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Titel

„News“ reformiert und tut, als wäre nichts gewesen

Von Engelbert Washietl

Chefredakteur Peter Pelinka hält die Redaktion auf Kurs und das Interim nach dem verblüffenden Abgang des CEO Schönwandt eigentlich für sehr praktisch.

Sie sind seit März 2010 Chefredakteur von „News“ und warten nach Oliver Voigt und Matthias Schönwandt bereits auf den dritten Geschäftsführer der News-Verlagsgruppe. Das ist eine etwas starke Frequenz in der Managementetage. Herrscht Unruhe?

Peter Pelinka: Natürlich wundert man sich in der Redaktion über die Schnelligkeit beziehungsweise Frequenz des Wechsels in der Geschäftsführung. Das ist sicherlich eine Ausnahme und nicht die Regel.

Sie haben in „News“ nicht einmal über den Wechsel berichtet.

Nein. Wir haben ja auch unseren vorigen Geschäftsführer nicht eigens begrüßt. Da müssten ja alle 15 Magazine so etwas schreiben.

„News“ ist ja immerhin das Flaggschiff im Verlagshaus und der CEO-Wechsel war delikat.

Aber nicht so einschneidend. Man merkte ja auch im Redaktionsalltag kaum etwas davon. Jetzt allerdings schon, weil sich die Frage stellte, ob all die Dinge, die wir vorhaben und für die Kollege Schönwandt wesentliche Impulse gegeben hat, verändert werden müssen. Also der Relaunch des Heftes, die Bestellung einer neuen Agentur für eine neue Öffentlichkeitskampagne. Die Antwort lautet: Nein, es bleibt dabei. Das war in der Redaktion zu kommentieren.

Schönwandt hat in der kurzen Zeit von drei Monaten offenbar doch einiges in Bewegung gebracht?

Man muss die Personalwechsel auch unterscheiden. Bei Oliver Voigt ist einfach der Vertrag ausgelaufen und wurde nicht verlängert. Die Trennung von Schönwandt kam nach dreieinhalb Monaten völlig überraschend und hat alle getroffen, sowohl ihn als auch die Eigentümer und uns, als wir es erfahren haben.

Konnten Sie mit ihm gut kooperieren?

Ja, und auch bei Oliver Voigt würde ich dasselbe antworten. Gott sei Dank gibt es in dem Haus eine deutliche Trennung zwischen Redaktion und Geschäftsführung. Bei so großen Vorhaben wie einem Relaunch oder einem Agentur-Pitch ist es besonders wichtig, dass es zwischen beiden Seiten gut funktioniert. Es gab keine Notwendigkeit, dass sich jemand beklagen musste.

Wenn Sie auf Ihr Chefredakteursjahr zurückblicken, wie ist die Bilanz? Was ist gelungen, was ist nicht gelungen?

Ich bin als Betroffener natürlich parteiisch. Gelungen scheint mir schon die Vereinheitlichung des Qualitätsstandards zu sein, den wir uns in allen Bereichen vorgenommen haben. Das wird auch allseits anerkannt. Ich bin zu Recht stolz darauf, dass Reinhard Olt, Korrespondent der „FAZ“, einen Leserbrief über unseren Artikel über die „Piefkes“ geschickt hat mit dem Urteil: So einen guten Artikel hat er darüber noch nicht gelesen, und er ist 17 Jahre hier. Aber das heißt nicht, dass schon alles gelungen ist. Wir müssen weiter arbeiten. In der Redaktion läuft es besser und es gibt weniger Probleme, als ich mir gedacht habe. Der Veränderungsprozess wird mitgetragen, großteils wird mit Begeisterung gearbeitet. Was aber auch gesagt werden muss – deswegen schießt die Auflage keineswegs gleich in die Höhe. Dieses Problem haben derzeit alle Printprodukte durch Digitalkonkurrenz und Gratiszeitungen. Im obersten Segment, bei den „Entscheidern“, haben wir allerdings zugelegt, sodass wir auch in der Anzeigenwirtschaft verstärkte Akzeptanz spüren.

War der Fehler, den Schönwandt gemacht hat, der, dass er die Anzeigenwirtschaft zu plump begeistern wollte und deshalb Geschenke verteilte?

Ich kann Ihnen auch nicht 100-prozentig sagen, was genau geschah. Soweit ich es mitbekam, handelte es sich tatsächlich um eine Lappalie, also zumindest für uns in Österreich, während das mit deutschen Augen anders gesehen wird. Die Verhaltensrichtlinien, die sich Gruner + Jahr gegeben hat, ausgehend von den Vorgängen bei Siemens und ähnlichen Ereignissen, sind wahnsinnig hart formuliert. Für den News-Verlag in Österreich ist eine solche Vereinbarung erst in Verhandlung. Sie wird kommen. Sie wird Sachen betreffen, die in Österreich als Lappalie gelten und in fast allen Verlagen so gehandhabt werden.

Also beginnt der Balkan doch bei uns?

Man muss nicht päpstlicher sein als der Papst. Es war eine harte Maßnahme, aber der Auslandsvorstand von Gruner + Jahr, Torsten-Jörn Klein, hat uns mitgeteilt, dass ab einem bestimmten Punkt die internen Kontrollmechanismen des Verlages einsetzen, weil die Richtlinien für führende Manager halten müssen.

Bei Ihrem Start als Chefredakteur sagten Sie: „Es muss wieder notwendig sein, jede Woche in, News‘ zu blättern, egal was man davon hält.“ Blättern die Österreicher schon wieder?

Wir werden zumindest deutlich mehr zitiert. Also halten zumindest unsere Kollegen unsere Storys für richtig und wichtig und nicht, wie sich das eine Zeit lang entwickelt hatte, per se als unverlässlich, weil sie in „News“ stehen. In dem Punkt haben wir Seriosität zurückgewonnen und damit die Akzeptanz in der Branche und bei wichtigen Kunden, aber eben noch nicht beim breiten Leserpublikum.

Sind es vor allem Aufdeckerstorys, die in der Branche beachtet werden?

Kurt Kuch ist unsere Aufdeckerbombe. Ich glaube schon, dass man ihn mit Fug und Recht noch nicht ganz, aber doch beginnend in den Fußstapfen von Alfred Worm schreiten sieht. Er hat die Hypo-Akten ausgegraben, ich will nicht genau wissen wie, aber wir haben das Gutachten, soweit es Bayern betrifft, mit der „Süddeutschen Zeitung“ manchmal im Doppel gespielt.

Halten Sie es für richtig, dass Hausdurchsuchungen bei Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser im Vorhinein den Medien angekündigt werden, sodass diese dabei sein können?

Ich kann das locker beantworten – wir waren nicht dabei.

„News“ war nicht eingeladen?

Nein.

Aber auch „News“ wäre wohl hingegangen?

Wenn man als Medium eingeladen wird, schließt man sich nicht aus. Ich gestehe, die Optik ist ungewöhnlich, eigentlich komisch. Das erleichtert den Beschuldigten, in dem Fall Grasser, sich als Opfer darzustellen.

Zu den von Schönwandt angekündigten Reformen gehört die Layoutreform. Wie weit ist sie?

Weit. Wir werden Anfang September starten. Lukas Kircher bereitet das mit seinem Team vor. Im November wird es ein maßvoll evaluiertes „News“ geben. Es werden auch Änderungen in der Struktur vorgenommen, das Heft wird aufgeräumter aussehen, verteilt auf einen Hardnews-Teil und einen Softnews-Teil. Die Trennung zwischen Information und Unterhaltung, die aber nicht nur Unterhaltung sein wird, sondern auch Lebenshilfe, soll noch deutlicher herauskommen. In der Gestaltung gehen wir back to the roots, indem wir weniger Geschichten bringen, diese aber großzügiger ausbauen und mit Fotostrecken versehen. Weniger, aber dafür kräftiger. Mit großen Fotostrecken in hoher Qualität heben wir uns von den üblichen Magazinen ab. Das „Profil“ ist noch textlastiger geworden, das ist okay und sein Business, unser Business ist es, den Illustriertencharakter im positiven Sinn wiederzubeleben.

Schriften, Titelschriften?

Da wird auch daran gearbeitet. Es wird lockerer werden. Kirchers Kritik war, dass das Heft vollgepackt ist. Es soll eleganter werden. Sparen müssen wir auch, also wird man einige Elemente überdenken, ob man sie überhaupt braucht. Die Großinvestition, dass wir doppelt so dick werden, sehe ich nicht.

Wie reagieren Sie auf die Gratiswelle? Mit einer eigenen Gratisschiene?

Wir sind kein Gratismedium. Jetzt machen wir den Versuch, in einigen Wiener Bezirken Altexemplare auszuhängen.

Das hat schon Styria Multimedia vorgemacht.

Man kann die Reichweite damit steigern, nicht unbedingt die Erträge. Das Aushängen kostet ja auch was. Je nach Erfolg der Aktion könnten wir überlegen, die Methode auch in den Bundesländerhauptstädten anzuwenden. Denn eine Schwäche haben wir nach wie vor – die Zentrierung auf Ostösterreich. In Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck wäre einiges mehr drin, jedenfalls könnten wir in bescheidenem Au
smaß auch dort bekannter werden. Jedenfalls ist da einiges in Überlegung.

Ein 16. Produkt zu schaffen steht jetzt vermutlich nicht zur Debatte, weil die Geschäftsführung als interimistisch gilt.

Derzeit nicht. In der Redaktion sind wir aber mit der Interimslösung gar nicht so unzufrieden. Johannes Werle macht das, er war und ist Finanzer, wir haben mit ihm ein gutes Einvernehmen. Ich weiß also nicht, ob die Interimslösung immer eine Interimslösung bleibt. Es ist durchaus vorstellbar, dass mehr als eine Interimslösung daraus wird.

Könnte es sein, dass die Entscheidung rechtzeitig vor dem Relaunch im Herbst fällt?

Wenn sie allzu lange dauert, wäre das nicht gut. Aber wir fühlen uns sehr wohl und niemand im Haus wäre böse, wenn es so bleibt, wie es ist. Werle führt voll die Geschäfte, und Helmut Hanusch ist als Generalbevollmächtigter noch stärker eingebunden.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Titel“ auf Seite 40 bis 41 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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