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Praxis

Norwegens verbale Gewalt

Oslo. Das Blumenmeer, das sich mir darbot, als ich kurz nach den Terrorattentaten in Oslo ankam, war überwältigend. Norwegen hatte die Untat mit allem anderen als Gegengewalt beantwortet.

Auch verbal wird die Gewaltanwendung überdacht. Wie eine Untersuchung der Wirtschaftszeitung „Dagens Næringsliv“ ergeben hat, benutzen norwegische Journalisten seit dem 22. Juli Ausdrücke wie „blutig“, „tödlich“, „Massaker“, „Inferno“ und „Katastrophe“ weniger als vor dem Terror des Anders B. Zuvor sei beispielsweise in der Sportberichterstattung eine recht drastische Wortwahl üblich gewesen, auch wenn die beschriebenen Ereignisse nur ein Spiel waren.

Sprachwissenschaftler wie Kjell Lars Berge sind erleichtert über diese Entwicklung, meinen sie doch, dass die so häufige Anwendung drastischen Vokabulars für die Beschreibung gar nicht so drastischer Handlungen der Sprache geschadet habe.

www.hf.uio.no/iln/personer/vit/kjellbe/ index.html

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Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Praxis“ auf Seite 133 bis 133. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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