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ARCHIV » 2011 » Ausgabe 08+09/2011 »

Praxis

Literarische Tage im Klischee

Reykjavík. Es ist, als wären die Vor-Krisen-Zeiten wieder da. Mit viel Tamtam und einer Lichtshow wird in der isländischen Hauptstadt Reykjavík das Konzerthaus und Kongresszentrum Harpa eröffnet. Kostenpunkt: 140 Millionen Euro, Sitzplätze im großen Saal: 1.800 – bei nur 320.000 Einwohnern. Architekt ist Henning Larsen, der Fassadenentwurf stammt von Olafur Eliasson, und als ob das alles nicht reichen würde, finden wir Eröffnungsgäste uns nach der Einweihung auf einem Boot ein, um bei Fingerfood und Drinks das Haus noch kurz von Seeseite anzuschauen. Krisenstimmung? Fehlanzeige.

Das zweite diesjährige Großevent ist ein wenig preiswerter, dafür aber von erheblich kürzerer Dauer als der hoffentlich Jahrhunderte haltende Bau: der Auftritt Islands als Gastland bei der Frankfurter Buchmesse, der international größten der Branche. Wenn das Land auch an wirtschaftlichem Reichtum in den vergangenen drei Jahren erheblich eingebüßt haben mag, der kulturelle Reichtum ist davon kaum betroffen. Schließlich geht keine Erzählung verloren, nur weil das Land auf einmal in der Krise ist, ja, viele entstehen dadurch erst, denn harte Zeiten sind gute Zeiten für die Kultur – die Leute lesen noch mehr (Bücher sind vergleichsweise billig) und Aufstieg und Niedergang des isländischen Reiches bieten viel Stoff.

Gleiches gilt für die Geschichte des Landes, aufschlussreich und unterhaltsam ist es, im Jahr von Harpa-Eröffnung und Buchmesse Architektur-, Literatur- und Musikgeschichte zu vergleichen. Wer durch Island reist, sieht kaum jahrhundertealte Bauten und die erste Blaskapelle Reykjavíks wurde 1876 gegründet – im selben Jahr, in dem Wagners „Ring der Nibelungen“ in Deutschland uraufgeführt wurde, wie Halldor Gudmundsson anmerkt. Er ist zuständig für das isländische Programm in Frankfurt. „Dafür gibt es zu jedem Berg eine Erzählung, was dort geschehen ist. Über Literarisches definiert sich die Bevölkerung“, so Gudmundsson.

In den isländischen Medien nimmt die Frankfurter Buchmesse dafür, dass sie solch ein Großereignis ist, gar nicht so viel Raum ein. Vermeldet werden vor allem die reinen Fakten, also die Zahl der Neuübersetzungen etwa und was der Auftritt kostet. „Wenn es dann in Frankfurt losgeht, wird mehr berichtet werden“, so Ingolfur Bjarni Sigfusson, stellvertretender Chefredakteur beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk RUV. Ein Grund für die derzeitige Zurückhaltung: Über isländische Literatur wissen die Isländer anders als die Deutschen schon fast alles.

Die Literatur mag versuchen, sicher Geglaubtes infrage zu stellen und neue Perspektiven aufzuzeigen, die es sonst nicht zu sehen gäbe; was die Buchtitel angeht, gilt: Klischee volle Kraft voraus, vor allem wenn Autoren und Publikum deutsch sind. So heißen zwei neue Titel über Island und die Isländer „Alles ganz isi“ und „Wo Elfen noch helfen“. Da ist der offizielle isländische Titel des Gastauftritts in seiner Doppeldeutigkeit erheblich besser: „Sagenhaftes Island“ heißt es in Bedienung des Klischees und Verweis auf die Edda-Sagen gleichermaßen.

www.sagenhaftes-island.de

Die Autoren dieser Kolumne sind Mitglieder von www.Weltreporter.net. e-Mail: cvd@weltreporter.net

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 132 bis 132. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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