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Ida, das Chefredakteursbaby - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2011 » Ausgabe 06+07/2011 »

Special

Ida, das Chefredakteursbaby

Von Barbara Haas

Christiane Teschl-Hofmeister (36) hat den für eine Journalistin vielleicht positivsten Super-GAU des Jahres erlebt. Erst wurde sie Chefredakteurin des ORF-Niederösterreich. Und gleich darauf schwanger …

Derzeit lernt Ida Italienisch. Denn sie, ihr Papa Johannes (40) und Mama Christiane Teschl-Hofmeister sind gerade fünf Wochen in Italien unterwegs und „spielen in Italien leben“, so Teschl (36) verträumt. Ida hat aber schon lang vor ihrer Geburt viel gesehen und gehört. Am 21. Oktober 2010 etwa, als Jürgen Melzer zum niederösterreichischen Sportler des Jahres 2010 gekürt wurde. Da lernte Ida, geschützt in einem Bauch, etwas über Sport, lange Abende, heiße Hallen und Mamas Stimme übers Mikro. Die ORF-Chefredakteurin war damals schon fast im achten Monat schwanger und moderierte das über viele Stunden gehende Großevent in der „Sport Lounge“ Laxenburg, interviewte launig die gesamte niederösterreichische Prominenz, lobte die sportlichen Leistungen der Preisträger und ging eine Woche später in Mutterschutz – genau zur gesetzlichen Acht-Wochen-Frist. Die umtriebige Journalistin, die nicht nur ein ganzes Landesstudio geschupft, sondern eben auch Dutzende Abend-Moderationen in ihrer Schwangerschaft abgespult hat, resümiert: „Am Schluss war es dann doch schon sehr anstrengend, einen ganzen Abend auf der Bühne zu stehen – wegen dem vielen Gewicht.“ Jedoch war das nicht das einzig Anstrengende in diesem Jahr, denn immerhin hat die quirlige Wahl-Niederösterreicherin 2010 parallel auch den größten Karrieresprung ihres Lebens gemacht. Am 15. Jänner 2010 stieg sie als Chefredakteurin des Landesstudios Niederösterreich in den Olymp für Journalisten in St. Pölten und beerbte damit Richard Grasl, der als kaufmännischer Direktor auf den Küniglberg geholt wurde. Damals, bei der großen Verabschiedungsfeier im Landesstudio in St. Pölten, moderierte sie selbst noch den Abgang von Grasl, hielt ihren langjährigen Kollegen und Freund mit verschiedenen Video-Einspielungen und liebevoll-ätzenden Kommentaren am Schmäh, freute sich klarerweise über ihren eigenen Schritt in die ganz obere Führungsetage – und wünschte Grasls Frau Kerstin, die damals hochschwanger im Publikum stand, alles Gute. Wie man das eben aus Höflichkeit so macht. Kaum drei Monate später war sie selbst schwanger und der junge Ferdinand-Xaver Grasl übrigens gerade auf der Welt.

Im März hatte Teschl noch die NÖ-Gemeinderatswahlen mit einem nie da gewesenen Aufgebot an ORF-Live-Schaltungen und Debatten über die Bühne gebracht und sich selbst damit einen ersten Marker gesetzt, da musste sie sich also recht plötzlich mit einem etwas weiter reichenden Großevent anfreunden: Schwangerschaft und Kind. „Ich war überrascht, weil es nicht geplant war, aber ich hab mich echt nur gefreut und keine Sekunde daran gedacht, ob das mit dem Job etwas zu tun haben könnte“, so die Vollblutjournalistin am Telefon (derzeit übrigens gerade auf Sardinien, Ida brabbelt im Hintergrund). Dass sich das herzige Klischee von Job und Baby als Chefredakteurin einfach so realisieren ließe, daran glaubte sie aber auch nicht recht. Der Plan: „Ich komme zurück in absehbarer Zeit und bis dahin werden wir das gemeinsam checken.“ Gemeinsam, das hieß und heißt, die Zusammenarbeit mit ihrem Stellvertreter, Werner Fetz. „Wir haben früh begonnen, Dinge gemeinsam zu entscheiden und uns so auf die Situation gut vorzubereiten. Zudem bin ich auf viel Verständnis gestoßen, vor allem seitens von Norbert Gollinger, Direktor des ORF-NÖ“, erinnert sich die gebürtige Steirerin an die familienfreundliche Personalpolitik in Niederösterreich. Aber ins operative Geschäft mischt sie sich nicht ein, „ich schaue ein bisschen in der APA mit, aber ich würde mich auch schön bedanken, wenn mir jemand ins Geschäft pfuschen würde, das tu ich natürlich nicht“, kann sie trotz haufenweise Mutter-Beschützer-Hormonen die aktuelle Lage journalistisch noch immer recht gut einschätzen. Für das Entgegenkommen des ORF wollte sie ihrer Mannschaft aber zumindest eine gute Geschichte liefern und ein waschechtes Neujahrsbaby zur Welt bringen, da der Geburtstermin am 30. Dezember war und sich diese Story hätte ausgehen können – aber Ida hatte schon andere Pläne und kam am 5. Jänner 2011 zur Welt. Die Mama weiß es noch genau: „Es wurde ein Kaiserschnitt, aber mir war immer egal, wo das Kind herauskommt, Hauptsache, es ist gesund.“ Und zu den genauen Geburtsdaten: „Also es waren 3.210 Gramm und – schlag mich tot, irgendwas zwischen 51 und 53 Zentimeter.“ Ist ja auch nicht so wichtig. Werner Fetz, der also bis September 2011, wenn Teschl wieder mit drei Tagen in den Job einsteigt, die Manageraufgabe übernimmt, vermisst – leicht vorstellbar – vor allem eines: ihren Humor. „Ja, da geht sie mir schon ab, weil wir zwei kennen uns auch schon lange, sie kommt ja aus der Mannschaft und ich war schon zu Beginn einer ihrer drei Stellvertreter, insofern haben wir viele Jahre gemeinsam verbracht. Aber sie ist halt im Moment in lustigen Momenten nicht da und daher freuen wir uns wieder auf sie“, so Fetz, der es aber dennoch sehr spannend findet, „einmal in der Managerposition sein zu dürfen.“ Im September ist damit vorerst Schluss, dann hat Ida zeitweise Sendepause von der Mama und der Papa übernimmt: „Mein Mann geht in Karenz, so regeln wir das. Wie er das macht, ist seine Sache, er passt dann auf und ist zuständig.“ Ganz so resch, wie sie manchmal klingt, ist sie aber nicht, im Gegenteil. „Am meisten Bammel habe ich vor dem Gefühl, wenn ich das erste Mal ins Auto steige und sie verlassen, von ihr wegfahren muss. Das wird hart, weil ein bisschen Glucke bin ich ja schon, muss ich zugeben.“ Ganz auf coole Glucke zeigt sie aber auch im Baby-Alltag Flexibilität und wickelt Ida schon mal ganz lässig auf der nächstbesten Motorhaube oder denkt über ihre Italien-Reise: „Ida ist es doch egal, wo sie herumkugelt. Hauptsache, wir sind dabei.“ Babythemen wird es aber auch weiterhin im ORF-Niederösterreich nur wenig geben, „das ist dann doch nicht unser Zielpublikum, wie haben eher die Großeltern, denk ich“. Um den Nachwuchs kümmert sie sich trotzdem medial, denn der „Niederösterreichische Journalistenpreis“ ist ihr anderes, ihr journalistisches Baby. Von einflussreichen Unterstützern, wie Novomatic, Raiffeisen, der EVN, den Österreichischen Lotterien oder dem Flughafen Wien gefördert und möglich gemacht, hat er inhaltlich viel mit Teschls Initiative und ihrem Interesse für junge Journalisten und Journalistinnen zu tun. Die großzügigen Förderer sorgen dafür, dass er auch ordentlich dotiert ist, der 1. Platz bringt immerhin 8.000 Euro. Am 27. Juni wird er zum dritten Mal verliehen, das Thema diesmal: „Fukushima und Energieanstöße für Niederösterreich“. Christiane Teschl wird auch dabei sein, nicht moderierend, wohl aber tonangebend. Und Ida, sollte sie mitkommen, wird sich vielleicht an eine Zeit aus dem Anfang ihres Lebens erinnern. Als sie die Stimme ihrer Mama zum ersten Mal über ein Mikro hörte.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Special“ auf Seite 106 bis 107 Autor/en: Barbara Haas. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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