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ARCHIV » 2011 » Ausgabe 06+07/2011 »

Medien

Ein Jahr Christoph Dichand

Von Engelbert Washietl

Zu Hans Dichands Vermächtnis gehören auch Kampf und Streit.

Ein Jahr nach dem Tod des einflussreichen Zeitungsgründers Hans Dichand (17. Juni 2010) kann sein Sohn Christoph aufatmend feststellen, dass die „Kronen Zeitung“ bisher ohne Rückschlag in der neuen Ära Fuß fasst. Die Zeitung ist noch immer, was sie ist – mit all ihren Stärken und Schwächen. Die Auflage hat sich marginal verändert, im zweiten Halbjahr 2010 sind sogar 7.000 Abonnenten dazugekommen. Lediglich der über die Jahre chronische Reichweitenschwund macht Kummer. Die Redaktion hält wie gewohnt Kurs und hat, was dem Ansehen der Zeitung keineswegs schadet, die aggressivsten Formen ihrer Kampagnen etwas abgemildert, freilich ohne Gewähr, dass es so bleibt. Ihrem Chefredakteur Christoph Dichand bestätigen die Mitarbeiter ziemlich einhellig eine gute Performance. Das interne Chaos, das manche befürchtet hatten, ist nicht ausgebrochen.

Das große Sorgenpaket lastet auf einer anderen Ebene, nämlich der der Eigentümerstruktur. Die Strategie Hans Dichands bestand darin, die zur Hälfte dem deutschen Miteigentümer WAZ gehörende Massenzeitung wenigstens dem Anspruch nach für sich und seine Familie zu reklamieren und durch Personalbesetzungen zu festigen. Dem zuletzt 89-Jährigen war ein langes Leben beschieden, und sollten die deutschen Unternehmenspartner oder auch Dichand-Sohn Christoph die Hoffnung gehabt haben, dass der in unerträgliche Länge gezogene Streit um Hauptgeschäftsführer-Kompetenzen, Chefredakteursnominierungen, Bilanzrechnungen und die Politik innerhalb der „Mediaprint“ mit Dichands Tod ein natürliches Ende finden würde, so hatten sie sich getäuscht.

Klar sind die Dinge maximal faktisch, aber nicht juristisch. Die Schiedsgerichtssitzungen in der Schweiz haben schon zu Hans Dichands Zeiten die Grauzonen nicht aufhellen können. Der Name Christoph Dichand ist unmittelbar nach seines Vaters Tod als „Herausgeber“ in der „Krone“ gestanden, ohne dass es dafür eine Mitentscheidung des 50-Prozent-Eigentümers WAZ gegeben hätte. In Österreich wird niemand etwas dagegen haben, dass Christoph Dichand die „Krone“ herausgibt. Gesellschaftsrechtlich sieht die WAZ das aber völlig anders. Ihr Geschäftsführer Christian Nienhaus bestätigte das in einem APA-Interview deutlicher als je zuvor und setzte hinzu: „Christoph Dichand hat eben noch nicht begriffen, dass er nicht der Alleineigentümer der Zeitung ist.“

Im Bemühen, das Vermächtnis seines Vaters zu sichern, schafft sich Christoph Dichand mehr Gegner als Helfer. Seine Widersacher deponieren ihre Standpunkte in aller Öffentlichkeit, während Dichand kein Wort verliert, also akustisch überstimmt wird. In dem komplexen Geflecht zwischen „Krone“, WAZ und „Mediaprint“ könnte der junge Dichand selbst im Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad einen erfahrenen und potenten Kumpel finden, wenn es um realistische Neuordnung oder sogar um Geldmittel ginge. Stattdessen rennt die „Krone“ durch ihre führenden Kolumnisten gegen den „Kurier“ und dessen Chefredakteur in einem Ton an, als gelte es, einen Russlandfeldzug gegen die im Mehrheitseigentum von Raiffeisen stehende Zeitung vorzubereiten. Christoph Dichand hat den Guerillakrieg geerbt, in den sein Vater seit etwa 2000 auf offener Bühne verwickelt war. Stellt man sich vor, wie viel Energie schon verbraucht worden ist, so erscheint überhaupt nur eine Lösung sinnvoll: dass die Dichand-Familie den 50-Prozent-Anteil um gutes Geld von der WAZ zurückkauft und sich fortan mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Dann könnte auch transparent werden, in welchem Verhältnis die Gratiszeitung „Heute“ zur „Krone“ steht – außer in einem familiären. Existenz und Höhenflug von „Heute“ sind aus der Sicht der WAZ kaum mit deren Geschäftsinteressen kompatibel. Da zu Kauf und Verkauf aber immer zwei gehören, die wollen und sich über den Preis einigen müssen, bleibt auch die Kaufperspektive weiterhin durch Gefechtswolken verhängt.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Medien“ auf Seite 58 bis 59 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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