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Special Agrar

„Leistung zählt“

Von Kurt Ceipek

Edith Unger leitet als erste Chefredakteurin die „Raiffeisenzeitung“.

Am 1. Juli 2011 hat Edith Unger die Chefredaktion der „Raiffeisenzeitung“ übernommen, wo sie schon seit Oktober des Vorjahres als designierte Redaktions-Chefin eingetreten war. „Es ist eine ungeheuer spannende und herausfordernde Aufgabe“, meint die langjährige Wirtschaftsredakteurin der Nachrichtenagentur APA, die sich gleich mit Vehemenz und Effizienz in den neuen Aufgabenbereich gestürzt hat.

„Einige meiner früheren Kolleginnen und Kollegen von der APA haben gefragt, ob die Arbeit bei einer Wochenzeitung nicht langweilig ist. Jetzt weiß ich: Der Stress ist nicht weniger geworden, nur der Rhythmus hat sich geändert“, verrät Edith Unger, die im Jahr 1993 als Übersetzerin für Englisch und mit ausgezeichneten Spanisch-Kenntnissen zur APA gestoßen war – damals noch als freie Mitarbeiterin. Schon bald erkannten ihre damaligen Chefs das journalistische Talent der aus Güssing stammenden sprachgewandten Schreiberin. Bereits im Jahr 1995 mutierte sie zur Redakteurin der APA und betreute vorzugsweise die Bereiche Landwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie, Außenhandel, Handel und Internationale Organisationen. „Dabei hatte ich naturgemäß viel mit Unternehmen der Raiffeisen-Gruppe zu tun und habe eine große Zahl an Führungskräften kennen- und schätzen gelernt.“

Die gute Kenntnis der Raiffeisen-Struktur war auch ein wesentlicher Grund, dass bei der Suche nach einem Nachfolger bzw. einer Nachfolgerin für den über 60-jährigen Langzeit-Chefredakteur der „Raiffeisenzeitung“ Kurt Ceipek die Wahl letztlich auf Edith Unger fiel. „Ich habe das Angebot nach kurzer Bedenkzeit gerne angenommen und bisher noch nie bereut“, zieht die Südburgenländerin nach knapp einem Jahr eine erste Bilanz.

Dass sie als erste Chefredakteurin der seit dem Jahr 1904 bestehenden „Raiffeisenzeitung“ künftig in der von Männern dominierten Raiffeisen-Gruppe arbeiten muss, bereitet Edith Unger keinerlei Kopfzerbrechen. „Ich bin überall offen und wohlwollend aufgenommen worden und bekomme Unterstützung, wann immer ich sie brauche“, verrät sie zufrieden und ist sicher, dass sich daran auch in Zukunft nichts ändern wird. „Für Anerkennung bei Raiffeisen zählt nicht, ob man Frau oder Mann ist, sondern es zählt die Leistung. Das gilt ganz besonders für die, Raiffeisenzeitung‘. Damit kann ich gut leben.“

Für die nächsten Monate und Jahre hat sich Edith Unger mit ihrer kleinen, aber leistungsfähigen Redaktionsmannschaft viel vorgenommen. „Wir wollen die Inhalte modernisieren und arbeiten auch an einem neuen Layout. Nachdem das neben dem ebenfalls sehr anspruchsvollen Tagesgeschäft gemacht werden muss, wird mir nicht langweilig“, meint sie schmunzelnd. Möglicherweise zum Jahresbeginn 2012 soll die „Raiffeisenzeitung Neu“ der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Aber auf einen genauen Termin will ich mich nicht festlegen. Wichtiger als die Geschwindigkeit ist die Qualität.“

Mit einer wöchentlichen Auflage von mehr als 40.000 gilt die „Raiffeisenzeitung“ als größte Wirtschaftswochenzeitung in Österreich. Dabei landet praktisch jedes der in der Mediaprint in Wien gedruckten Exemplare bei einem bestimmten Empfänger. „Wir drucken nicht für den Altpapiercontainer, nur um mit einer höheren Auflage zu protzen.“ Die meisten Abonnenten erhalten die „Raiffeisenzeitung“ jeden Donnerstag per Post, über den Verkauf im gut sortierten Zeitungshandel oder auf anderen Vertriebswegen. „Aber unser Ziel ist es, die Auflage weiter zu steigern. Das Potenzial dafür ist da“, ist Edith Unger überzeugt.

Irrtümlich halten viele die „Raiffeisenzeitung“ für eine der zahlreichen Gratis-Zeitungen. „Das ist falsch. Es gibt nur ganz wenige Freiexemplare. Alle anderen Abonnements werden bezahlt, wenn auch nicht immer vom Bezieher der Zeitung, sondern von einer Genossenschaft oder einem Raiffeisen-Unternehmen. Würden wir die, Raiffeisenzeitung‘ an alle Raiffeisen-Mitarbeiter und -Mitglieder verschenken, hätten wir ja eine Auflage von über zwei Millionen.“

Gesteigert werden sollen auch die Anzeigenumsätze. „Auch da ist noch einiges an Zuwachs möglich. Wir verfügen jetzt über ein erstklassiges Anzeigen-Team.“

Leicht verärgert reagiert die Neo-Chefredakteurin auf geringschätzige Bemerkungen, dass die „Raiffeisenzeitung“ ein Hofberichterstattungsblatt für Führungspersönlichkeiten der großen und kleinen Raiffeisen-Unternehmen sei. „So etwas kann nur jemand behaupten, der die Zeitung noch nie wirklich gelesen hat. Wir machen eine gute und lesenswerte Zeitung, die von fast allen Lesern hoch geschätzt wird. Ich bin überzeugt davon, dass sich das auch in Zukunft nicht ändern wird.“

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Special Agrar“ auf Seite 112 bis 117 Autor/en: Kurt Ceipek. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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