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Aufräumen bei der WAZ

Von Engelbert Washietl

Die deutsche WAZ Mediengruppe, wie der 1946 durch Zeitungslizenzen britischer Besatzer im Ruhrgebiet hervorgegangene Zeitungskonzern seit 1997 heißt, hat eine Menge hausgemachter Probleme. Sie hängen mit Besitzerverhältnissen zusammen – die WAZ ist nicht der einzige Zeitungsverlag, dem solches passiert. Neueste Nachrichten aus der Essener Zentrale lassen in Österreich aufhorchen: Petra Grotkamp, die 16,67 Prozent Anteil hat und mit dem WAZ-Manager Günther Grotkamp verheiratet ist, will alle Anteile der Mitbesitzer aufkaufen. Ihr wird die Fähigkeit nachgesagt, die 500 Millionen Euro des kolportierten Preises aus der Geldbörse zu bezahlen, was sehr praktisch wäre. Es könnte also entweder sehr rasch gehen oder, wenn sich Partner querlegen, überhaupt nicht. Die für Österreich entscheidende Frage ist dann, wie Grotkamp die Unternehmensstruktur ändern würde. Der Verlag ist unter dem Slogan „Von Essen nach Europa“ in sieben hauptsächlich osteuropäischen Staaten tätig, ist aber auch 50-Prozent-Eigentümer der „Kronen Zeitung“ und hält knapp 50 Prozent am „Kurier“. Das osteuropäische Engagement hat wenig Freude gebracht, sodass Rückzug angesagt ist. Der 1988 geschlossene Deal mit der „Krone“ brachte in den vergangenen zehn Jahren eine Menge Ärger und Streit, aber sinkende Einnahmen. Stößt die WAZ das Österreich-Paket um einen guten Preis von 200 oder gar 250 Millionen Euro ab? Das ergäbe eine Menge noch nicht kalkulierbarer Folgewirkungen in Österreich, nicht nur für die Familie Dichand. Aber darüber schon zu spekulieren ist voreilig – erst müssten Petra Grotkamps Rechtsanwälte in Essen Tabula rasa schaffen.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Rubriken“ auf Seite 10 bis 10 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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