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Beruf & Medien

Sonderfall Südtirol

Von Peter Plaikner

1995 lasen 57,5 Prozent der Südtiroler täglich eine Zeitung, 2005 galt dies nur noch für 42,4 Prozent der Bevölkerung. Die Erhebungen von Astat, der Landesstatistik, weisen für die großteils deutschsprachige Provinz deutlich geringere Lesequoten aus als die Media-Analyse (MA) für Österreich. Das liegt nicht nur an den verschiedenen Erhebungsformen von Ämtern und Marktforschern im Auftrag von Zeitungen. Italien ist der TV-dominierteste Medienmarkt Europas. Südtirol kann sich dem nicht ganz entziehen. Auch wenn 87 Prozent der Zeitungsleser die regionalen Blätter lesen. Das sind vor allem die „Dolomiten“, das von Montag bis Samstag erscheinende „Tagblatt der Südtiroler“ mit durchschnittlich rund 55.000 verkauften Exemplaren aus dem Hause Athesia. Das führende Medienhaus des Landes verlegt auch die Sonntagszeitung „Zett“ mit circa 35.000 Stück.

Dennoch hält sich daneben noch „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“, und es gibt den italienischsprachigen „Alto Adige“, der bis 1999 ein „Deutsches Blatt“ beinhaltete. Darüber hinaus hat der „Corriere della Sera“ einen Südtiroler Lokalteil („Corriere dell’Alto Adige“), der aus der Tageszeitung „Il Mattino dell’Alto Adige“ hervorgegangen ist. Trotz dieses reichhaltigen Tagesangebots existiert bereits seit 1980 auch das Wochenmagazin „FF“, wogegen das von Wien unterstützte „Südtirol Profil“ nur von 1993 bis 1996 bestehen konnte. Die „Südtiroler Wirtschaftszeitung“ und das „Katholische Sonntagsblatt“ vervollständigen das Spektrum der landesweit gelesenen Wochentitel.

Der Fernsehsektor ist einerseits geprägt durch die terrestrische Verbreitung deutscher, österreichischer und Schweizer Programme über die Landesgesellschaft RAS, andererseits durch „Südtirol heute“. Die zehnte Bundeslandsendung des ORF wird bereits seit dem Jahr 2000 in dieser Form ausgestrahlt und erhält Millionenunterstützung aus dem Etat von Italiens reichster Provinz (Bruttosozialprodukt pro Kopf). Laut Astat sahen 2005 immerhin 73,1 Prozent der Südtiroler täglich fern. Nach Quoten lagen die deutschsprachigen Programme der RAI zwar mit fast 50 Prozent voran, aber ORF 1 und ORF 2 mit jeweils beinahe 40 Prozent weit vor dem italienischsprachigen RAI-Angebot.

Die zwei Drittel der Südtiroler, die täglich Radio hören, bescheren ebenfalls dem deutschsprachigen RAI-Programm aus Bozen die höchste Quote (34 Prozent), doch das Wiener Ö3 (31,5 Prozent) liegt nur knapp dahinter, und das Innsbrucker ORF-Radio Tirol (12,8 Prozent) belegt hinter dem Privatsender Südtirol 1 (19,3 Prozent) den vierten Rang.

Erschienen in Ausgabe 08+09/2011 in der Rubrik „Beruf & Medien“ auf Seite 86 bis 95 Autor/en: Peter Plaikner. © Alle Rechte vorbehalten. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Für Fragen zur Nutzung der Inhalte wenden Sie sich bitte direkt an die Redaktion.

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