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Beruf und Medien

Alexander Wrabetz und die Frauen

„Vorerst gratulieren wir sehr herzlich zur gewonnenen Wahl und freuen uns für Sie/Dich“, beginnt eine Briefmail an Alexander Wrabetz vom 11. August, unterzeichnet von den Juristinnen Ulrike Schmid und Martina Jonas der ORF-Generaldirektion Recht und Auslandsbeziehungen. Um dann in medias res zu gehen: „Nicht freuen wir uns über die Entwicklung in unseren Verfahren vor der Gleichbehandlungskommission im BKA. Der ORF hat ja bereits durch die Auszahlung von einem kleinen Teilbetrag zur Kenntnis genommen, dass wir …unter Kollektivvertrag bezahlt worden sind bzw. der KV noch immer diskriminierend und somit gleichheitswidrig ist. Leider dauert diese Bezahlung unter KV in anderen Bereichen noch immer an.“

Und dann kommt’s: „Wir sind auch diesmal wieder entsetzt sowohl über Inhalt als auch Tonfall des Schreibens“, so die Juristinnen weiter mit Blick auf eine ihnen vorliegende ORF-Stellungnahme im Verfahren vor der Gleichbehandlungskommission. … Es sei … „aus unserer Sicht unfassbar, wie der ORF in Verfahren gegen seine eigenen Dienstnehmerinnen mit Untergriffen und Falschinformationen agiert und diese an Dritte kommuniziert …“

Das ist vielsagend.

Nicht weniger aufschlussreich ist Wrabetz’ Personalpolitik in Bezug auf die Besetzung von Macht- bzw. Führungspositionen. Jüngstes Paradebeispiel sind die neun Landesdirektoren, von denen nur zwei weiblich sind. Dies, obwohl sich für fast alle Bundesländer etliche Top-Frauen beworben haben, deren Qualifikation zumindest die gleiche ist wie die der nun platzierten Männer. „Top-Führungspositionen und die, Information‘ sind nach wie vor harte Männerdomänen“, erklärt Monika Rupp, seit 2004 Gleichstellungsbeauftragte des Öffentlich-Rechtlichen, die ORF-interne Wirklichkeit. Qualifikation habe „natürlich Gewicht und frauenfördernde Aspekte werden berücksichtigt. Doch darüber liegt in vielerlei Hinsicht ein politisches Raster. Und Frauen wird unter diesem Aspekt weniger Vertrauen entgegengebracht. Und dann noch direkter: „Je höher der Druck von außen, desto geringere Chancen haben Frauen auf Spitzenjobs.“ Rupps Nachsatz: „Vier von neun Landesdirektoren hätten es schon sein können.“

Wohl gibt es eine vereinbarte Zielquote von 45 Prozent Frauen in sämtlichen Hierarchieschichten, wohlweislich ausgenommen die oberste ORF-Führungscrew. Doch selbst in den unmittelbar darunterliegenden Etagen ist diese Zielquote noch lange nicht erreicht. Lediglich das administrative und redaktionelle Tätigkeitsfeld im Bereich der WasserträgerInnen ist sogar frauendominiert. Kein Wunder also, dass Monika Rupp schon seit Längerem auf eine zeitliche Festlegung pocht, bis wann die 45-Prozent-Quote zu erreichen ist. Auch da wird gemauert, gemauert, gemauert.

Spannend wird es außerdem, wie der ORF künftig mit der sich weitenden Lohnschere zwischen Mann und Frau umgehen wird. Natürlich betrifft dies nicht die kollektivvertraglich festgelegten Basisentgelte: Es sind die zahllosen zusätzlichen Lohnelemente, wie Zulagen, Sonderzahlungen und vieles mehr, die verhandelbar sind. „Da werden die Frauen niedriger gehalten“ (Rupp). Und das ist detektivische Kleinarbeit, herauszufinden, wo die kleinen Abweichungen sind, die es aber in der Summe ausmachen.

Eines jedenfalls steht fest: Anlässlich der bloß zwei Frauen von neun Landesdirektoren werden „wir beim nächsten Frauentreffen mit dem Generaldirektor das sicher ansprechen“, versichert die ORF-Gleichbehandlungsbeauftragte.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 58 bis 59. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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