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Beruf & Medien

Die Unbestechliche

Von Elisabeth Horvath

Cornelia Vospernik, seit Anfang 2011 ORF-eins-Nachrichtenchefin, hat eine bewegte Karriere hinter sich. Wenn im ORF für Top-Positionen parteipolitisch nicht Punzierte gesucht werden, stehen ihre Chancen auf weiteren Aufstieg gut.

Immer, wenn zu Hause die Kennmelodie der „ZiB“ ertönte, musste es mucksmäuschenstill sein. Ihr Vater, ein Nachrichtenjunkie, bestand darauf. „Die Nachrichtensendungen waren bei uns das Hochamt“, erinnert sich Cornelia Vospernik. „Da wusste ich, was ich werden wollte: Journalistin. Denn wenn alle Welt den Journalisten zuhört …“

Das war also ihr Schlüsselerlebnis. Eine ihrer Triebfedern hingegen ist die Neugier, eine schier unstillbare.

Groß, schlank, dunkles Haar – kurz geschnitten –, braune Augen, ein offener, klarer Blick: Treffpunkt ist das Sperl, ein traditionsreicher Intellektuellen-Treff und ihr persönliches Lieblings-Café. Gleich zu Beginn bestätigt sich, was ihr Entdecker Roland Machatschke, der ehemalige Chefredakteur der Radio-Außenpolitik und spätere Chef der aktuellen TV-Berichterstattung, über sie sagt: Sie sei „sehr angenehm im Umgang“.

Und in der Tat hat Cornelia Vospernik mit der ihr eigenen Mischung aus erfrischender Natürlichkeit und professioneller Selbstsicherheit viel Gewinnendes an sich. „Wir sind die kleine Schwester der großen FS-2-,ZiB‘. Es ist ein schönes Arbeiten“, sagt sie. „Wir haben motivierte, junge Leute, freilich weniger Ressourcen. Aber ich kann mir Freiheiten nehmen, gestalterisch, eigenständig zu arbeiten. Ich gestalte gerne Geschichten und sage allen,, experimentiert auch einmal‘. Nur einen täglichen 24-Uhr-Beginn für die, ZiB 24‘ hätte ich noch gerne.“

Der Vater Direktor des slowenischen Gymnasiums in Klagenfurt, die Mutter Volksschullehrerin. Cornelia Vospernik, 1969 hineingeboren in eine slowenische Familie aus dem kärntnerischen Dorf namens Föderlach, wächst zweisprachig auf. Ebenso ihre ältere Schwester, die getreu der Familientradition Lehrerin ist, sowie ihr jüngerer Bruder Stephan, der im Auslandsressort der APA werkt.

Bereits mit 15 Jahren beginnt die Gymnasiastin nebstbei in der slowenischen Abteilung des ORF-Landesstudios Kärnten journalistisch zu arbeiten. Ein Jahr später bewirbt sie sich erfolgreich um ein Stipendium für das zweijährige United World College in Duino bei Triest. Danach Dolmetschstudium für Slowenisch und Italienisch in Graz. Seither arbeitet sie auch nebenberuflich als Simultandolmetscherin. An der Universität Graz ist sie Lehrbeauftragte. Dabei kommt ihr das Dolmetschen auch als Journalistin zugute: „Man trainiert, ruhig zu bleiben, sich zu konzentrieren, einfach weiter zu reden, wenn man sich einmal verspricht. Man lernt die Fähigkeit, zu sprechen und zu hören gleichzeitig. Das ist ein gutes Training für Live-Berichte in Radio oder Fernsehen.“

Ihren personellen Wunsch hat sich die Nachrichtenchefin bereits zu Beginn ihres Karrieresprungs erfüllt: Für die „ZiB-Flashes“ holt sie sich mit Claudia Unterweger ein neues Moderatorengesicht, das für Jugend, kulturelle Vielfalt und Spontanität steht. Ihren programmatischen Wunsch nach einem „etwas schrägen“ Nachrichtenmagazin mit Beiträgen und Einspielungen von Korrespondenten verfolgt sie zielstrebig.

Sie sei „gescheit, seriös, ernsthaft, kompetent“, so Machatschke heute. Es gebe „nur Positives über sie zu sagen“. Und in der Tat: Mit wem immer man über Cornelia Vospernik spricht, stets Lob vom Feinsten. „Eine tolle Frau“ sagen etwa Mitglieder aus dem Mediennetzwerk Frauen. Dies, obwohl sie selbst sich nie vernetzt hat. Wiewohl ihr bewusst ist, dass erst dann Normalität erreicht ist, wenn man nicht mehr diskutieren muss: „Mann oder Frau.“ Nachsatz: „Ich denke halt immer, es soll um Leistung gehen.“ Cornelia Vospernik erbringt sie. In hohem Maße.

Was sie indes absolut ablehnt, ist das „Du-Wort“ mit Politikern bzw. deren Presseleuten. Das sei schon „die erste Schwelle“. Ihr geht es um ein „nüchternes, pragmatisches Verhältnis“. Deshalb geht sie auch prinzipiell auf keine Politikerfeste. Sie versuche sich von Politikern fernzuhalten. Replik Machatschke: „Das passt, so habe ich sie auch eingeschätzt.“

Kein Wunder deshalb, dass Vosperniks einstiger Förderer ihr weitere Karrieresprünge im ORF nur unter einer Voraussetzung prophezeit: „Wenn jemand gesucht wird, der nicht parteipolitisch punziert ist, dann hat sie Chancen.“

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Beruf & Medien“ auf Seite 64 bis 64 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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