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ARCHIV » 2011 » Ausgabe 06+07/2011 »

Praxis

Erfolgreiche Medientransfers

Von Sophia-Therese Fielhauer-Resei

Drei ehemalige Profifußballer übten sich nicht bloß im Seitenwechsel, sie schafften den erfolgreichen Transfer in die Medienlandschaft.

Mit seinem fünffach operierten Knie darf „ATV Life“-Moderator Volker Piesczek, 42, nie wieder Fußball spielen, doch er spielt „leidenschaftlich“ Golf. „Golf ist ein toller Gradmesser fürs Wohlbefinden und der einzige Sport, den ich mit dem Knie eines 70-Jährigen betreiben kann.“ Mit sechs Jahren begann der gebürtige Klosterneuburger Fußball in Tulln zu spielen, mit 16 Jahren wechselte Piesczek zur Kampfmannschaft in die Regionalliga, machte nach der Handelsschule eine Ausbildung zum Bankkaufmann, absolvierte die Studienberechtigungsprüfung und studierte parallel zum Fußball Publizistik und Politikwissenschaften. Dem SV Stockerau folgten 28 Einsätze beim Wiener Sportclub in der Bundesliga, Verletzungen, spielen unter Schmerzmitteln, Kolumnen in der „NÖN“ und dem „Wirtschaftsblatt“ und die Stationen VSE St. Pölten und Vfb Mödling. „Der Kreuzbandriss bei Mödling war ein Schock für mich, denn ich hätte zu Admira in die Bundesliga wechseln können. Ich war nie herausragend, kein Feinmechaniker, aber ein wertvoller Spieler.“ Knapp nach dem Sportunfall holte ihn Sat.1 Österreich zum Fernsehen, nur sechs Wochen später bekam der Ex-Fußballprofi ein Angebot von LASK. „Trainer Friedel Rausch wollte mich als Spieler. Ich war 26 Jahre alt, habe kurz überlegt, beim LASK zu spielen und parallel dazu bei Sat.1 zu arbeiten.“ Programmdirektor Michael Lion entschied dagegen. „Ich habe zwar auf viel Geld verzichtet, aber im Nachhinein bin ich sehr dankbar. Nach meinem Karriereende bin ich in kein Loch gefallen, der Adrenalin-Kick blieb durch die Live-Sendungen erhalten.“ Was nicht für jeden gilt, der so abrupt mit dem Fußball aufhören muss: „Es können ja nicht alle Trainer und Manager werden. Obwohl ich nicht einmal in der Nähe des Nationalteams war, habe ich dem Fußball alles zu verdanken.“ Die zweite Karriere hat Volker Piesczek über ORF, Pro7 Austria, Puls TV bis zu ATV geführt. „Der Fußball war ein Türöffner und ich bin noch heute mit vielen Kollegen aus dem Sport befreundet. Im Fußball habe ich sehr viel fürs Leben gelernt, etwa soziale Kompetenz.“ Hans Krankl war Piesczeks letzter Trainer beim VfB Mödling, er holte den TV-Moderator 2008 zur ORF-Fußballshow „Das Match“ ins Team. „Wenn es um Österreich geht, vergisst man die Schmerzen“, weiß Piesczek, der mit einem Meniskuseinriss erfolgreich gegen die Schweiz spielte. Mit seiner Ehefrau Eva Glawischnig, Parteichefin der Grünen, hat der Ex-Profifußballer zwei Söhne: Benjamin, fünf, und den zweijährigen Sebastian. „Zu Sportklub-Spielen gehe ich ohne Bedenken mit beiden Kindern. Dort herrscht eine enorm tolle Fankultur, wo gegnerische Mannschaften sogar mit Applaus verabschiedet werden. Für mich sind es extrem loyale, verständnisvolle und humane Fans.“ Der Moderator kann sich auch an ein schönes Erlebnis in Hütteldorf erinnern: Rapid spielte im Frühjahr 2000 gegen Salzburg. Auf der Westtribüne wurde dem damaligen Salzburg-Spieler Toni Polster via Transparent Respekt gezollt – Polster, einem ehemaligen Austrianer. Für Volker Piesczek ist England ein Vorbild: „Absolutes Stadionverbot für sogenannte Fans, friedliches Miteinander, Schmährufe auf anderem Niveau.“ Doch „Fußball kann man nicht ernst genug nehmen. Allein was Fußball in der Integration bewirkt, ist großartig.“ Beide Söhne sind sportlich, doch der Golfball interessiert weit mehr als der Fußball. „Wäre ich früher Vater geworden, dann hätten mich meine Söhne noch Fußball spielen gesehen, aber so haut Benny gerne mit dem Golfschläger drauf und hat Talent.“

Anfangs ein Eindringling

Mit sechs Jahren hat Hannes Winklbauer wie „jeder Bua“ seinen ersten Fußball getreten. Der ehemalige Nationalspieler und Trainer, 61, geboren in Kapfenberg, startete mit 14 Jahren beim Kapfenberger SV, spielte bei Schwarz-Weiß Bregenz, war Abwehrspieler und Mannschaftskapitän bei Austria Salzburg. In sieben Länderspielen war er Teil des Nationalteams, wirkte als Trainer bei FC Puch, Austria Salzburg und PSV Schwarz-Weiß Salzburg. Zur Europameisterschaft 1988 engagierte ihn Sport-Ressortchef Hans Adrowitzer von den „Salzburger Nachrichten“ für einen Fußballkommentar. Nach wenigen Monaten als freier Mitarbeiter wurde Winklbauer als Sportjournalist bei den „SN“ angestellt. „Anfangs war ich ein Eindringling, war dem Metier nicht mächtig, ich war auch einer der wenigen, die keine Matura hatten.“ Während seiner Zeit als Profifußballer war Winklbauer Werkstoffprüfer bei Böhler, Feinmechaniker und Krankenkontrolleur der Gebietskrankenkasse. „Ein undankbarer Job, aber ich habe keinen Kranken erwischt, der nicht zu Hause war.“ Den Journalismus hat der Fußballer aus „dem Stegreif“ gestartet. „Man sollte zu dem stehen, was man schreibt. Ich wusste alles über den Beruf Fußballer, kannte die Schwierigkeiten. Auch wenn ich sehr kritisch war, habe ich versucht, Verständnis für schlechte Leistungen zu haben.“ Weder Spieler noch Trainer – national oder international – beschwerten sich. Einzige Ausnahme: Ein paar deutsche Urlauber, die nach der EM 2000 nicht mehr nach Salzburg reisen wollten. „Ich habe das Können der deutschen Fußballer gerügt, aber eingesehen, dass meine Kritik überzogen war.“ Seine zwei Söhne spielten im Nachwuchs von Casino Bregenz, heute arbeiten sie als Arzt und Designer. Seit 1. August 2010 ist Hannes Winklbauer in Pension, genießt die Freizeit in steirischen Weinbergen, pendelt zwischen den Wohnsitzen Bregenz und Salzburg. Für das Länderspiel Österreich gegen Deutschland reiste er nach Wien: „Ich habe die Niederlage mit Wehmut hingenommen. Die Erwartungen sind hoch, obwohl wir sie nicht erfüllen können – das ist das österreichische Fußballschicksal. Auch wenn wir gut spielen, verlieren wir. Das kenne ich aus beiden Leben als Fußballer und Journalist.“ Fanatismus, wie er sich Ende Mai im Hanappi-Stadion entblößte, hat Winklbauer in seiner aktiven Zeit nicht erlebt. „Es war gemütlicher. Doch die Ausschreitungen sind kein Sport- sondern ein Gesellschaftsthema. Bei diesem Problem darf man nicht an der Oberfläche kratzen, man muss tiefer gehen.“

Spieler- und Journalistenkollege

Mit Werner Kriess hat Hannes Winklbauer Österreich zuletzt 1975 beim Länderspiel in Wales vertreten. Als Journalisten haben die beiden einander danach noch öfter bei Spielen getroffen, Erfahrungen ausgetauscht. Mit der Ermahnung eines Polizisten begann für Werner Kriess, gebürtiger Klagenfurter, 64, der Weg in den Profifußball. Die Klingel am Fahrrad funktionierte nicht, der Funktionär des Vereins Polizei Klagenfurt wusste, wie sich der 14-Jährige die Strafe ersparen konnte: „Kannst du kicken?“

Von Vienna wechselte der Verteidiger 1968 zum FC Wacker Innsbruck, wurde Stammspieler, trug die Kapitänsschleife. Parallel zum Fußball studierte Kriess einige Semester Jus, arbeitete bei einer Versicherung und verkaufte Sportartikel im Kaufhaus Tirol. „Ich bin nach Wien gegangen, um zu studieren, und wollte nie Fußballprofi werden – das hat sich einfach ergeben.“ Das Länderspiel in Wales bescherte Werner Kriess einen Unterschenkelbruch, seine Zeit als Aktiver beendete der Profi bei IG Bregenz/Dornbirn, war dort und beim SK Vöest Linz auch Trainer. Freier Journalist statt Fußballcoach: „Wolfgang Winheim rief mich an und fragte, ob ich für den ‚Tiroler Kurier‘ eine Kolumne schreiben will.“ Nach zwei Jahren wurde der Ex-Profifußballer zum fixen freien Lokalredakteur, schrieb nebenbei seine Sport-Kolumne. „Ich war sehr kritisch als Kolumnist, aber die Sportler haben meine Kompetenz schwer infrage stellen können. Die Fans haben sich gefreut, weil ich das Bild der Fußballer zurechtgerückt
habe, und man hat gesehen, dass Fußballer qualifizierte Berufe ausüben können.“ Die Arbeit beim „Tiroler Kurier“ war ein Vollzeitjob, nur Anstellung bekam Kriess keine und wurde 1992 von der „Tiroler Tageszeitung“ abgeworben. Bloß ein kurzes Gastspiel, denn nach nur vier Monaten holte ihn Walther Prüller als stellvertretenden Chefredakteur zur „Krone“, die damals gerade ihre Redaktion in Tirol aufbaute. „Sport ist wahrscheinlich der härteste Beruf, man muss sich tagtäglich gegen Freunde und Kollegen durchsetzen, einen Platz erkämpfen. Ich war sehr erfolgreich, aber nicht das Riesentalent. Ich habe im Sport viel durch Fleiß und taktisches Talent erreicht – das hat mir im Journalismus sehr geholfen. Ich habe beide Berufe mit vollem Einsatz und Begeisterung gemacht.“ Sohn Michael Kriess trat in die Fußstapfen des Vaters, war Fußballer, Journalist und ist heute u. a. Regisseur. Mit „Österreich zeigt Rückgrat – Initiative für eine österreichfreie Euro 2008“ schuf sich Michael Kriess Feinde unter den Fußballfans – vollstes Verständnis hatte der Vater: „Eine tief greifende Diskussion hätte dem österreichischen Fußball nicht geschadet.“ Passiert ist nichts. „Es gibt ein paar tüchtige Funktionäre, die anderen sind ahnungslos. In der deutschen Bundesliga haben ehemalige Fußballer das Sagen, die kennen sich aus und wissen, wie Fußballer ticken. Bei uns ist es der Wurstsemmelverkäufer, der ein paar Millionen Wurstsemmeln verkauft hat und von nichts eine Ahnung hat.“ Kriess ist überzeugt, dass es „Zigtausende tolle Fans gibt, aber gegen die Hooligans muss man scharf vorgehen. Fußball ist kein Krieg und keine Schlacht, ein Gegner ist kein Feind, sondern ein Gegenspieler für 90 Minuten. Die derzeitige Weinerei geht mir so auf die Nerven. Wenn die 300 Wahnsinnigen als Zuschauer wegfallen, werden dafür Familien und Frauen ins Stadion kommen. Bei einem Spiel will ich meine Ruhe haben und keine Angst.“ Nächstes Jahr geht der stellvertretende Chefredakteur der „Tiroler Krone“ in Pension. „Ich habe zwei Traumberufe ausgeübt und kann jedem empfehlen, Journalist zu werden. Du bist ständig mit anderen Leuten zusammen, das war schon beim Fußball so: vom Einbrecher bis zum Zuhälter und Bundespräsidenten schüttelst du allen die Hände.“ Mit 50 Jahren hat Werner Kriess einen anderen Ballsport für sich entdeckt: „Ich dachte, Golf ist ein Altherrensport. Dabei ist es die ideale Ergänzung zum Beruf.“

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 130 bis 133 Autor/en: Sophia-Therese Fielhauer-Resei. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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