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Wie man Zahlen lesen kann

4Die Tageszeitungen „Österreich“ und „Heute“ rufen im Zuge des Konkurrenzkampfes ab und zu auch die Gerichte an. Und da geht es dann oft durch alle Instanzen. Im Februar 2010, nach Veröffentlichung der Ergebnisse der Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK), jubelte die Wiener Gratiszeitung über den von den Prüfern festgestellten „Aufwärtstrend“ der Auflage und schrieb: „,Heute‘ auf Erfolgskurs“. Insbesondere eine Passage in diesem Selbstlob stieß dem „Österreich“-Chef Wolfgang Fellner sauer auf: die zitierte Feststellung Eva Dichands nämlich, dass ihr Blatt „die mit Abstand größte Gratis-Tageszeitung Österreichs“ sei. Beim Handelsgericht Wien verlangte daraufhin „Österreich“, der Gratiszeitung solche Lobeshymnen per „Einstweiliger Verfügung“ zu verbieten. Die Entscheidung der Richter erfolgte prompt: „Die beanstandete Behauptung ist irreführend, weil ‚Heute‘ die einzige Zeitung ist, die in der Kategorie ‚Gratis-Tageszeitung‘ von der ÖAK angeführt wird, und daher kein Abstand zu etwaigen Mitbewerbern in dieser Kategorie bestehen könne.“ Eine Erkenntnis, die auch Nichtjuristen so getroffen hätten. Wenn nur einer startet, dann ist er „mit Abstand“ der Erste im Ziel, wenn nur eine Weinsorte auf der Karte aufscheint, dann ist sie „mit Abstand“ die preiswerteste. Zahlen kann man eben nach Belieben lesen. In zweiter Instanz entschied dann das Wiener Oberlandesgericht ebenfalls gegen „Heute“, doch wollten es beide Verlage genau wissen: beide riefen den Obersten Gerichtshof an. Und der hat jetzt als letzte Instanz die Behauptung verboten, „Heute“ wäre „die mit Abstand größte Gratis-Tageszeitung Österreichs“. Vielleicht wäre es besser gewesen, das Wörtchen „Abstand“ zu vermeiden – denn die „größte Gratis-Tageszeitung“ wird wohl zutreffen. Sei es, wie es sei: Die Entscheidung des OGH hält, da keine Partei über die genehmigte „Einstweilige Verfügung“ hinaus ein endgültiges Urteil anstrebte.

Erschienen in Ausgabe 06+07/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 15 bis 15. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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