikationsabteilung, war und ist diese Sicherheit und das Vertrauen seit Jahren ein Motor in seiner Arbeit – den Anfang seiner jetzt schon jahrzehntelangen Freundschaft beschreibt er so. „Als Erwin Pröll Landeshauptmann wurde, hat er mich zu sich gerufen und gemeint:, Du machst das.‘ Das Vertrauen hat mich gefreut, und ich habe damals schätzen gelernt, was es heißt, letztverantwortlich zu sein und zu wissen, dass man nie eine Ausrede hat: das waren die anderen.“ Kirchweger bewundert seinen Landeshauptmann über alles, er schätzt ihn für seine Klarheit, seine Stärke und steht dafür auch wie ein Soldat hinter ihm. „Ständige Verfügbarkeit nicht nur meinem Chef gegenüber, sondern auch für Journalisten, das lebe ich. Es gibt bei uns keinen Sonntag und keine Tageszeit, wo wir nicht erreichbar sind und versuchen, unseren Job zu machen.“ Das stimmt auch, man kann Peter Kirchweger tatsächlich immer erreichen und so akkurat, wie er seinen Job macht, wird er von vielen Journalisten auch sehr geschätzt. Richard Grasl, kaufmännischer Direktor des ORF und früher Chefredakteur des ORF-Niederösterreich: „Peter Kirchweger ist in seinem Fach ein Top-Profi. Dass es aufgrund des unterschiedlichen Standorts und daher unterschiedlichen Standpunkts auch zu harten Auseinandersetzungen kommen kann, liegt in der Natur der Sache. So gesehen ist er ja seinem Chef nicht unähnlich. Der Vorteil ist, dass man stets weiß, woran man ist – ein Ja bleibt ein Ja, ein Nein ein Nein.“ Ein großes Kompliment eigentlich, denn auch wenn es Kirchweger selbst nie so sagen würde, die Ähnlichkeit der beiden Charaktere ist auch der Boden für ihre lange Zusammenarbeit und Verbundenheit. Erwin Pröll selbst sagt über Kirchweger: „Er ist mein Freund und schärfster Kritiker“, Kirchweger über Pröll: „Seine Begabung besteht auch darin, Leute und Mitarbeiter um sich zu scharen, die völlig intrigenfrei sind.“ Prölls Wort ist für ihn wie ein „Sicherheitsgurt, der immer hält“, und in dieser Sicherheit hat er selbst auch das Vertrauen für „klare Worte, wenn es notwendig ist“, so Kirchweger. So geschehen auch in einem Brief gegen ORF-Anchorman Armin Wolf, dem er unterstellte, dass „Bildschirmpräsenz offenbar manchmal sehr nahe an Präpotenz liegt“. Grund für diesen Brief im Dezember 2008 war ein Gastkommentar Armin Wolfs, wo dieser vor den Rettern des ORF warnte, unter anderem auch vor Erwin Pröll, der quasi gemeinsam mit Kanzler Werner Faymann eine Neuaufstellung des ORF forderte. Wolf pochte in dem Kommentar auf die Unabhängigkeit und meinte salopp: „Die meisten Sorgen muss man sich um den ORF immer dann machen, wenn sich Politiker um den ORF Sorgen machen.“ Insgesamt meinte Wolf, diese gemeinsame Sorge von Faymann und Pröll sei an der Grenze zum „politischen St
alking“. Kirchweger, damals Stiftungsrat im ORF, schoss scharf retour, attestierte dem „ZIB 2“-Star eine schwächelnde Quote und fehlende Selbstreflexion – stattdessen „muss es ein ablenkender Fußtritt gegen die Politik sein“. Und das findet er auch heute noch richtig: „Politisches Stalking ist ja fast ein strafrechtlich relevanter Vorwurf – ich würde meinen Job nicht gut machen, hätte ich darauf nicht reagiert.“ Ob er tatsächlich nur seinen Job macht und nicht doch auch Politik? Er sagt Nein. „Ich bin einer für die zweite Reihe, denn man muss auch ehrlich erkennen, wenn man etwas nicht kann. Und Politik machen, das könnte ich nicht.“ Bei den Landtagswahlen 2008 stand Peter Kirchweger aber selbst auf Platz 25 der ÖVP-Kandidatenliste. Sein Beruf: Journalist.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Special“ auf Seite 102 bis 105 Autor/en: Barbara Haas. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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