Warning: Use of undefined constant cms_navigation_js - assumed 'cms_navigation_js' (this will throw an Error in a future version of PHP) in /var/www/journalist.at/www/htdocs/wp-content/plugins/cms-navigation/CMS-Navigation.php on line 361
Kulturpolitik statt Kulturkritik - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2011 » Ausgabe 06+07/2011 »

Rubriken

Kulturpolitik statt Kulturkritik

Von Ioan Holender

Ioan Holender ortet Seilschaften und „deklarierte Sympathien“ unter den Kulturjournalisten. Und es sei von einer „ethisch zwingbaren Äquidistanz zu allen längst keine Rede mehr“.

Ich bin sehr froh darüber, dass dieses Magazin mich gebeten hat, darüber zu schreiben, wie ich über die Gilde der österreichischen Kritiker beziehungsweise Kulturjournalisten denke.

Tatsache ist, dass kein Journalist, in welcher Sparte auch immer dieser oder diese tätig sei, so viel, einen so bedeutenden und auf die Tätigkeit des Kritisierten derart unmittelbaren Einfluss ausübt wie auf dem Gebiet der Kultur. Jedwede politische Kritik, sei diese auch noch so gerechtfertigt und objektiv, wird von der kritisierten Seite locker als falsch und unzutreffend abgetan mit der Begründung, sie käme von einem anderen politischen Lager: Kritisiert ein Blatt heute den ORF beziehungsweise dessen Leiter Alexander Wrabetz, wird nicht die meistens begründete Kritik analysiert, sondern die Beanstandung damit abgetan, dass der Verfasser gegen die SPÖ ist, denn Wrabetz ist deren Mann! Und weil Zeitungen ja einer allgemeinen eigenen Blattlinie zu folgen haben, ist dies meistens auch tatsächlich zuzuordnen. Bei uns in Österreich kommt dazu noch das korrupte Argument der Schonung der Hand, die einen füttert, wodurch eine weitere Verwässerung von Objektivität und Unbeeinflussbarkeit gegeben ist. Das bedeutet, wer mit teuren Inserateneinschaltungen das Blatt unterstützt, wird geschont und, wenn überhaupt, dann nur sanft kritisiert.

Anders bei den Kulturkritikern, seien diese für Musik, Theater, Film oder Bildende Kunst zuständig. Sie gelten allgemein als nicht politisch zuzuordnen und beeinflussen durch ihr Schreiben gleichsam Ausübende, Publikum und jene politisch Verantwortlichen, die darüber entscheiden, mit wem führende kulturpolitische Stellungen zu besetzen oder umzubesetzen sind.

Somit ist zusammengesehen die Macht eines Kulturkritikers in Österreich, sogar wenn dieser nur in einer regionalen Zeitung schreibt, groß und was er schreibt, gelegentlich folgenschwer.

Dazu kommt, dass manche der schreibenden Kulturkritiker durch puren Zufall in dieser Branche tätig sind, keinerlei fachliche Qualifikation besitzen, ja oft nicht einmal eine Ahnung davon haben, was sie kritisieren. Musikkritiker kennen oft keine Noten, Theaterkritiker kennen die originale Vorlage dessen, worüber sie zu schreiben haben, nicht, sie verfügen kaum über eigene Erfahrung und meistens auch nicht über die notwendige Bildung. Aber sie schreiben, weil man nur schwer überhaupt jemanden dafür findet, da die Tätigkeit schlecht bezahlt und darüber hinaus auch frustrierend ist. Nahezu nie hat man genügend Platz, um sich ernsthaft zu äußern, und oft wird man nachträglich gekürzt, wodurch das Geschriebene eine vom Verfasser ungewollte Gewichtung erfährt.

Was aber wirklich schlimm ist bei den österreichischen Kunstkritikern, insbesondere bei den Musikkritikern, sind deren Seilschaften und deklarierten Sympathien für den und jenen. Ein Kritiker, bei dessen Schreiben der Leser schon im Vorhinein weiß, was dieser über einen Ausübenden schreiben wird, bevor noch die Darbietung stattgefunden hat, verliert jede Glaubwürdigkeit. In Österreich ist bekannt, dass der Musikkritiker A. über den Ausführenden B. immer nur Gutes, jedoch über C., unabhängig von dessen Leistung und mit einer vorgefassten Meinung, immer nur Negatives zu Papier bringen wird. Genauso sind die Seiten bei den Leitern von Opernhäusern oder Theatern in Für und Gegen geteilt, auf der Grundlage von Sympathien, Nähe oder dadurch, dass sie wichtige Insiderinfos im Vorhinein erhalten und dadurch einen Vorsprung von Nachrichten gegenüber anderen Medien haben. Die Tatsache, dass ein Blatt etwas als Erster meldet, ist oft wichtiger als die Wahrhaftigkeit der Meldung an sich. Von einer ethisch zwingbaren Äquidistanz zu allen ist längst keine Rede mehr. Sowohl Publikum als auch Ausführende wissen allgemein von den Neigungen dieser Journalisten und nehmen diese auch entsprechend nicht ernst.

Darüber hinaus machen einige auch Kreuzzüge im Vorhinein. Sie betreiben also Kulturpolitik anstatt Kulturkritik. Da jedoch die Kulturpolitiker meistens uninformiert und meinungslos sind, haben sie leider auch Einfluss auf diese und gelten oft für sie als Entscheidungsbasis.

Dieser traurige Stand charakterisiert, bis auf wenige Ausnahmen, die österreichische Kulturkritik-Heute mehr denn je.

Leider!

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 22 bis 23 Autor/en: Ioan Holender. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

;