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ARCHIV » 2011 » Ausgabe 06+07/2011 »

Beruf

Trotz Umbau geöffnet

Von Astrid Kuffner

Der Umbau des Presseclubs Concordia ist voll im Gange. Und er betrifft nicht nur die Räumlichkeiten. Astrid Zimmermann, seit Oktober 2010 Generalsekretärin des ältesten Presseclubs der Welt, will die Marke Concordia behutsam ins 21. Jahrhundert führen. Die lange Geschichte bleibt Fundament und Auftrag für künftige Entwicklungen.

Derzeit hat der Presseclub keine eigenen Räume. Das Concordia-Haus wird generalsaniert. Was tun Sie mit dieser Nachdenkpause und dem Gestaltungsspielraum?

Astrid Zimmermann: Diese Pause ohne eigene Räume kommt mir sehr gelegen. Ich entwickle neue Strategien, treffe mich mit Kooperationspartnern, belebe institutionelle Bande zu verwandten Organisationen wie dem Club der Auslandspresse, dem International Press Institute, Reporter ohne Grenzen, der Initiative für Qualität im Journalismus (wieder). Oft geht es um neue Formen für alte Ideen. Es gibt ja genug inhaltliche und historische Anknüpfungspunkte. Wenn jeder sein Rad neu erfindet, ist das in so einem kleinen Markt ein Wahnsinn.

Apropos Wahnsinn: Wer umbaut, braucht starke Nerven und genug Geld. Wann wird es fertig und was wird der Club dann alles können?

Gerade wird ein Lift eingebaut. Die Concordia wird also barrierefrei. Lüftung, Leitungen und sanitäre Anlagen werden generalsaniert (Zimmermann zieht den Polierplan aus der Handtasche). Wir werden nach dem Umbau neben dem Festsaal einen zweiten, kleineren Raum mit Kaffeehauscharakter haben. Es soll wieder ein Clubleben möglich sein und Veranstaltungen im kleineren Rahmen wie Buchpräsentationen, Hintergrundgespräche, Pressefrühstücke. In der Concordia sollen sich Publizisten und Publizistinnen mit jemandem treffen können, wenn sie nicht ins Landtmann wollen, wo einen alle sehen. Oder Zeit überbrücken, einen Kaffee trinken und arbeiten. In rund einem Jahr, Mitte 2012, soll alles fertig sein.

Der älteste Presseclub der Welt besteht seit 1859. Wer war die Concordia damals? Wer ist sie heute?

In 150 Jahren wandeln sich Definitionen. Die Concordia hat sich um soziale Absicherung und arbeitsrechtliche Belange für die schreibende Zunft gekümmert, lange bevor es Gewerkschaften gab. Die Nachwahlanalysen der Chefredakteure wurden Anfang der 1960er-Jahre aus dem Club übertragen. Heute finden sie direkt im TV statt. Ein neutraler „Ort des freien Worts“ und erste Adresse für Pressefreiheit soll sie bleiben.

Warum hat Sie die Aufgabe der Generalsekretärin gereizt?

Ich bin Mitglied seit 1998, als ich zur Vorsitzenden der Journalistengewerkschaft gewählt wurde. Ich war bisher 25 Jahre Journalistin, fünf Jahre selbstständig im Medienhaus Wien, Gewerkschafterin, Mitglied des Presserats. Im Presseclub kann ich all diese Bereiche wie mit einem Brennglas betrachten, betreiben und managen. Die Leute haben mir alle gratuliert und dann gefragt, was die Concordia eigentlich macht. Es reizt mich, noch einmal etwas auf die Füße zu stellen und mit dem Umbau fit fürs 21. Jahrhundert zu machen.

Sind Sie mehr Sekretärin oder mehr Generalin?

Im Moment bin ich noch mehr die Sekretärin, strebe aber die Generalin an. Ich organisiere viel und kümmere mich ums Geld.

Weltweit sind einige Presseclubs vom Zusperren bedroht. Wie ist die Lage der Concordia?

Meiner Vorgängerin, Ilse Brandner-Radinger, ist es gelungen, den Mitgliederstand zu verdoppeln. Wir haben rund 700 ordentliche, außerordentliche, studentische und fördernde Mitglieder. Das Haus kann die Concordia als eine Art Restitution vom Staat Österreich günstig nutzen. Wir haben also eine solide und vielfältige finanzielle Basis. Ich will jetzt aber auch einen Topf für Recherchestipendien füllen. Das gibt es in Deutschland und den USA bereits. Ich bin nicht die Einzige, die darüber schon länger nachdenkt, aber jetzt gehen wir es an.

Was haben Sie noch alles in der Handtasche abgesehen vom Polierplan und den Recherchestipendien?

Änderungsvorschläge vom Vorstand für die Verfahrensordnung des neuen Presserats, Vorschläge zur Aktualisierung des Ehrenkodex, Strategieplanung und Ideen zur Weiterentwicklung der Marke Concordia, Pläne für das Wiederaufleben einer Concordia Akademie, ein Konzept für eine Mediensendung auf Okto …

Reden wir zuerst über den neuen Presserat. Wie beurteilen Sie als Mitglied die Lage?

Im neuen Presserat leisten sich die Trägervereine jetzt eine unabhängige, professionelle, juristisch gebildete Geschäftsführung. Ich bin dabei, die Aktualisierung des Ehrenkodex mit Mitgliedern zu diskutieren etwa in Sachen Rassismus und Religionsfreiheit. Der Ehrenkodex gilt, muss aber auch überwacht werden. Die Medien müssen wiederum die Sprüche des Rats anerkennen und veröffentlichen. Es wäre aber eine Illusion zu glauben, dass der Presserat im Wesentlichen den Boulevardjournalismus verändert. Wiewohl „Bild“ Mitglied beim Deutschen Presserat ist. Das Signet des Presserats im Impressum zu führen kann ein Qualitätssignal für die Leserschaft sein. Das Dilemma ist, dass wir darüber keine öffentliche Debatte haben. Ich habe mir das bei unserem Preisträger Karim El-Gawhary angesehen. Er lässt die Leute über die Schulter schauen und macht transparent, wie Journalismus und Medien funktionieren. Die Medien müssen auch Transparenz über ihre Arbeit herstellen und sich an einem öffentlichen Diskurs über Qualität beteiligen. Deshalb plane ich mit bei einem Medienmagazin im Bürgerfernsehen Okto.

Wie weit sind diese Pläne gediehen?

Wir machen alle Dinge gleichzeitig! Es ist mir wichtig, einen populären Dialog mit dem Publikum darüber zu führen, wie Medien entstehen. Viele Dinge liegen einfach in der Luft. Ich bin mit Armin Thurnher vom „Falter“, Simon Inou von M-Media und Barbara Eppensteiner von Okto in einer Arbeitsgruppe. Wir wollen bis zu den Medientagen den Pilot für ein Live-Format, in dem aktuelle Fragen diskutiert werden, entwickeln.

Geht es auch um eine Verjüngung der Concordia? Braucht der Presseclub eine Facebook-Präsenz?

Mein Zugang ist, nicht nur studentische Mitglieder von der FH Wien zu haben, sondern auch etwas für sie zu tun. Es genügt nicht, über schlechte Arbeitsbedingungen zu jammern. Man muss dem auch etwas entgegensetzen, wie die Stipendien. Ich will natürlich Social Media ausprobieren. Als Person bin ich auf Facebook, aber eine Seite für die Institution hat nur Sinn, wenn sie auch täglich aktualisiert wird. Dazu ist im Moment zu viel im Umbruch. In Zukunft können wir täglich zwei Veranstaltungen gleichzeitig haben, sind aber dann immer noch nur drei Leute. Es muss sich auch auf unserer Webseite mehr tun, aktuelle Debatten sollen angeleiert oder aufgegriffen werden. Bei einer traditionellen Marke wie der Concordia kann man aber nicht einfach sagen, jetzt peppe ich sie auf. Da macht man sie kaputt. Ich will sie ein Stück weit modernisieren und verjüngen.

Was soll denn nach dem Umbau bleiben?

Ethik und Qualität im Journalismus war, ist und bleibt. Wir setzen uns für die berufsständischen Freiheiten und den Schutz von Journalisten ein. Neu ist der Versuch, Transparenz über Medien und Medienarbeit zu erzeugen – bis hin zu Dialog und Aufklärung des Publikums, damit es einen Qualitätsanspruch entwickeln und formulieren kann. Meine wichtigsten fünf Projekte sind der Umbau, neue Einnahmen für neue Projekte wie den Recherchetopf, die Concordia-Preise als Statement nach außen beibehalten, die Mediensendung auf Okto und unser Engagement beim Presserat.

Concordia ist die Göttin der Eintracht, benannt nach der Glocke aus der gleichnamigen Ballade von Friedrich Schiller. Gefällt Ihnen diese Bezeichnung?

Das kann heute kein Mensch mehr verstehen. Es war das Schillerjahr, als die Statuten endlich genehmigt wurden. Mir gefällt die Zusammensetzung „con cordis“, mit dem Herzen. Lieber mit Herzblut als beschwichtigen. Im Fokus ist für mich das Überparteiliche, Neutrale, dem Inhalt verpflichtet sein. Die Concordia-Geschichte ist Auftrag und Fundament.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Beruf“ auf Seite 66 bis 67 Autor/en: Astrid Kuffner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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