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Beruf und Medien

„Salzburger Nachrichten“ nun auch sonntags – auf iPad

Von Interview: Georg Taitl

Die „Salzburger Nachrichten“ arbeiten an einer Version für das iPad. Chefredakteur Manfred Perterer glaubt zwar noch nicht an viele Abonnenten der App, will aber dennoch wesentlich mehr als nur die Zeitungsseiten auf das Tablet stellen.

Die „Salzburger Nachrichten“ wird es ab Oktober als App für das iPad geben. Und das Besondere daran: auch am Sonntag. Schafft sich Print selbst ab?

Manfred perterer: Wir starten mit „SN HD“ voraussichtlich am 3. November. Der iPad-Auftritt ist eine ideale Ergänzung zu Print.

Alles gratis oder …

… gratis wird es nichts geben, weil wir der Meinung sind, dass wir Qualität produzieren und die hat ihren Preis. Zweitens wird es nicht die Zeitung eins zu eins – so wie es andere machen – als PDF oder in irgendeiner aufgemotzten Form geben, sondern es wird eine eigene „Highdefinition“ geben.

Die „SN“ kosten 24 Euro im Monat, 276 im Jahr. Was wird das iPad-Abo kosten?

Wir arbeiten noch an der Preisfindung.

Wird die App über den Apple-Store angeboten?

Ja.

Das heißt, 30 Prozent der Abo-Einnahmen gehen an Apple?

Stimmt.

Was soll die App können? Ist „The Daily“ von Rupert Murdoch ein Vorbild?

Wir haben uns vieles angeschaut. Gefallen hat uns davon beispielsweise die App der „Welt“ und die App des Zürcher „Tages-Anzeigers“. In abgewandelter Form werden wir damit als Erste in Österreich mit einer richtigen App auf den Markt kommen.

Die „Welt“-App hat 17.000 Abos am Tag. Ist sie auch hier ein Vorbild?

So weit denken wir nicht. Das wäre in Österreich illusorisch. Es gibt zurzeit 80.000 bis 90.000 iPads in Österreich. Wenn wir davon als ersten Schritt einen kleinen Prozentsatz erreichen können, wären wir schon glücklich.

Wie viele Abos am Tag sind das Ziel?

Wir legen uns keine Latte, sondern wir glauben an das Projekt, wissen aber gleichzeitig, dass es einige Zeit dauern wird, bis das Projekt auch wirtschaftlich erfolgreich werden kann.

Wann ist Break-even geplant?

In drei Jahren.

Nachrichten sollen am iPad lebendig gestaltet sein. Was kann die „SN“-App?

Es wird eine Mischung aus geschriebenem Wort, animierter Grafik, Bild und Video sein. Die Leserinnen und Leser können sich auch interaktiv betätigen. Die Beiträge werden aus allen Kanälen, die den „SN“ zur Verfügung stehen, kommen und extra für das iPad aufbereitet werden. Das wird im Vergleich zu anderen das Interessante sein.

Wie viele „Seiten“ wird die App haben?

Geplant haben wir zwischen 16 und 20 Seiten.

… mit klassischen Ressorts?

Es wird keine starre Ressortgliederung geben, es wird Themenblöcke geben.

Der Trend bei Zeitungs-Apps geht ja bis zu äußerst personenbezogenen Inhalten für Leser – beispielsweise je nach Beruf, Interessen oder Wohnort. Wird es persönliche Titelseiten geben?

Im ersten Schritt gehen wir noch nicht so weit. Jetzt geht es einmal darum, ein gutes Produkt auf den Markt zu bringen, das auch funktioniert. Die technische Seite ist nämlich nicht zu vernachlässigen, wir haben einigen Aufwand, das so zu programmieren, dass es nach dem Freischalten nicht zu imageschädigenden Abstürzen kommt. Deshalb kommen wir mit einem ausbaufähigen Produkt auf den Markt und werden sicher in kurzen Abständen immer wieder neue Dinge hinzufügen.

Beim Zeitunglesen ist die Endlichkeit das Schöne. Irgendwann ist man mit dem Lesen fertig. Apps hingegen können ständig aktualisiert werden. Wie viele Ausgaben wird es am Tag geben?

Die erste Ausgabe wird es am späten Abend geben und dann am frühen Morgen eine erste Aktualisierung und dann noch einmal am Mittag.

Braucht es dazu die 24-Stunden-Redaktion?

Die wird es nicht geben.

Die „SN“ definieren sich als Regionalzeitung mit österreichweitem Anspruch. Gilt das auch für die App oder kommt lokal total auch mit einer Zusammenarbeit mit den bezirksweiten Wochenzeitungen aus Ihrem Haus?

Wir sehen Regionales und Nationales als unsere Stärken. Das wird auch die Ausrichtung der App sein. Das Regionale ist aber ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen, die das nicht haben. Online gibt es bereits eine Kooperation mit der „Salzburger Woche“. Die ist durchaus ausbaufähig. Danke für die Anregung.

Ich schicke dann eine Honorarnote.

(lacht)

Zeitungsberater Carlo Imboden, der auch für die „SN“ viel arbeitet, sagt, Special-Interest gehört online, das andere in Print. Kann man beispielsweise Fußball-Unterhaus-Tabellen am iPad bringen?

In der ersten Variante werden wir das nicht bringen. Online gibt es das natürlich schon. iPad ist zeitungsähnlicher, da geht es mehr um Analysen, Hintergründe und Kommentierung.

Apps zeichnen sich auch durch die mögliche Interaktivität zu sozialen Netzwerken aus. Auch bei den „SN“?

Das wird in einem zweiten Schritt sehr wichtig für uns werden.

Zeitungs-Apps werden international mit enormem Aufwand hergestellt. Für nur eine animierte Grafik arbeiten beispielsweise ein Redakteur mit einem Layouter schnell einen Tag. Haben die „SN“ die Ressourcen dafür?

Nein, die haben wir nicht. Wir werden aber alle Möglichkeiten ausschöpfen, die ein Medienhaus wie die SN hat. Darüber hinaus werden wir auf freie Anbieter zurückgreifen. Gerade auf dem Sektor Grafiken gibt es heute bereits europaweit ausgezeichnete Teams.

Wer verantwortet den iPad-Auftritt?

Die Redaktion.

Gibt es eine eigene iPad-Redaktion?

Nein, alle arbeiten an dem Produkt mit, ein paar Spezialisten werden für die tägliche Umsetzung sorgen.

Wie viele Mitarbeiter hat die Online-Redaktion? Wird aufgestockt?

Wir haben bereits aufgestockt, es sind jetzt zehn Leute, die für iPad durch die Printredaktion verstärkt werden.

Müssen die Mitarbeiter die viel zitierten eierlegenden Wollmilchschweine sein – also Print-, Radio-, TV- und Onlinejournalisten und dazu auch noch Grafiker?

Nein, das müssen sie nicht und das können sie auch nicht. Wir haben ausgezeichnete Journalisten. Sie liefern die Storys. Dann gibt es die Experten, die solche Geschichten für das jeweilige Medium adaptieren. Nur so kann Qualität gewährleistet werden. Ein Journalist mit einer Helmkamera, einem Mikrofon und einem Bleistift wird Ihnen vielleicht alle Kanäle beliefern können, aber die Geschichten sind allesamt schlecht.

Was kostet die Entwicklung des iPad-Auftrittes?

Die externen Kosten bewegen sich im mittleren fünfstelligen Bereich.

Wie hoch werden die laufenden Mehrkosten in der Redaktion sein?

Das lässt sich noch nicht abschätzen.

iPad kann auch mit Anzeigen Geld verdienen. Gibt es ein Geschäftsmodell beispielsweise mit Kombiangeboten?

Ja, die Anzeigenabteilung wird rechtzeitig an unsere Kunden herantreten.

Im Herbst wird sich auch Ihr Online-Auftritt ändern. Wohin geht die Reise?

Es wird wohl November werden. Die Richtung ist klar: bessere Navigation, stärkere Bindung an die Marke „Salzburger Nachrichten“, Konzentration auf das Wesentliche, Fokus auf unsere Kernkompetenzen; Politik, Wirtschaft, Kultur, Salzburg. Und noch mehr Multimedia.

Und am iPhone?

Die schnelle Nachricht zwischendurch steht hier im Vordergrund. Dazu wird es Spezial-Apps vor allem für den Freizeitbereich und viel, viel Service geben. Unsere Apps wird es übrigens für alle anderen Smartphones auch geben.

Wo lesen Sie persönlich am Sonntag Zeitung, haben Sie ein iPad?

Ich persönlich bevorzuge die gedruckte Zeitung. Auf meinem iPad lese ich aber auch schon Zeitungen. Es macht Spaß.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Beruf und Medien“ auf Seite 52 bis 55 Autor/en: Interview: Georg Taitl. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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