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Beruf und Medien

Kommt was Besseres nach?

Von Elisabeth Horvath

Das Personalpaket für die ORF-Führungsgarnitur ist vom Aufsichtsrat mit großer Mehrheit abgenickt, die wenigen Aufmüpfer werden auch noch ausgesessen. Das Spannende aber ist: Kommt business as usual oder kommt doch was Besseres nach? Bis jetzt gibt es nur Worte, Worte, Worte.

Eigentlich blieb ihr gar nichts anderes übrig, als anzutreten. Dies, obwohl Kathi Zechner, die von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bestellte Direktorin für Unterhaltung und Information, seit Monaten und Wochen zuvor vor Vertrauten und Freunden immer wieder konkret hat durchblicken lassen, dass sie gar nicht wechseln will. Und zwar von dem Super-Job der Wiener Musicalchefin, den sie 2004 antreten konnte und in dem sie beachtliche Erfolge erzielt hat. Hätte sie sich nämlich verweigert, so hätte sich die toughe und stets durchschlagungskräftige Powerfrau für ihre weitere berufliche Karriere ordentlich Probleme eingehandelt. Gilt doch in dem verpolitisierten Österreich die zumeist unausgesprochene Formel des Gebens und Nehmens: Wem gegeben wird, der kann zuerst nehmen, muss aber dann, wenn es eingefordert wird, ebenfalls geben. Im konkreten Fall die Bereitschaft, den ORF-Top-Job zu übernehmen, den man keineswegs als bequem und nur leistungsorientiert bezeichnen kann.

Im Klartext: Wenn jemand wie Kathi Zechner 1994 vom damaligen ORF-Boss Gerhard Zeiler, dem vormaligen Pressesprecher der beiden SP-Kanzler Fred Sinowatz und Franz Vranitzky, am Küniglberg als Programmchefin installiert wird und 2002, als Monika Lindner (ÖVP) ORF-Generalintendantin wird, die Chance bekommt, zu den Vereinigten Bühnen zu wechseln, dann steht sie gewissermaßen in der Schuld ihrer Förderer. Und dass diese Institution zur Machtsphäre des roten Kultur-Wien zählt, ist kein Geheimnis. Was absolut nicht heißen soll, dass Kathrin Zechner Parteimitglied wäre oder im ORF nun parteipolitisch agieren wird. Immerhin erklärte ja auch VP-Stiftungsrat Franz Medwenitsch im „Standard“ vor Kurzem, er kenne Kathrin Zechner als „kultur- und programmnahe, nicht als parteinahe“. Doch ob ihre Berufung nur allein Wrabetz’ Wunsch war, das sei dahingestellt. Gut möglich auch, dass er eben auch Wünsche anderer verinnerlicht hat.

Dazu kommt aber noch etwas. Schließlich muss Kathi Zechner in der neuen Position auch journalistisch entscheiden und führen. Zumindest ist die Job-Beschreibung formal so zu verstehen. Zwar sei Zechner ein „Vollprofi im Fernsehen“, schrieb denn auch schon Tage vor ihrer Bestellung die „Wiener Zeitung“ unter dem beziehungsvollen Titel „Zurück zum Edelboulevard“. „Eine Ikone des Qualitätsfernsehens ist sie nicht, eher ein Aushängeschild des gehobenen Boulevards – was sich auch bei den Vereinigten Bühnen Wien zeigt.“

Wie auch immer. Mit der Bestellung Zechners als Programm- und Nachrichten-Chefin ist es ja ohnedies nicht getan. Immerhin werden – zwar nicht gleich bei Antritt der Direktorin – auch General Manager installiert werden. Und was ORF 2 angeht, so steht auch die Person schon fest: Es wird dies Stefan Ströbitzer sein, geboren 1966 in St. Pölten und Sohn des langjährigen „NÖN“-Chefredakteurs Hans Ströbitzer.

Nach dem Jus-Studium startete der verheiratete Vater zweier Kinder 1994 als freier Mitarbeiter im ORF-Landesstudio Wien. Drei Jahre später wechselte er in die Wortredaktion von Ö3, 1999 wurde er Chef der Informationssendungen des Senders und im Jänner 2007 wechselte er im Rahmen der ORF-Programmreform als Reformbeauftragter für die „Zeit im Bild“ zum Fernsehen. Im selben Jahr wurde Ströbitzer Chef der ORF-2-Informationssendungen. Und im September 2010 kehrte er als Chefredakteur der Radiosendungen in den Hörfunk zurück.

Letzteres war offensichtlich im Sinne des zeitgleich vom Fernsehen ins Radio zurückgekehrten Karl Amon. Der Radiomann ist damals zum Direktor des Hörfunks aufgestiegen, nachdem er zuvor einige Zeit als TV-Chefredakteur gewerkt hatte. Und in dieser Zeit hat er Stefan Ströbitzer näher kennen- und schätzen gelernt.

Mit dem Vorhaben also, Ströbitzer als General Manager wieder auf den Küniglberg zu hieven, entstünde im Bereich der ORF-Information aufgrund der Vertrauensbasis zwischen ihm und Amon eine personelle Klammer, die ORF-politisch großes Gewicht haben wird. Inwieweit da Kathi Zechner inhaltlich und führungsmäßig de facto das letzte Wort haben wird, wird sich weisen. Neugierde darauf ist jedenfalls allemal angebracht.

Neben den zahlreichen, bereits bekannten Baustellen, die die alte/neue Führungsgarnitur schleunigst angehen muss (siehe „Journalist“ 06-07/2011), tut sich aber auch Weiteres auf. So hat etwa der Publikumsrat in seiner letzten Sitzung vor der Bestellung des Wrabetz-Teams am 15. September den einstimmigen Beschluss gefasst, auf ein TV-Medienmagazin zu pochen. Den schriftlichen Antrag an Generaldirektor Wrabetz hat Ilse Brandner-Radinger, die stellvertretende Vorsitzende des Publikumsrates, gestellt, heftigst unterstützt wurde sie von ihrem Kollegen Peter Vitouch. Dieses Magazin soll in verständlicher Weise politische Zusammenhänge darstellen und erklären, die Gründe für politische Sachentscheidungen bzw. für solche, die nach Diskussionen dennoch nicht zustande kommen, erläutern. Ziel ist eine grundlegende Vertiefung politischer Informationen, um in der Bevölkerung ein größeres Verständnis für komplexe Probleme zu wecken. Brandner-Radinger: „Wir wollen mündige Bürger.“

Des Weiteren geht es dem Publikumsrat um Fragen der Mediennutzung. In dem Zusammenhang soll beispielsweise erreicht werden, dass der Zugriff auf die Mediathek, der derzeit nur innerhalb des Zeitraumes von sieben Tagen nach Sendung möglich ist, auf ein Monat verlängert wird. Der Grund: Viele Konsumenten denken oft erst nach einer Woche daran, dass sie eine versäumte Sendung sehen wollen, manche wollen sie auch ein zweites Mal sehen. Gegner dieser Ausweitung der Abrufbarkeit führen allerdings ein etwas sonderbares Argument ins Treffen. Es werde am meisten ohnedies nur „Wenn die Musi spielt“ abgerufen. Dass genau dies aber beweist, dass diese Technik also auch bei jenen Konsumenten ankommt, denen man die Handhabung dieser neuen Konsumgewohnheit nicht zugetraut hat, und dass dies doch auch positiv zu bewerten ist, das zeigt die unterschiedlichen Denkweisen auch in diesem Gremium. Oder aber, so wird auch gemutmaßt, einige Mitglieder wollen dem ORF nur schaden, indem sie Nein sagen. Immerhin ist auch der Publikumsrat vorwiegend nicht mit Parteiunabhängigen besetzt.

Schließlich aber wird sich erstmals im November zeigen, ob die ORF-Verantwortlichen, im Besonderen der Stiftungsrat, tatsächlich Verbesserungen mit Blick auf Unvereinbarkeiten jedweder Art absegnen. Ist doch derzeit Franz Küberl, Stiftungsrat und Caritas-Präsident, als Leiter einer Arbeitsgruppe damit beschäftigt, Regeln auszuarbeiten, die etwa Fälle wie jenen, dass ein Stiftungsrat zuerst den ORF-Generaldirektor kürt und danach von diesem belohnt wird, indem er zum ORF-Direktor aufsteigt (Wrabetz bestellte Betriebsrat Michael Götzhaber zum technischen Direktor), unmöglich macht.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 56 bis 57 Autor/en: Elisabeth Horvath. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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