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Praxis

Das Leben im Augenblick genießen

Carola Schneider (39) begann nach dem Dolmetsch- und Übersetzerstudium (Französisch, Russisch) von 1996 bis 2001 als Journalistin im aktuellen Dienst des ORF-Landesstudios Vorarlberg. Dort war sie als Chefin vom Dienst und als Reporterin in der Politikredaktion tätig. Von März 2001 bis August 2003 verstärkte Schneider das Team der ORF-Korrespondenten in Paris. Seit Herbst 2003 berichtet sie aus der Schweiz mit Hauptsitz in Zürich. Ab November leitet Schneider das ORF-Büro in Moskau. Neben ihrer Tätigkeit für den ORF schreibt sie für mehrere Tageszeitungen, unter anderem die „NZZ“.

Wie viel Macht hat ein Journalist?

„Macht“ ist ein großes Wort, aber ein Journalist hat insofern eine große Verantwortung, als seine Beiträge von sehr vielen Menschen gelesen bzw. gehört werden und diese glaubwürdige, gut recherchierte Informationen und Analysen erwarten dürfen. Diese gilt es jedenfalls auch unter Zeitdruck oder schwierigen Bedingungen zu gewährleisten.

Ihr Verhältnis zur Macht?

Als Journalist möchte ich Machtverhältnisse in der Politik, Wirtschaft etc. aufzeigen und analysieren helfen. Als Privatperson bedeutet sie mir nichts.

Ihre Vorbilder im Journalismus?

Reporter, die auch in der heutigen hektischen und sensationsgierigen Zeit kühlen Kopf bewahren und die nüchterne Analyse und Recherche über reißerische und wenig fundierte Schlagzeilen stellen. Zudem bewundere ich Journalisten, die sich in autoritären Ländern oft unter Lebensgefahr für Meinungsfreiheit und Menschenrechte einsetzen.

Was zeichnet einen guten Journalisten aus?

Hartnäckigkeit in der Recherche, Neugier, das Interesse und die Fähigkeit, die Hintergründe aktueller Ereignisse zu verstehen und einzuordnen, und die Fähigkeit, dieses Wissen den Medienkonsumenten verständlich zu vermitteln.

Warum sind Sie Journalistin geworden?

Weil mich die aktuellen Ereignisse in meinem Umfeld und in der Welt interessieren und ich gerne die dahintersteckenden Zusammenhänge verstehen und vermitteln möchte. Auch deshalb, weil ich qualitativ hochstehende Medien, seien es Zeitungen oder elektronische Medien, sehr schätze und gerne in diesem Bereich arbeite.

Wo und wie lernt man Journalismus am besten?

Im Job selbst, mit Unterstützung von erfahrenen und kritischen Kollegen, von deren Arbeit man profitieren kann.

Was sind Ihre persönlichen Stärken und Schwächen?

Ich bin neugierig, hartnäckig, versuche auch in Stresssituationen kühlen Kopf zu bewahren und scheue großen Aufwand für meine Arbeit nicht. Schwächen sind meine Ungeduld und die Neigung, mich selbst zu stark unter Druck zu setzen.

Wie wichtig ist Klatsch?

Er kann unter Umständen Themen aufzeigen, die spannend sind und noch nicht in der Öffentlichkeit bekannt. Allerdings darf er meiner Ansicht nach nur als Ausgangspunkt einer Recherche und nicht als Informationsquelle, die publiziert werden kann, betrachtet werden.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job am besten?

Dass jeder Tag anders ist als der vorhergehende, dass ich mit einer schier unendlichen Vielfalt von Themen und Menschen zu tun habe. Und dass ich trimedial für Fernsehen, Radio und für Zeitungen arbeiten kann.

Wann waren Sie am glücklichsten?

Ich bin immer im aktuellen Moment am glücklichsten, ich versuche, das Leben im Augenblick zu genießen.

Was soll Ihnen später einmal nachgesagt werden?

Dass ich stets versucht habe, meine Arbeit gut und nach bestem Wissen und Gewissen zu machen.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 146 bis 146. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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