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Special Steiermark

Power to the Störche

Von Barbara Haas

Störche versus Jets. Und dann noch solche, die eine prestigeträchtige Airpower-Show gefährden. „Kleine Zeitung“-Redakteur Josef Fröhlich startete mit seiner Titelgeschichte eine der aufwendigsten Militäraktionen der vergangenen Jahre.

Als am 9. Juni 2011 die „Kleine Zeitung“ mit der monothematischen Titelseite „Alarmstufe Adebar“ erschien, war dem Österreichischen Bundesheer wohl nicht sofort klar, dass dies der Startschuss für eine der größten militärischen Aktionen seit Jahren werden sollte. Und das Heer hatte auch nicht viel Zeit, sich mit der neuen Gefahrensituation rund um die Störche am Fliegerhorst Zeltweg auseinanderzusetzen. Reflexartig folgte nämlich eine Welle der Entrüstung. Eine mediale, politische und natürlich auch eine der Tierschützer, die plötzlich ihr Herz für arme Störche entdeckt hatten. Die Exklusiv-Story von Josef Fröhlich (42) hatte nämlich alles. Zum einen das schöne Duell: süße und babybringende Vögel auf der einen Seite, lärmende, sauteure Donnervögel auf der anderen. Eingebettet in ein Massen-Event – die „Airpower“. Magnet für Adrenalinfans, aber auch für Tausende Familien. 300.000 Menschen wollten in den Himmel blicken, wenn am Fliegerhorst etwa die „Tricolore-Flieger“ ihre bunten Schleifen in den Himmel zeichnen. In diesem Jahr durfte man noch mehr Glamour erwarten, denn Red-Bull-Erfinder Dietrich Mateschitz hatte den Red Bull Ring in Spielberg gerade um 120 Millionen Euro völlig neu inszeniert – die Airpower ein paar Kilometer weiter war also diesmal als doppeltes Zeichen seiner Stärke in der Steiermark zu sehen. Doch in den drei Wochen bis zur Airpower sah man zwar einiges, nur Stärke war wenig dabei. Das Bundesheer lieferte hingegen viele komödiantische Szenen. 24 Soldaten etwa sollten 25 Störchen tief in die Augen blicken, um diese zu „vergrämen“. Das war der Anfang der militärischen Kreativität, die in einer Pressekonferenz gipfelte, in der sogar echte Militär-Codes ausgegeben wurden, wie man bei der Show mit dem Federvieh umgehen wolle. Ja, diese drei Wochen waren die perfekte Zeitspanne, um einer Geschichte Zeit zu geben, sich richtig zu entfalten. Das hatte Josef Fröhlich, als er am Rückweg von einer Recherche am Fliegerhorst vorbeifuhr und die Störche dort auf der Wiese sah, nicht gleich gedacht. „Ich arbeite und wohne ja in der Gegend, also fahr ich viel herum, und ich wusste schon, dass es eine gute Geschichte war, aber diese Folgen? Es gab ja schon seit Jahren ein Storchenpaar und diese Vermehrung musste auch ein Problem sein, mir war aber nicht klar, wie groß das Problem werden würde. Zum Glück hat man in Graz die Story aber auch so eingeschätzt und aufs Titelblatt gehoben“, so Fröhlich. Wie alle Regionaljournalisten kennt nämlich auch er die Kommunikationsprobleme, die sich öfters zwischen Zentrale und Außenstelle ergeben, wenn es um die Einschätzung einer Geschichte geht. Nicht aber in diesem Fall und damit war der Vogel quasi im Nest. „Natürlich hatte weder das Bundesheer noch das Land Steiermark eine große Freude mit der Geschichte, die waren ja voll auf ihre Airpower konzentriert, aber trotzdem hat man nach einer anfänglichen Schrecksekunde extrem richtig reagiert. Nämlich nicht auf Kracher zu setzen und versuchen, die Tiere zu verschrecken oder gar zu töten, sondern eben wegzustarren“, muss auch Fröhlich noch über die ungewöhnliche Methode schmunzeln. Dass das viel gescholtene Bundesheer sogar seine ABC-Kampftruppen zur Storchen-Vertreibung einsetzte, „brachte ihnen große Sympathiepunkte“, so Fröhlich. Pluspunkte gab es auch für Fröhlich selbst: „Ich hab gehört, dass die Geschichte in der Blattkritik damals gelobt wurde – das freut einen natürlich schon.“ Der zweifache Familienvater (seine Buben sind 18 und 16 Jahre) arbeitet schon seit 1992 bei der „Kleinen Zeitung“ – immer in der Region Murtal. Und er findet es immer noch spannend, auch wenn solche „Storchen-Knaller“ nicht jeden Tag vor der Tür stehen. „Aber die Geschichten liegen trotzdem auf der Straße, bei den Störchen bin ich auch einfach vorbeigefahren.“ Außerdem findet er seit September 2006 gelegentlich Abwechslung in Graz, wenn er als Ressortleiter-Stellvertreter die „andere Seite“ leben darf. „Ich bin aber trotz meiner spannenden Aufgaben in Graz überzeugter Regionalist, weil man hier einfach unmittelbarer arbeitet. Wenn ein Bürgermeister findet, ich schreibe einen Topfen über ihn, dann steht er am nächsten Tag bei mir im Büro, aber wirklich.“ Ob er dadurch auch zahmer geworden ist, weil man ja nicht ständig nach kritischen Geschichten Besuch bekommen möchte? „Ich bin vermutlich fairer, weil ich auch persönliche Umstände kenne und bedenke, ehe ich jemand harsch kritisiere. Aber grundsätzlich hoffe ich, die journalistische Distanz nicht verloren zu haben.“ Das zumindest bestätigt sein Chef und Leiter des Steiermark-Ressorts, Bernd Olbrich. „Josef Fröhlich ist weit weg vom Hawara-Prinzip, das ist das Schöne und Beeindruckende an ihm, weil er doch mit der Region so verwurzelt ist.“

Die Airpower 2011 ging übrigens mit höchsten Sicherheitsstandards, aber ohne Code-Red-Szenarien über die Bühne, die Störche waren so lieb und wollten den lauten Bombern gar nicht ihre Flugroute stören – und auch darüber berichtete Josef Fröhlich, sogar überregional.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Special Steiermark“ auf Seite 106 bis 107 Autor/en: Barbara Haas. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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