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Beruf & Medien

Dichand-Berater Schmitt „macht seinen Job“

Von Engelbert Washietl

Wie geht es Ex-Chefredakteur Richard Schmitt, der im Februar völlig überraschend den Platz an der Redaktionsspitze der Gratiszeitung „Heute“ räumen musste?

„Heute“-Herausgeberin Eva Dichand ließ am 14. Februar dieses Jahres die Nachricht über die personelle Veränderung per Mail ausschicken. Im ersten Anlauf war von „Kündigung“ die Rede, im zweiten, dass sich „Heute“ von Schmitt „trenne“ und Wolfgang Ainetter dessen Platz als Chefredakteur einnehmen werde. So geschah es auch. Eine schmerzlose Operation war das nicht, das ließ auch Eva Dichand möglicherweise unfreiwillig durchblicken.

Schmitt fiel aber, wie sich kurze Zeit später herausstellte, nicht ins Leere, sondern fand innerhalb des familiären „Krone“-Reiches in einem anderen Trakt Platz. Er gehört zur „Kronen Zeitung“, wenn auch nicht zu deren Redaktion, sondern ganz oben als Berater des „Krone“-Herausgebers und Chefredakteurs Christoph Dichand. Dieser ist der Ehemann der „Heute“-Chefin Eva Dichand, womit sich nicht zum ersten Mal erweist, wie in der „Kronen Zeitung“ allenfalls auftauchende Probleme in familiärer Vielfalt bewältigt werden.

Redselig ist Schmitt in dieser Frage nicht, sondern strahlt beruflich Happyness aus. Die Frage, wie er heute zu seiner Widersacherin Eva Dichand stehe, wischt er vom Tisch. Sie sei keinesfalls seine Widersacherin, er bewundere sie sowohl in journalistischer als auch in geschäftlicher Hinsicht. Keine Rede von Konflikt. Sein Dienstverhältnis bei „Heute“ sei einvernehmlich gelöst worden, mehr gebe es darüber nicht zu sagen.

Da der Ex-Chefredakteur Journalist ist, liegt die Frage nahe, wie er als Journalist in der „Krone“ verankert ist. Im Hauptblatt der großen Boulevardzeitung ist sein Niederschlag bisher spärlich, was vielleicht auch am Widerstand der Innenpolitiker des Blattes liegt, ihn einzugemeinden. Schmitt wird ganz selten und dann im Lokalressort gespielt, manchmal auch auf der Leserbriefseite. Am 21. Juni attackierte er im Lokalressort die rote Finanzstadträtin Renate Brauner und indirekt somit die Stadt Wien (was bei der „Krone“ selten vorkommt): Brauner habe einer Garagen-Errichterfirma ein zinsloses Darlehen in Höhe von 5,53 Millionen Euro Steuergeld für den Bau einer „Volksgarage“ zukommen lassen, wobei allerdings „bekannte Millionäre und Immobilien-Spekulanten“ das große Geschäft machen.

In üppiger Ausführlichkeit ist Schmitt hingegen in der „Sonntags-Krone“ zu konsumieren, die ein gewisses Eigenleben in der Zeitung genießt. Dort taucht er tief in die Geschichte ab, beispielsweise in die mehr oder weniger ruhmreiche Ära der österreichischen Kriegsmarine aus Anlass einer von Wiens Marineverband gestalteten Dauerausstellung. Oder er besteigt mit Verteidigungsminister Norbert Darabos das Bundesheer-Gebirgskampfzentrum Lizum-Walchen auf 2.300 Meter Seehöhe in Tirol, um mit der „Krone“ Wehrpolitik zu machen. Allein der Vorspann der Geschichte ist schon ein Programm: „Ein Offiziers-Verein, der die eigene Armee schlechtredet, und eine Wehrpflicht-Debatte, die noch nix bringt, aber der Truppe schadet: Das Heer braucht eine Image-Offensive. Sie startete im Hochgebirge – exklusiv für die, Krone‘“.

Über die Annahme, er habe in der bunten „Sonntags-Krone“ journalistisch einen Dauerankerplatz gewonnen, kann Schmitt nur lachen. Weit gefehlt, sagt er. „Ich bin „Berater von Dr. Christoph Dichand“, und zwar seit 3. April. Worin die Beratertätigkeit bestehe, wolle er nicht definieren, wer aber seine Laufbahn kenne, könne sicher sein, dass er sich nicht in geschäftsführerische Aufgaben einmischen wolle. Christoph Dichand scheint eine Neigung zu haben, beraten zu werden – soeben zieht er eine Beraterin herbei: Die Interviewerin des Sonntags-„Kuriers“ Conny Bischofberger kehrt zur „Krone“ zurück. Nicht nur, „um unverwechselbare journalistische Formate“ zu verwirklichen, sondern auch, um als Beraterin des Herausgebers zu fungieren, wurde verkündet.

Über seine Stellung in der „Krone“ will Schmitt nicht reden, er sei immer ein bescheidener Mensch gewesen und schiebe sich nicht in den Vordergrund. Er mache seinen Job, Punkt. Bei einer besseren Gelegenheit, also vielleicht in fünf Jahren, werde er gern mehr erzählen.

Die Redaktion des „Journalisten“ hat den Termin notiert.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Beruf & Medien“ auf Seite 74 bis 77 Autor/en: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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