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Syrienberichterstattung, ganz demütig - Der Österreichische Journalist - medien journalismus zeitung print magazin radio tv online

ARCHIV » 2011 » Ausgabe 06+07/2011 »

Praxis

Syrienberichterstattung, ganz demütig

beirut. Was wissen wir eigentlich sicher über Syrien? Als Journalisten, die als Quellen zwischen dem syrischen Staatsfernsehen und den ebenso parteilichen Aktivisten wählen dürfen. Sowie ein paar Menschenrechtsorganisationen, die sich häufig auf Auskünfte Oppositioneller stützen. Denn die meisten westlichen Auslandskorrespondenten sind nicht vor Ort, weil sie kein Visum erhalten, verhaftet oder deportiert wurden. Von den großen internationalen Nachrichtenagenturen arbeitet nur noch AFP mit der Ortsmarke Damaskus. Thomson-Reuters berichtet von Jordanien und Libanon aus, AP von Zypern. Ähnlich geht es der BBC, Al Jazeera und CNN. Anthony Shadid von der „New York Times“ durfte kürzlich zweimal für ein paar Stunden nach Damaskus, um Präsidentenberaterin Bouthaina Shaaban und den Assad-Vertrauten Rami Makhlouf zu interviewen. Der eine oder andere versucht, undercover als Tourist einzureisen. Nur wenigen gelingt es und es ist sehr gefährlich.

Aber in der Regel sitzen wir, wie ich, in Beirut oder in Amman oder noch weiter weg. Die eigenen Kontakte sind kaum erreichbar, die Telefonleitungen tot. Aber noch öfter wage ich nicht, meine Kontakte anzuwählen, weil sie dadurch in Teufels Küche geraten könnten. Denn: Big Brother hört mit. Relativ sicher sind nur Satellitentelefone. Sie sind rar, die meisten in den Händen von Aktivisten. Oder Skype. Dafür benötigt man Strom, der in Hotspots häufig gekappt wird. Also durchkämme auch ich Blogs, Facebook, Youtube sowie arabische Fernsehsender und spreche mit Aktivisten.

Aber die Dynamiken vor Ort sind so kaum einzuschätzen. Umso erstaunlicher, dass manch einer vorgibt, zu wissen, wohin die Reise in Syrien geht. Dies ist kein Plädoyer, die Berichterstattung einzustellen. Wir sollten versuchen, die Teile des Puzzles zusammenzufügen. Aber unter Betonung der Umstände, dass wir Videos kaum überprüfen können. Dass wir für vieles nicht die berühmten beiden unterschiedlichen Quellen haben. Dass viele unserer Quellen mit Mängeln behaftet sind.

Wir kennen die groben Linien: Das Assad-Regime ist unter Druck. Es hat sich entschlossen, mit Gewalt die Kontrolle zurückzuerobern. Darüber hinaus versuchen wir uns in informiertem Erahnen und Erraten. Über diese Tatsache sollten wir nicht schweigen.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 142 bis 142. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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