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Beruf und Medien

Mehr Klarheit und Ordnung im Hause Styria

Von Interview: Engelbert Washietl

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Styria Media Group, Friedrich Santner, setzt auf Konsolidierung und mediale Unabhängigkeit.

Sie waren schon im vorigen Jahr Sprecher des Aufsichtsrates der Styria Media Group, seit Juli sind Sie der Vorsitzende. Was hat sich an der Aufstellung des Medienkonzerns verändert, seit Horst Pirker als Vorstandsvorsitzender ausgeschieden ist?

Friedrich santner: Das Unternehmen hat sich deutlich weiterentwickelt. Es ist sowohl von den Themen her als auch von der Aufarbeitung des Strategieprojekts der Boston Consulting Group einiges an Hausaufgaben erledigt worden. Auch das Bauprojekt wurde weiter bearbeitet und wir hoffen sehr, dass es noch in diesem Jahr zu einer guten Entscheidung und somit guten Lösung kommt.

Es wird also in Graz ein neues Styria-Medienzentrum geben?

Ein Headquarter.

Also keine Übersiedlung des Headquarters nach Wien, wie es einmal geheißen hat?

Ich glaube, hinter dieser Idee steckte damals ein taktischer Schachzug.

Im Medienzentrum werden dann alle Styria-Einheiten in Graz zusammengefasst?

Die Druckerei bleibt, wo sie jetzt ist. Aber Redaktion, Verwaltung kommen zusammen. Die Bruttogeschoßfläche wird zwischen 25.000 und 30.000 Quadratmeter liegen.

Der Chefwechsel fiel mit der Unternehmens- und Zukunftsanalyse durch die Boston Consulting Group zusammen. Es wurde vermittelt, dass alle Einzelteile des Unternehmens überzeugende Betriebsergebnisse erreichen müssten. Wie weit ist dieser Prozess gediehen?

Das war kein Ergebnis der Boston Consulting Group, sondern ein normales wirtschaftliches Grundverständnis, dass langfristig jede Einheit für sich profitabel sein muss.

Kurzfristig sah es allerdings nicht überall so aus.

Hier hat es eine stärkere Neuorientierung in diesem Jahr gegeben. Das Augenmerk wird nicht mehr hauptsächlich auf Expansion gelegt, sondern auf Konsolidierung, auf Ordnung organisatorischer Art. Auch die Betriebswirtschaftlichkeit wird klarer herausgearbeitet und umgesetzt.

Hat vor dem Vorstandswechsel in diesem Punkt etwas gefehlt, wurde das Konzept verbessert?

Ich würde das nicht als Verbesserung bezeichnen. In der Geschichte eines Unternehmens gibt es immer verschiedene Phasen. Die Phase, in der Doktor Doktor Pirker das Unternehmen geleitet hat, war eine höchst erfolgreiche, vor allem expansive. Die Strategie, die damals von allen mitgetragen wurde, war ganz klar auf Expansion in Südosteuropa und auch Österreich ausgerichtet. Jetzt erschien es notwendig, das, was gewachsen ist, neu zu organisieren und vielleicht auch zu straffen und strategisch klarer auszurichten.

Empfinden Sie es als ungerecht, wenn ich sage, von außen sieht es so aus, dass Styria betriebswirtschaftlich gesehen aus der „Kleinen Zeitung“ und viel Luft rundherum besteht?

Das stimmt so nicht. Natürlich ist die „Kleine Zeitung“ immer das Core-Business und das Zugpferd in der Styria gewesen. Aber es gibt eine Reihe von erfolgreichen Produkten, wenn Sie „24sata“ in Kroatien nehmen, es hat „Die Presse“ ihr bestes Ergebnis in der Geschichte erwirtschaftet, heuer verbessert sie es weiter. Die Produkte der Regionalmedien Austria (RMA) – eines Joint Ventures mit der Moser Holding – haben sich in den letzten 18 Monaten deutlich verbessert.

Offenbar gelingt nicht allen die Defizitvermeidung. Styria trennte sich vom Wochenblatt „Il Friuli“ in Udine. Ist das ein Signal, dass ausgelistet wird, wer es nicht schafft?

Das eine ist die betriebswirtschaftliche Entwicklung, das andere die strategische Bedeutung. „Il Friuli“ hat im Gesamtkonzept keine strategische Bedeutung. Wäre das Unternehmen profitabel gewesen, hätte man gesagt, wir behalten es. Aber wenn es kein Geld abwirft, hat es keinen Sinn.

Ist Norditalien als Marktplatz damit erledigt?

Nein, das ist nicht gesagt.

Das Gesamtunternehmen ist als gemeinnützige Privatstiftung konstruiert. 98,33 Prozent gehören der „Katholischen Medien Verein Privatstiftung“, 1,67 Prozent dem „Katholischen Medien Verein“. Das ist erklärungsbedürftig. In der „Offenlegung“, zu der alle Medien gesetzlich verpflichtet sind, ist von einem „eigentümerlosen Vermögen“ die Rede. Was geschieht mit dem Vermögen, wenn es niemandem gehört?

Die „Katholische Medien Verein Privatstiftung“ ist nicht das Unternehmen, sondern der Eigentümer. Der zweite Eigentümer ist der „Katholische Medien Verein“. Die Privatstiftung ist gemeinnützig, sie ist Eigentümer der Styria Media Group AG. Die Erträgnisse der gemeinnützigen Stiftung dürfen nur für die im Stiftungsstatut definierten und nach der Bundesabgabenordnung festgelegten Zwecke der Gemeinnützigkeit ausgegeben werden. Eine Stiftung gehört sich selbst. Sie hat ein Vermögen, das ist die Styria Media Group mit ihren 130 Unternehmen. Sie kann Teile der Gewinne an die Stiftung ausschütten, und die Stiftung darf sie für den Stiftungszweck verwenden.

Können Sie Beispiele für diese gemeinnützigen Zwecke nennen?

Im Stiftungsstatut stehen Förderung katholischer Medienarbeit und allgemeine soziale Projekte. In diesen zwei Bereichen ist die Stiftung tätig, wenn auch im überschaubaren Maß.

Das heißt, in diese Richtung fließt nicht viel Geld?

Wenn Sie das Expansionsvolumen der letzten Jahre anschauen, können Sie sich vorstellen, dass die Liquidität woanders verwendet wurde.

Die Eigentümerstruktur lässt sich auf zweimal katholisch zurückführen. Allerdings steht in der Eigendefinition, dass die Styria Media Group AG selbst und ihre Tochterunternehmungen unabhängig sind, insbesondere auch von politischen Parteien, Interessenvertretungen und Kirchen. Kann man das wörtlich nehmen?

Ja natürlich. Historisch gab es den katholischen Preßverein, dann kam die Stiftung. Das Unternehmen gehört nicht der Kirche, wie immer kolportiert wird.

Würde man die 1,67 Prozent des „Katholischen Medien Vereins“ personalisieren, so hätte der Diözesanbischof von Graz-Seckau, Egon Kapellari, etwas mitzureden. Redet er mit?

Er hat die Rolle eines Protektors des Vereins. Als solcher hat er gewisse Rechte, beispielsweise die Bestätigung des gewählten Vereinsobmanns und bestimmter Funktionäre, aber das ist es. Er hat kein Durchgriffsrecht auf die Medien und keine operative Tätigkeit.

Für Konkurrenten der Styria Media Group könnte die Konstruktion eine offene Flanke für Angriffe bieten. Das aktuelle Beispiel lieferte „Österreich“-Herausgeber Wolfgang Fellner. Er bezeichnete Ende Juli die Situation bei der „Kleinen Zeitung“ als „unappetitlich“ und schrieb wörtlich, die Zeitung „gehört in Wahrheit der Kirche, ist also eine versteckte Kirchenzeitung“. Bringt Sie das in Bedrängnis?

Nein, das zeugt nur von Unwissenheit. Jeder, der rechtskundig ist, braucht sich nur die Organe anzusehen und kann im Firmenbuch nachsehen, und wenn er es versteht, weiß er, dass es nicht so ist.

Also keine Kirchenzeitung.

Eine Kirchenzeitung ist das „Sonntagsblatt“. Das gehört der Kirche.

In der schon erwähnten Offenlegung war im Jänner 2010 in Bezug auf Wertebewusstsein und Unabhängigkeit zu lesen: „Jeden Tag scheitern wir da oder dort an diesem Anspruch; wir wissen das und wollen ihn trotzdem nicht aufgeben.“ Im Jänner 2011 fehlt dieser Satz. Scheitern Sie nicht mehr oder haben Sie den Anspruch aufgegeben?

Den Satz hat ganz sicher Horst Pirker formuliert, denn ich habe ihn von ihm gehört. Jetzt gibt es neue Vorstände, die werden vielleicht andere Dinge sagen.

Mit den Vorständen Wolfgang Bretschko und Klaus Schweighofer ist der Aufsichtsrat zufrieden?

Sehr. Sie machen das sehr gut und haben das Unternehmen weiterentwickelt.

Was heißt weiterentwickeln?

Wenn Sie das Unternehmen heute organisatorisch und betriebswirtschaftlich ansehen, wenn Sie sich Klarheit und Transparenz in der Führung ansehen, so sind wir einen Schritt weiter.

So hät
te Styria auch Kraft und Energie, eine neue Expansionsphase einzuleiten?

Expansion um der Expansion willen macht keinen Sinn. Ich kann ja nicht sagen, ich will unbedingt größer werden. Wir haben einen klaren Auftrag von unserem Eigentümer her. Wenn Sie das Unternehmen über einen betriebswirtschaftlich längeren Zyklus ansehen, gab es wie bei anderen Unternehmen Wachstumsphasen, die dann auch erforderten, dass man konsolidiert und ordnet. Natürlich haben wir unsere Augen offen. Wenn sich sinnvolle Gelegenheiten ergeben, werden wir selbstverständlich wieder expandieren.

Auch digital?

Das ist ein ganz klares Ziel. Digital sind wir noch zu schwach aufgestellt, wir haben unsere Hausaufgabe in den letzten Jahren nicht wirklich oder zu wenig gemacht. Aber wir wollen den Anteil am Umsatz auf 10 Prozent erhöhen. Es wird einiges passieren. Das digitale Geschäft ist das Geschäft der Zukunft, und das war auch eines der Ergebnisse des Boston-Consulting-Prozesses.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 66 bis 67 Autor/en: Interview: Engelbert Washietl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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