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Titel

„Kollektivvertrag finden, der sowohl haltbar als auch leistbar ist“

Von Theresa Steininger

Woran scheitern bisher die weiteren KV-Verhandlungen?

Den Unternehmen ist es wichtig, journalistische Arbeit immer billiger zu machen. Und wir wollen einen KV ohne Hintertürchen. Es macht die Verhandlungen schwieriger, dass vor zehn Jahren sichtlich schon beim Schließen des Vertrags überlegt wurde, wie man ihn umgehen könne. Aber ich bemerke Kompromissbereitschaft und Annäherung. Wir müssen einen KV finden, der sowohl haltbar als auch leistbar ist. Wir brauchen ihn, weil er zu Gerechtigkeit beiträgt und unangenehme Verhandlungen vor Gericht oder im Unternehmen verhindern kann – im Interesse beider Seiten.

Was sagen Sie jemandem, der behauptet, der Kollektivvertrag sei nicht zeitgemäß?

Ich wüsste gerne, wo er nicht zeitgemäß sein soll. Der KV hat einen Wettbewerbsaspekt, wenn andere auch nicht billiger produzieren können. Ansonsten kommt es zu einer Abwärtsspirale in der Branche, wir müssen diese aufhalten, damit alle unter den gleichen Bedingungen arbeiten. Man muss von unserem Beruf, der hohe Anforderungen stellt und eine große psychische Belastung mit sich bringt, leben können. Wenn ich höre, was Junge bekommen, frage ich mich, wie sie das machen – es kann ja nicht Sinn der Branche sein, dass man bei der Müllabfuhr besser verdient.

Wird es eine Abflachung der Quinquennien geben?

Das ist noch nicht gegessen. Eine Abflachung ist sinnvoll, die Frage ist noch, auf welchem Niveau. Das Problem ist, dass Ältere angehalten werden, auf die Quinquennien zu verzichten, anderenfalls wird ihnen mit Kündigung gedroht. Wenn sie niedriger werden, ist diese Gefahr nicht mehr relevant. Wir werden genau schauen, was sinnvoll ist. Wenn der KV dann noch gebrochen wird, gibt es aber einen großen Wirbel.

Was raten Sie für Gehaltsverhandlungen jedes Einzelnen?

Der KV kann für Gehaltsverhandlungen als Untergrenze dienen. Man muss aber darauf achten, dass man mit Pauschalen nicht um Überstundenabgeltung umfällt. Vieles von dem Geld, das Unternehmen durch Journalisten verdienen, investieren sie im Ausland oder in Online, die Journalisten selbst haben selten etwas davon. Das ist ein wichtiger Punkt, wenn Verleger sagen, es gehe ihnen so schlecht.

Wann rechnen Sie mit einem Abschluss Ihrer Verhandlungen?

Wenn wir bis Jahresende nicht zumindest die wichtigsten Punkte festgemacht haben, betrachte ich die Verhandlungen als gescheitert. Die Details können nachher geklärt werden und ich glaube, dass wir eine Einigung in Grundzügen bis dahin schaffen.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Titel“ auf Seite 44 bis 45 Autor/en: Theresa Steininger. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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